Mo Farah

Vom Flüchtlingskind zum Europameister

Mo Farah kam als 10-Jähriger aus Somalias Hauptstadt Mogadischu nach England. Hier entdeckte sein Sportlehrer Farahs Talent zum Laufen.

Europameister Mo Farah

Mo Farah ist in dieser Saison in Topform.

Bild: photorun.net

Mo Farah, der im vergangenen Jahr bereits Hallen-Europameister über die 3.000-m-Distanz war und 2006 den kontinentalen Cross-Titel gewonnen hatte, ist keiner jener kurzfristig des Erfolges willen adoptierten Athleten, die teilweise nicht einmal die Sprache ihres neuen Heimatlandes verstehen. Als Kind einer Flüchtlingsfamilie war Mohamed Farah im Alter von 10 Jahren aus Somalias Hauptstadt Mogadischu nach England gekommen. Seinem Sportlehrer Alan Watkinson fiel das Lauf-Talent auf. Er ließ Mo Farah viel Fußball spielen, brachte ihn zu einem Lauf-Klub und 1997 hieß der englische Crosslauf-Schulmeister Mo Farah.

Als 18-Jähriger wurde er dann 2001 Junioren-Europameister über 5.000 m. In der damaligen Zeit traf Mo Farah auch auf den zwei Jahre älteren Chris Thompson, der sich an eine Anekdote von einem nationalen Straßenrennen erinnert. „Damals waren wir beide am Start und hatten vorher überlegt, dass wir unsere Preisgelder nachher zusammenlegen und teilen könnten. Mo gewann, ich wurde Zweiter. Er bekam 100 Pfund, ich erhielt 75. Doch dann war er plötzlich weg“, erzählte Chris Thompson und scherzte: „Vielleicht bekomme ich heute endlich die 12,50 Pfund von Mo!“

Ein Grund für den Erfolg von Mo Farah ist, dass er sich immer wieder konsequent starke Trainingspartner sucht. Schon vor fünf Jahren trainierte er gemeinsam mit dem Australier Craig Mottram und dem Kenianer Micah Kogo, mit dem er heute noch zusammen arbeitet und gut befreundet ist. Farah lebt im Südwesten von London, wo große Parkanlagen ideale Trainingsbedingungen bieten. Eine Reihe von kenianischen Weltklasseathleten nutzen Teddington als Sommer-Basis. „Sie schlafen, essen, trainieren und ruhen sich aus – das ist alles, was sie machen. Aber genau das musst du machen. Ich will nicht nur der beste Brite sein, ich will mit den Besten der Welt konkurrieren können.“ Vor knapp zwei Jahren fuhr Mo Farah in der Vorbereitung auf die Crosslauf-Europameisterschaften mit den Hindernisläufern Mustafa Mohamed (Schweden) und Bob Tahri (Frankreich) ins Trainingslager nach Äthiopien, auf die EM in Barcelona bereitete er sich teilweise in Kenia vor.

„Dieser Sieg heute bedeutet auch für meine Familie viel“, erzählte Mo Farah nach dem bisher größten Erfolg seiner Karriere in Barcelona. In der Vorbereitung auf die EM musste auch seine Frau zurückstecken. Nach dem Hochzeitsurlaub im Frühjahr in Sansibar (Tansania) wollten beide eigentlich nach London zurückfliegen und Mo Farah dann weiter zum Meeting nach Stanford (USA). Aufgrund der Aschewolke, die den Flugverkehr lahm legte, gab es für Farah jedoch keine Möglichkeit, rechtzeitig nach Amerika zu kommen. „Da habe ich mir gesagt, dann fahre ich eben gleich wieder ins Trainingslager nach Kenia und habe meine Frau aus Sansibar alleine nach Hause geschickt.“

Dass Mo Farah in dieser Saison in Topform ist, hatte er bereits im Mai und Juni bewiesen. Zunächst gewann er einen 10-km-Straßenlauf in London in der nationalen Rekordzeit von 27:44 Minuten, wobei er den 10-km-Weltrekordler Micah Kogo hinter sich ließ. Dann setzte er sich überlegen beim 10.000-m-Europa-Cup in Marseille durch und stellte mit 27:28,86 Minuten eine persönliche Bestzeit auf. Jetzt darf man gespannt sein, ob Mo Farah in Barcelona auch über 5.000 m triumphieren kann. Zuletzt gab es bei einer EM einen Langstrecken-Doppelsieg bei den Männern 1990: In Split triumphierte der Italiener Salvatore Antibo über 5.000 und 10.000 m.

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Farah schreibt englische Leichtathletik-Geschichte