Halbmarathon Lissabon

Von verschiedenen Welten

Der Halbmarathon in Lissabon zog Masse und Klasse an. Gebreselassie scheiterte bei Weltrekordversuch.

Lissabon Halbmarathon

Haile Gebreselassie bei seinem Weltrekordversuch in Lissabon.

Lissabon ist eine Stadt mit ganz unterschiedlichen Gesichtern. Alte Pracht neben modernen Höhenflügen; südeuropäische Langsamkeit neben globaler Quirligkeit. Ähnliche Gegensätze herrschten auch am Sonntag beim Lissabon-Halbmarathon. Der vorab angekündigte Weltrekordversuch von Haile Gebreselassie scheiterte jedoch. Zwar siegte der 34-Jährige Olympiasieger mit neuer Weltjahresbestzeit über die Halbmarathondistanz, blieb aber mit 59:15 Minuten doch recht deutlich über dem Weltrekord des Kenianers Samuel Wanjiru, der letztes Jahr in Den Haag (Niederlande) 58:33 Minuten gebraucht hatte.

„So habe ich wenigstens noch ein Ziel, das ich verfolgen kann“, gab sich Gebreselassie im Ziel locker. Das Rennen verlief jedoch aus seiner Sicht eher enttäuschend. Nur die ersten fünf Kilometer verliefen nach Plan, eventuell sogar einen kleinen Tick zu schnell, mit Kilometersplits zwischen 2:45 min und 2:47 min. Die Kilometermarke 5 wurde nach 13:50 min passiert.

In Lissabon ist nicht nur die Klasse vertreten, auch die Masse läuft mit.

Doch schon nach sechs Kilometern musste Gebreselassie das erste Mal selbst die Führungsarbeit übernehmen, der an sich zuverlässige Pacemaker, der schon in Dubai zuverlässig für Tempo gesorgt hatte, wurde zu langsam. Dazu kam einiges durcheinander bei den Führungsfahrzeugen, zweimal wurde kräftezehrend die Straßenseite gewechselt, Unruhe kam in die fünfköpfige Spitzengruppe. Und nach nur acht Kilometern sah sich der Äthiopier bereits allein an der Spitze.

Bis zur 10-km-Marke stimmte das Tempo (knapp unter 28 Minuten), dann jedoch verlor Gebreselassie Sekunde um Sekunde. Leichter Gegenwind und einige eckige Passagen im Kurs machten ihm die Tempoarbeit zusätzlich schwer. Seine Zielzeit war schließlich eine kleine Ausdauerwelt vom Weltrekord entfernt.

„Der Rekord ist möglich“, so Gebreselassie nachher. Aber dafür müssen einfach alle Komponenten stimmen – in Lissabon war dies nicht der Fall; wie übrigens schon in Dubai in diesem Jahr. Gebreselassie: „ In Dubai war das Anfangstempo viel zu hoch, der erste Tempomacher war zu schnell“. Nur kurz war dem dauer-gut-gelaunten Gebreselassie im Ziel der Ärger und die Enttäuschung über den verpassten Rekord anzumerken, nach ein paar Minuten lächelte er schon wieder in die Kameras.
Über 30000 Läufer (die meisten allerdings beim Mini-Marathon) genossen derweil noch die herrlichen Frühjahrs-Laufbedingungen mit angenehmen Temperaturen zwischen 14 und 19 Grad.

Lissabon Halbmarathon
Südländisches Flair beim Halbmarathon in Lissabon.