Mein erstes Mal

Vom ambitioniertem "Volksläufer" zum "Keiler"

Das Los entschied über die erstmalige Teilnahme von Leserreporter René Marten an einem Hindernislauf. Er stellte sich der Herausforderung und berichtet über sein Erlebnis.

Sei kein Feigling, ab durch das Feuer

Das Läuferfeld ist mittlerweile schon recht weit auseinander gezogen. Plötzlich ein Feuerwehrauto umringt von einigen Feuerwehrleuten. Sind die etwa im Einsatz? Ist vielleicht schon jemandem etwas zugestoßen. Nein, zum Glück nicht. Aber was machen die Feuerwehrleute da? Die löschen ja gar nicht, die machen Feuer! Drei kurz nacheinander angehäufte Holzscheite köcheln vor sich hin („inferno“).

Da hilft nur eins: drüberspringen! Zur Ehrenrettung der Feuerwehrleute sei gesagt, dass sie mitunter schon mal ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen, nämlich dann, wenn aus dem netten „Kaminfeuerchen“ Stichflammen zu lodern drohen.

Falls doch jemand heiße Schuhsohlen bekommt, unmittelbar nach den drei Feuerstellen kommt ein kleiner Baggerteich, der Abkühlung verschafft. Danach ist das Ende des Steinbruchs in Sicht („exit“). Nur geht dieser „Ausgang“ leider steil nach oben, die Erde und das Geröll rutschen weg und man muss sich regelrecht in den Berg stemmen, um hochkraxeln zu können.

Harzer Pyramiden in Sicht

Kurz durchschnaufen, es geht einige Meter ohne Hindernis weiter, und die erste Verpflegungsstation ist in Sicht. Dann geht es hinein in den Wald auf den Himmelspfad („sky trail“). Am Anfang laufe ich noch, doch nach einer Weile merke ich wie die Schritte aufgrund der enormen Steigung immer kürzer werden. Gehen ist angesagt, damit komme ich ebenso schnell voran und spare ein bisschen Kraft. Nach einem kleinen Flachstück folgt noch einmal ein kurzer, knackiger Anstieg, der ebenfalls in einem Wechsel aus Laufen und Gehen bewältigt wird.Danach noch einmal eine flache Passage und dann geht es sehr steil bergab, schließlich aus dem Wald hinaus auf das freie Feld.

Was man runter läuft, muss man natürlich auch wieder hoch, und so geht es nochmals sehr steil bergan, bevor das nächste Hindernis erreicht wird, der „diver“, eine Plane, die von einem freundlichen Helfer gut bewässert wird, so dass man prima auf ihr den Berg herunterrutschen kann. Und zwar weit... Also, man ahnt es schon, muss man erneut im Zickzackkurs wieder den gleichen Berg erklimmen und hat nach einem kurzen Flachstück wieder eine steile Bergabpassage, auf der man das nächste Hindernis, die „Harzer Pyramiden“, schon von weitem vor sich sehen kann. Es sind mehrere übereinander aufgeschichtete Strohballen, über die man mithilfe von Seilen hinübersteigen muss.

Weiter geht es auf flachen Feldwegen, doch die Ruhe ist trügerisch.

Augen zu und durch!

Mulmig wird mir, als ich von dem ein oder anderen „Keiler“ unterwegs höre: „Der StrongmanRun ist nicht so fordernd wie dieser Lauf hier.“ Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeit, im Gegensatz zu wohl recht vielen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aber das nächste Hindernis hatte es in sich: die „Keilersuhle“. Zunächst geht es durch deutlich mehr als knöcheltiefen Matsch über eine Leiter hinauf auf ein Podest, von dem man sich in einen Tümpel stürzen soll. Na großartig. Ich bevorzuge die „feige“ Variante, setze mich auf die Kante des Podestes und springe erst dann, dadurch verringert sich die Höhe ein wenig.

In der Suhle wate ich bis zum nächsten Hindernis, einem Baumstamm, der zu überklettern ist. Die Zuschauer, die es sich am Rand dieses wohl spektakulärsten Hindernisses des Rennens zum Teil in Camping-Möbeln bequem gemacht haben, raten mir, zu schwimmen. So käme ich besser vorwärts. Angesichts des immer tiefer werdenden Wassers ein guter Tip. Schon die nächste Barriere, eine Art Brücke, vermutlich aus Europaletten zusammengezimmert, davor ein Schild „Tauchen ist Pflicht“. Also gut. Das ist für mich, der nie auch nur ein einziges Schwimmabzeichen gemacht hat, eine echte Herausforderung. Also Augen, Mund und Nase zu und durch das brackige Wasser unter der „Palettenbrücke“ hindurchgetaucht. Ich schnappe nach Luft... Die erste Runde muss bald zu Ende sein, aber noch mal zwei? Ich beginne zu zweifeln.

Bevor ich weiter ins Grübeln kommen kann, kommt wieder ein Baumstamm. Okay, halb so wild. Drüber und noch zwei, drei Armzüge und ich bin am Ausstieg aus dem Wasser angelangt. Parallel zum Wasser geht es nun in die andere Richtung. Jetzt darf man sich im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal richtig einsauen. Unter diversen Holz- bzw. Drahtgeflechten robbe ich mich durch den Matsch bzw. erneut durchs Wasser. Dann ist es geschafft, das für mich bisher anspruchsvollste Hindernis. Noch einmal über ein kleines Leitergerüst geht es zum nächsten Verpflegungsstand. Hier gibt es Wasser, sauberes Wasser. Ich spüle mir erst mal ordentlich den Mund aus, während der Morast noch an mir heruntertropft.

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Kein Hindernisspezialist, aber ein Wildschwein!