Leser-Reporter

Zugspitz-Supertrail 2015: Alpines Regenrennen

Nach etlichen Kilometern meldeten sich vor dem Ziel noch mal schmerzende Oberschenkel und Knie zurück. Im Ziel angekommen wurden sie sich erst nach der Dusche über ihre Leistungen bewusst.

Zugspitz Supertrail 3

Die geschundenen Wegbegleiter der Supertrailläufer.

Bild: privat

Wer stehenbleibt, friert!

Breite Wege, die sie schon von ihre Teilnahme beim Basetrail von 2013 her kannten, führten hinauf zum Ferchensee bei Kilometer 30. Wegen der Kälte verweilten sie an den sonst willkommenen Versorgungspunkten nach kurzer Nahrungsaufnahme nun nicht mehr länger als nötig. Vorher hätten sie sich das nicht vorstellen können. Das wechselhafte Profil, das zwischenzeitlich zur „Steilen Hütte“ hinaufführte, verlief bald auf ausgewaschenen Wegen steil bergab ins Reintal bis auf ca. 800 m Höhe. Bis auf den Zielort Grainau war dort der tiefstgelegene Streckenpunkt erreicht.

Streckensperrung im Hochgebirge

Die nächsten beiden Versorgungspunkte, die Partnachalm bei Kilometer 40,7 und die Talstation Längenfelder bei Kilometer 47,70, lagen sieben Kilometer und 630 Höhenmeter auseinander. Beschwerlich war der Aufstieg auf einem matschigen Bergpfad zur Talstation in 1.610 m Höhe. Weitere 420 Höhenmeter oberhalb befand sich die Bergstation der Alpspitzbahn, die eigentlich als Etappenpunkt vorgesehen war. Eis und Schnee machten dessen Besteigung zu einem Risiko. Der fünf Kilometer lange Rundweg wurde vom Veranstalter aus Sicherheitsgründen nicht freigegeben und dadurch verkürzte sich die Gesamtstrecke auf 55 Kilometer.

Mit Durchhaltevermögen ins Ziel

Obwohl Lars' Oberschenkel sich wieder meldete und Jörgs Knie bei den vielen Bergabpassagen anfingen zu schmerzen, waren sie nun äußerst zuversichtlich, das Ziel erreichen zu können. Die letzten sieben Kilometer führten auf teilweise sehr steil abschüssigen Waldwegen in Richtung des Ziels. Der bereits seit dem Abend des Vortags anhaltende Dauerregen (der noch bis in die Nacht zum Sonntag hinein anhielt) hatte diese Wege extrem aufgeweicht. Sie waren matschig und rutschig und auf den Bergwegen flossen ständig kleine Bachläufe talwärts. Von Läufern, die rasend schnell an ihnen vorbeischossen, ließen sich Lars und Jörg nicht beirren. Als faire Sportsmänner machten sie den Hasardeuren Platz. Dafür überholten sie wiederum Mitstreiter, die sich verausgabt hatten auf dem allerletzten Teilstück im Zielort Grainau. Nach 10:49 Stunden schlossen sie das Rennen erfolgreich ab und waren glücklich, die Strapazen überstanden zu haben. Bemerkenswert: Jörgs Garmin Forerunner 305 der ersten Generation hatte durchgehalten. Die für Insider interessante Erkenntnis, dass die Akkulaufzeit bei über elf Stunden lag, erstaunte sie.

„Zweierfeier“ statt großer Partysause

Statt zitternd in einem zugigen Zelt zu stehen, um dort der After-Run-Party beizuwohnen, zogen die beiden es vor, eine heiße Dusche in ihrer Pension zu genießen und die Feier in eine gemütliche Kneipe in dessen Nähe zu verlegen. Nunmehr aufgewärmt, ließen sie sich einige Weißbiere schmecken und endlich wurden sie vom guten Gefühl und dem Stolz erfasst, einen solchen Lauf unter schwierigsten Bedingungen mit Erfolg absolviert zu haben. Im Nachhinein betrachtet, war es eine wahnsinnige Herausforderung, die sie an die psychischen und physischen Grenzen ihrer Belastbarkeit brachte – mit glücklichem Ende.

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Zugspitz-Supertrail 2015: Alpines Regenrennen, Himmlische Aussicht und höllische Anstrengungen