Interview

"2:08 Stunden, das ist ein Traumziel"

Langfristig traut sich Günther Weidlinger zu, unter 2:09 Stunden zu laufen, wenn alles zusammenpasst.

Sie haben in Barcelona noch ein weiteres Ziel – Sie kandidieren für das Athletengremium des europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA. Wofür würden Sie sich einsetzen, wenn Sie gewählt werden?

Günther Weidlinger: Ich würde als Athletensprecher einige Punkte ansprechen und versuchen, Einfluss auf Entscheidungen auszuüben. Warum zum Beispiel müssen wir bei der EM um 10.05 Uhr starten und in die Mittagshitze hinein rennen? Bei den zusätzlichen Europameisterschaften, die ab 2012 jeweils in den Jahren der Olympischen Spiele stattfinden, sollte es niedrigere Normen geben, denn ich sehe diese Titelkämpfe in erster Linie als Möglichkeit für junge Athleten, um internationale Erfahrung zu gewinnen. Für die europäischen Topathleten sind diese Europameisterschaften in einer Olympiasaison eher nicht interessant. Ich finde auch, dass der Straßenlauf bei großen Meisterschaften stärker vertreten sein müsste. Ein 10-km-Rennen, bei dem die Athleten direkt an den Zuschauern vorbeilaufen, fände ich interessanter als 10.000 m auf der Bahn mit 25 Runden.

Werden Sie eventuell noch bei einem Herbstmarathon an den Start gehen und wäre Frankfurt dann am 31. Oktober Ihre erste Wahl?

Günther Weidlinger: Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich in diesem Jahr noch einen Marathon laufen werde. Ich glaube, drei Marathonrennen wären etwas zu viel – speziell, wenn ich auf die nächsten Jahre schaue. Im Herbst 2011 geht es schon um die Olympia-Qualifikation. Ich plane nach der EM gut zu regenerieren und will dann eher bei kürzeren Straßenrennen starten. Falls ich mich aber doch noch für einen Marathon entscheiden sollte, wäre Frankfurt ein Thema.

Sollte es bei der EM nicht laufen – ist Aussteigen für Sie ein Thema?

Günther Weidlinger: Grundsätzlich ist das kein Thema – ich bin nicht der Typ, der etwas aufgibt. Jede Aufgabe senkt die Hemmschwelle, im nächsten Rennen wieder vorzeitig auszusteigen. Wenn mir natürlich schwarz vor Augen wird oder etwas anderes extremes passiert, laufe ich nicht weiter.

Wenn Sie auf einer Skala von eins bis 100 bewerten müssten, wo Sie sich bisher im Marathon gemessen an Ihren langfristigen Zielen und Ihrem Vermögen befinden, bei welchem Wert stehen Sie?

Günther Weidlinger: Ich denke, ich wäre jetzt bei 75 Prozent. Es ist also noch einiges drin im Marathon. Ich möchte eine Zeit von unter 2:10 Stunden erreichen und denke, dass ich auch das Potenzial habe für ein Ergebnis unter 2:09. Es muss aber dafür alles zusammen passen.

Wie lange wollen Sie Ihre Karriere noch fortsetzen?

Günther Weidlinger: Der Marathon bei den Olympischen Spielen 2012 ist ein großes Ziel. Danach werde ich voraussichtlich von Jahr zu Jahr entscheiden. Mal sehen, ob ich dann noch die Europameisterschaften 2014 mitmache. Das wird auch von meiner beruflichen Zukunft abhängen.

Gibt es ein Marathon-Traumziel für die Zukunft?

Günther Weidlinger: Eine 2:08-Stunden-Zeit zu laufen, das ist ein Traumziel – ebenso eine Platzierung unter den besten zehn bei den Olympischen Spielen. Das klingt hoch gegriffen, aber verschiedene Europäer haben in der Vergangenheit gezeigt, dass ein solches Ergebnis bei Olympia möglich ist.

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Günther Weidlinger will weit nach vorne