Leserreporter Britta und Frank Giesen

Zwei Hamburger beim Transalpine Run

Die beiden Hamburger Britta und Frank Giesen haben das Abenteuer Transalpine Run 2014 gewagt. Mit Regen, Sonne, Schnee, Sturm und unzähligen Höhenmetern.

Transalpine-Run 2014 - Leserreporter-Fotos

Unser erstes Mal

Mein Mann Frank und ich laufen seit 15 Jahren gemeinsam. Erst fing ich vor über 17 Jahren mit dem Laufen an und nach zwei Jahren habe ich endlich Frank damit infizieren können. Seitdem Laufen wir strukturierter und alles was wir laufend tun, wird recht professionell dokumentiert und in Statistiken erfasst. Wir bestreiten unser Training gemeinsam und sind auch viele Wettkämpfe gemeinsam gelaufen. Immer wenn Frank keine Lust hat Tempo zu bolzen, begleitet er mich als mein Hase bis zum Ziel. In unserer Freizeitlaufkarriere haben wir viele Marathons und Ultramarathons bestritten, daher musste eine neue Herausforderung her!

Abenteuer Transalpine Run 2014: Ost-Route – 3 Länder in 8 Tagen – Deutschland-Österreich-Italien – 293 Kilometer.

Bild: privat

2012 habe ich endlich Frank überzeugen können, einmal den Transalpin-Run als Zweiter-Team mitzulaufen. Durch Freunde aus Neubrandenburg wurde ich von diesem Event angesteckt und ich musste unbedingt dort mitlaufen. Frank hasst die Berge und hat in den sauren Apfel gebissen und für 2014 zugestimmt, somit standen wir nach vielen, vielen Trainingskilometern am 30.08.2014 in Ruhpolding am Start, im Regen.

1. Etappe: Ruhpolding nach St. Johann

Es sollten heute zum Beginn gleich einmal 48,7 km bestritten werden, an sich für uns als Ultraläufer kein Problem, aber als Flachländer in den Alpen schon eine große Herausforderung. Gemeinsam sind wir stark und los ging’s! Die ersten Höhen haben wir gut hinter uns gebracht, aber die steilen Abstiege mit sehr unwegsamen Single-Trails die durch den Regen regelrecht durchnässt waren, waren eine massive Hürde für uns, mehr für mich als für Frank. Teilweise musste man sich auf dem Boden setzen um sich runterrutschen zulassen. Irgendwie erreichten wir glücklich nach über sieben Stunden, mit je zwei gebrochenen Carbon-Stöcken, das Ziel.

2. Etappe: St. Johann nach Neukirchen

Die 2. Etappe begann wieder mit Regen und heute standen 49,2 km auf dem Programm. Knochen und Muskeln fühlten sich gut an, aber der Dauerregen war kein Spaß. Zum Glück hatten wir nur einen Berg vor uns, mit 1.819 Höhenmetern im Aufstieg. Auch diese Hürde/Etappe wurde irgendwie, ohne großartigen Schmerzen überstanden. Nach ausreichend Pasta am Abend, aber leider wenig Schlaf, konnte man sich auf den nächsten Tag einstellen.

3. Etappe: Neukirchen

In Neukirchen wurde nur abends zuvor beim Briefing bereits über Neuschnee auf dem kommenden Berg Birnlücke (2.665m) berichtet. Daher wurde erst morgens das tatsächliche Ziel bekannt gegeben. Es musste umdisponiert werden, bei über 25 cm Neuschnee und Sturmböen oben über der Baumgrenze sei ein Aufstieg zu gefährlich. Es war zwar schade, aber nicht zu ändern, die Sicherheit ging vor. Wir liefen daher 28 km statt 43,3 km um Neukirchen herum, was mit Dauerregen und sehr glitschigen Passagen nicht weniger Anspruchsvoll wurde. Danach fuhren wir mit plitschnassen Laufschuhen, aber mit trockenen Wechselklamotten über drei Stunden mit dem Bus zur nächsten Etappe nach Prettau. Endlich Italien. Die Sonne kam durch.

4. Etappe: Prettau nach Sand in Taufers

Wir sagten immer, nach drei Tagen wird alles gut, aber leider war es an diesem vierten Tag genau das Gegenteil, es wurde vorerst unsere schlimmste Etappe. Wir mussten hoch zur Bretterscharte (2.513m). Schnee, Sturm und enge Trails, aber erstaunlich gut zu laufen. Wir dachten, das Schlimmste ist überstanden. Nein! Der zweite Anstieg mit sehr unwegsamem Gelände und mit sehr müden Beinen durch den ersten Berg, wurden wir immer unkonzentrierter, sodass wir beide nur sehr langsam vorankamen. Frank stolperte immer wieder und ich konnte die Abstiege kaum bewältigen. Zum ersten Mal (auch das einzige Mal) dachten wir ans Aufgeben. Nach 6 Stunden und 31 Minuten und eine Menge Überholungen unserer Mitstreiter kamen wir irgendwie durchs Ziel.

5. Etappe: Sand in Taufers – Speikboden Bergsprint

Und dann, endlich, die Sprintdistanz von 6,78 km! Man sagt auch ein Ruhetag! Alle 20 Sekunden zeitversetzt wurde gemeinsam mit seinem Teampartner gestartet. Genau unser Ding, Stöcke weg und lossprinten. Nach einem Kilometer ging es dann bergauf, was sonst. Wir wurden überholt, aber auch wir überholten viele und nach 1:15 Stunden hatten wir an diesem Tag Feierabend. Ein schöner Tag, die Sonne schien, und ans Aufgeben dachten wir nicht mehr, da wir bereits fünf Tage und somit mehr als die Hälfte hinter uns gebracht hatten.

6. Etappe: Sand in Taufers nach St. Vigil

Ein Freund sagte am Start über diese Etappe, das ist genau eure Stärke. Gesagt getan, zwei Berge und dazwischen Laufpassagen, toll! Wir hatten nach wie vor keine nennenswerte Blessuren, nur Blasen oder Abschürfungen, sonst nichts. Wir fühlten uns nach dem gestrigen Tag, sodass wir den Aufstieg von 2.289 Höhenmetern sehr gut bewältigten und bereits nach knapp sechs Stunden beim Bierchen gut gelaunt im Ziel saßen.

7. Etappe: St. Vigil nach Niederdorf

So gut wie es die letzten zwei Tage lief, so schlecht war der siebte Tag! Hochalpin mit Drahtseilen zum Halten. Nach wie vor konnten Frank und ich die Aufstiege gut absolvieren, aber die Abstiege mit unwegsamem Geröll, wo das Schuhprofil nichts mehr bringt, ging es rutschend, schleichend bergab. Frank fiel einmal so unglücklich auf dem Rücken, dass eine Pause unabdingbar war. Zum ersten Mal kam unser Erste-Hilfe-Set zum Einsatz. Konkurrenzdenken war verflogen, alle wollten helfen, ein schönes Gefühl. Glücklicherweise ist nichts Ernsthaftes passiert, nur das Frank sich etwas im Rücken verrenkt hatte, aber damit konnte er weiterlaufen. Ich bin durch diesen Sturz so verunsichert gewesen und nach über sieben Stunden total fertig über die Ziellinie gelaufen. Wir beide waren so froh, bereits am siebten Tag angelangt zu sein. Das Ende nahte.

8. Etappe: Niederdorf nach Sexten

Endspurt! Nur 33,4 km, nur ein Berg und zwar ein richtig schöner: „Dreizinnenhütte“. Die Sonne schien und es lag eine über 15 km flache Laufstrecke vor uns, ein Traum! Die letzte Etappe war ein Genuss, mit tollem Panorama-Blick. Wir genossen den Lauf mit vielen anderen Läufern. Der letzte Abstieg war unbeschreiblich, singende, Spaß habende Läufer und wir alle haben es geschafft.

Unser Fazit

Frank und ich sind uns einig, die West-Route wird für uns nie in Frage kommen. Wir sind die Ost-Route gelaufen und haben Schwierigkeiten die Berge runterzukommen. Die West-Route hat weniger Horizontal-Kilometer, aber mehr Höhenmeter, heißt auch mehr Abstiege. Daher ist eine weitere Teilnahme am Transalpine Run frühestens 2016 denkbar. Wir sind Läufer aus dem Flachland und keine Bergsteiger! Daher halten wir uns an den Spruch „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Der Transalpine Run war aber ein ausgesprochen faszinierendes Erlebnis für uns beide.

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