Dieter Hogen

Wie steht es um die deutschen Läufer?

Es gibt große Differenzen zwischen den in Deutschland einerseits und in Kenia andererseits geförderten Talenten.

Kenianische Topläufer beim Training

Kenianische Topläufer beim Training.

Bild: photorun.net

Wie hoch ist der Prozentsatz der erkannten und evtl. geförderten Talente dann in Deutschland – 1 Prozent? Über den hiesigen Schulsport und von der Schule gelenkte Veranstaltungen zu reden, bringt an dieser Stelle nicht viel – Sie kennen die Situation sicher besser als ich. Wo also kann man Talente sichten? Gute Frage. Während der WM in Berlin habe ich Dieter Baumann getroffen, in der S-Bahn auf dem Weg ins Stadion. Auf meine profane Frage: „Wie steht’s um die deutschen Läufer?“ hat er ebenso profan geantwortet: „Glaub’ mir, es ist nicht leicht.“ Ich hab's ihm geglaubt.

Natürlich kann niemand die genauen Zahlen wissen, weder in Deutschland noch in Kenia, was den Vergleich von vorhandenen und gesichteten Talenten angeht. Aber darauf kommt es auch nicht an; das existierende Missverhältnis ist hier entscheidend. Genau dieses Missverhältnis ist der Ursprung allen Übels und die Hauptursache für die fehlende Breite und zum Teil auch Spitze bei den weißen Läufern. Deutschland steht hier natürlich nicht allein. Man braucht nur zu den ehemals Ton angebenden Nachbarn nach England oder Irland zu schauen. Alle haben die gleichen sozialen Probleme. Trotz der Bedingungen, die alles andere als ideal sind, sind die Kenianer also deutlich im Vorteil. Nun weiß jeder, dass es in Afrika und speziell auch Kenia eine Bevölkerungsexplosion gegeben hat. Was genau bedeutet das? Doppelt so viele Kinder, doppelt so viele Talente, die in ein paar Jahren den gesamten Lauf noch mehr beherrschen werden?

Eines steht für mich fest, um diesen Punkt erst einmal abzuschließen – unser Problem liegt keinesfalls in für die Entwicklung von Weltklasseläufern fehlenden Bedingungen wie Hőhe, Klima, Ernährung oder Laufstrecken. Ein Talent kann die absolute Weltspitze erreichen, ohne Deutschland jemals verlassen zu haben. Damit sage ich nicht, dass man zum Training nicht auch in andere Länder fahren kann oder soll, aber man darf das Pferd nicht von hinten aufzäumen, nur weil man diese Zwangsvorstellungen im Kopf hat. Ein Grund könnte zum Beispiel sein, eine starke Gruppe zu suchen und sich dieser anzuschließen.

Lesen Sie auch folgende Artikel von Dieter Hogens Analyse:
Teil 2:
Warum Kenias Läufer Hitze meiden
Teil 3: Die Ernährungstricks der Kenianer
Teil 4: Warum Kenianer in der Gruppe trainieren


Text: race-news-service.com/Dieter Hogen

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Warum Afrikas Asse so schnell sind