Uta Pippig über den Boston-Marathon

"Ein Symbol von Menschlichkeit und Freiheit"

Vor dem Boston-Marathon 2014, ein Jahr nach den Bombenanschlägen, schreibt Uta Pippig, Boston-Siegerin von 1994, über das bevorstehende Rennen nach einem herausforderndem Jahr.

Boston-Marathon 2013 - Die Fotos
Uta Pippig

Uta Pippig, hier beim Berlin-Marathon 2013, wird am Ostermontag beim Boston-Marathon sein.

Bild: photorun.net

Siegerin bei Boston-Marathon 1994

Es ist 20 Jahre her, da gewann Uta Pippig sensationell den Boston-Marathon. Dabei stellte sie mit 2:21:45 Stunden einen deutschen Rekord auf und lief die zum damaligen Zeitpunkt drittbeste je gelaufene Zeit über die 42,195 km. Nur 39 Sekunden fehlten der Berlinerin 1994 zum Weltrekord. Noch zwei weitere Male, 1995 und bei der 100. Auflage 1996, triumphierte sie in Boston. Heute leitet Uta Pippig ihr eigenes Unternehmen, www.TakeTheMagicStep.com, das Gesundheit, Fitness und positive Veränderungen der Lebensweise fördert und unterstützt. In diesem Zusammenhang hat sie auch eine Gruppe von Läufern auf den Boston-Marathon vorbereitet und wird am Ostermontag vor Ort sein. Auf ihrer Webseite schrieb sie ein Jahr nach den Bombenanschlägen auf den Boston-Marathon über das bevorstehende Rennen. Ihren Text von www.TakeTheMagicStep.com veröffentlichen wir hier:

Am Patriots‘ Day von Neuengland jährt sich der Anschlag auf den Boston-Marathon zum ersten Mal. Die kommenden Tage werden gezeichnet sein vom Innehalten, vom Spüren der Emotionen und Hoffnungen – und sie werden an ein herausforderndes Jahr für eine Stadt und deren Menschen erinnern, die so viel Mut, Stärke, Liebe und Wir-Gefühl gezeigt haben.

Die Bilder des tragischen Ereignisses werden noch lange in uns weilen. Verwundete Menschen suchten in den Monaten danach mutig und hoffnungsvoll nach neuen Wegen – fest entschlossen, ihr Leben unter den neuen oft schmerzhaften Umständen zu meistern, Hindernisse zu überwinden und sich selbst zu stärken.
In gewissem Maße haben die Ereignisse im April des vergangenen Jahres die Freiheit eines Jeden berührt. Wir alle wurden auf die Probe gestellt: die internationale Laufgemeinschaft der Welt ist seither enger zusammengerückt. Nun kehren wir nach Boston zurück und die Welt wartet auf unsere Antwort. Der Boston-Marathon vereint Athleten aus fast hundert Ländern. Verbunden durch die Liebe zu diesem Sport laufen sie Schulter an Schulter friedlich nebeneinander.

Boston-Marathon als Symbol von Menschlichkeit und Freiheit

Wir lebten, fühlten und rannten gemeinsam mit dem unerschütterlichen Glauben, dass das Gute siegen wird, und ich bin davon überzeugt, dass der Boston-Marathon ein Symbol von Menschlichkeit und Freiheit ist. Und so bleiben auch Erinnerungen an Freudentränen, friedvolle Momente und sportliche Erfolge dieses wunderbaren Marathons in meinen Gedanken – von einer Veranstaltung, die uns in jedem Jahr so viel Begeisterung bringt. Während ich die abschließenden Marathonvorbereitungen meiner Lauffreunde verfolge, steigt in mir die Spannung und ich kann es kaum erwarten, die Glücksgefühle und die Hoffnung mitzuerleben, die dieser Marathontag für uns bringen wird.

Athleten aus aller Welt sehnen sich danach, den frischen Morgennebel dieses Frühlingstages auf der Haut zu spüren, den Klang von Tausenden von Füßen auf den sanften Hügeln der Strecke zu hören, den endlos langen Strom von Läufern zu sehen, die sich der Innenstadt nähern, und die berauschende Energie der jubelnden Marathonfans in uns aufzusaugen während wir uns der Ziellinie nähern.

Als ich nach dem Fall der Mauer nach Boston kam, konnte ich endlich meinen Traum verwirklichen und an diesem großartigen Marathon der Freiheit teilnehmen. Ich war fasziniert und überwältigt von der uneingeschränkten Willenskraft, die ich in Boston erlebte und alles was ich in diesem Zusammenhang empfinden und erleben durfte.

Boston-Marathon 2014 mit Strahlkraft

Freiheit, Frieden und Stärke – am Montag werden wir alle durch diese drei Säulen unter einem strahlenden Frühlingshimmel vereint sein. Die Schatten der Vergangenheit werden uns nicht mehr einholen. Wir haben uns versprochen, dass wir um unsere Freiheit immer wieder neu kämpfen werden. Wir laufen gemeinsam und stehen zusammen.

Der Boston-Marathon wird auch in diesem Jahr nichts von seiner Strahlkraft einbüßen und einen Weg aufzeigen, der nicht nur die Unterschiede des Einzelnen in den Fokus rückt, sondern auch eine Welt, in der es Freiheit für alle Menschen geben kann. Vielleicht ist es gar nicht mehr in allzu weiter Ferne, dass wir in jedem Land dieser Erde vereint in einem Marathon der Freiheit teilnehmen können.

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