Berliner Halbmarathon

Zwei Youngster stehlen den Stars in Berlin die Show

Die beiden erst 18-jährigen Geoffrey Kipsang und Valentine Kipketer gewinnen den Berliner Halbmarathon. Sabrina Mockenhaupt steigt nach 12 Kilometern aus.

Zwei Youngster gewinnen

Valentine Kipketer und Geoffrey Kipsang gewannen den Berliner Halbmarathon.

Bild: scc-events.com

Berlin ist immer wieder für außergewöhnliche Ergebnisse gut: Dieses Mal gab es zwar keine Weltklassezeiten, dafür aber gewannen zwei kenianische Youngster den Berliner Halbmarathon, das mit Abstand hochkarätigste und mit 25.500 Läufern größte deutsche Rennen über die 21,0975 km. Bei warmen Temperaturen von knapp 20 Grad Celsius im Schatten und einem leichten Wind siegte Geoffrey Kipsang, der vor kurzem erst Junioren-Weltmeister im Crosslauf geworden war, in 60:38 Minuten während seine Landsfrau Valentine Kipketer nach 70:12 im Ziel war. Die beiden Gewinner, die sich jeweils eine Siegprämie von 3.500 Euro verdienten, sind erst 18 Jahre alt. Es dürfte vielleicht sogar international einmalig sein, dass zwei 18-Jährige einen derart hochkarätigen Halbmarathon für sich entscheiden. Das beweist aber auch einmal mehr das enorme Potenzial der kenianischen Läufer. Während Valentine Kipketer bei ihrem ersten Rennen außerhalb Afrikas auf Anhieb zum Sieg stürmte, stieg die große Favoritin, Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg), nach 12 km vorzeitig aus.

„Dies sind die beiden größten Erfolge meiner bisherigen Karriere“, erklärte Geoffrey Kipsang, der nur zwei Wochen nach seinem Cross-Gold nun auch auf der Straße triumphierte. „Die Wärme machte mir zwar nichts aus und ich habe nicht einmal etwas getrunken, aber insgesamt war das Rennen bei den hohen Temperaturen zu langsam“, sagte Geoffrey Kipsang. Ursprünglich wurde ein Ergebnis von unter einer Stunde angepeilt. Doch schon an der 10-km-Marke (Durchgangszeit: 28:47 Minuten) war eine solche Zeit praktisch außer Reichweite.

Rund vier Kilometer vor dem Ziel forcierte Geoffrey Kipsang das Tempo dann entscheidend und setzte sich bald danach von seinen verbliebenen Konkurrenten aus der Spitzengruppe ab. „Als ich bei 15 km die Uhr sah, wusste ich, dass es keine Zeit unter einer Stunde geben würde. Danach ging es um den Sieg und ich habe das Tempo forciert“, sagte Geoffrey Kipsang. In seinem ersten internationalen Halbmarathonrennen gelang dem Kenianer, der eine große Karriere vor sich haben dürfte und sich über 10.000 m für das kenianische WM-Team im Sommer qualifizieren möchte, auf Anhieb ein Sieg. Im Ziel war er schließlich deutlich vor seinen Landsleuten Eliud Kiplagat (60:52) und Daniel Chebii (60:56). Die stark eingeschätzten Kenianer Leonard Langat, Kiplimo Kimutai, Abraham Chebii und Pius Kirop spielten in der entscheidenden Phase keine Rolle mehr.

Bester deutscher Läufer war Stefan Koch (LG Braunschweig), der auf Rang 20 in 64:50 Minuten das Ziel erreichte. Während Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) Platz 25 in 67:19 belegte, stieg Falk Cierpinski (SG Spergau) aus.

Bei den Frauen setzte sich von Beginn an überraschend Valentine Kipketer an die Spitze. Die 18-jährige Kenianerin lief ihr erstes Rennen außerhalb Afrikas. Einmal war sie zuvor einen Halbmarathon gelaufen: Ende Februar gewann sie dabei das Rennen in der Höhenluft von Moshi (Tansania) in 74:58. Nun strebte sie überraschend dem Sieg beim hochklassigsten deutschen Halbmarathon entgegen. Denn die große Favoritin Sabrina Mockenhaupt gab das Rennen nach 12 km an zweiter Stelle liegend auf, nachdem sie zuvor auf Kurs war für eine persönliche Bestzeit (68:45). „Es war heute einfach nicht mein Tag. Ich hatte irgendwie einen Blackout und dann lief gar nichts mehr“, erklärte die 30-jährige Sabrina Mockenhaupt, für die der Halbmarathon in der Hauptstadt eigentlich der Saisonhöhepunkt im Frühjahr sein sollte.

Obwohl Valentine Kipketer bei der Wärme das recht hohe Anfangstempo (32:33 Minuten nach 10 km) nicht halten konnte, war ihr Sieg ungefährdet. In 70:12 Minuten erreichte sie mit deutlichem Vorsprung vor Fate Tola (Äthiopien/71:40) und Sonia Samuels (Großbritannien/72:56) das Ziel. Bei den hohen Temperaturen reichte es auch für Andrea Mayr (Österreich) nicht für den avisierten nationalen Rekord. Sie wurde in 73:22 Minuten Vierte vor der Polin Agnieszka Gortel (74:57) und verpasste die Marke um 68 Sekunden. Hinter ihr rannte die beste deutsche Läuferin, Melanie Schulz (LC Erfurt), als Sechste 75:24.

„Ich hatte nicht erwartet, dass ich bei meinem ersten großen internationalen Rennen gleich gewinnen würde. Als ich mir am Start die Konkurrenz anschaute, dachte ich, das wird ein schweres Rennen“, erklärte Valentine Kipketer. „Ich wusste aber, dass ich gut in Form war, denn ich hatte in Eldoret sehr gut trainiert.“

Schauen Sie sich auch unsere aktuelle Fotogalerie vom Rennen 2011 mit 226 Fotos an.

Unsere zweite Bildergalerie vom Berliner Halbmarathon zeigt das Läuferfeld vor dem Charlottenburger Schloss.

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