Von Dresden nach Prag

Ultralauf-Vorbereitung auf dem Rad

Bevor er im Februar 2015 einen Ultralauf von Dresden nach Prag absolvieren will, testete Leserreporter Hartmut Kohn die 190-km-Strecke mit dem Rad.

Fahrrad mit ausreichender Flüssigkeitsversorgung

Zur Ultralaufvorbereitung gehörte für Leserreporter Hartmut Kohn auch der Streckentest per Fahrrad. Zum Start im Morgengrauen in Dresden sind alle Flüssigkeitsspeicher gut gefüllt.

Bild: privat

Ultralauf Dresden-Prag im Februar

Eine Gruppe sächsischer Läufer startet am 17. Februar 2015 zum vierten Mal einen Ultralauf im Februar, der in diesem Jahr über 190 km von Dresden nach Prag führen wird. Damit wollen die Ultraläufer Spenden für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei sammeln, die durch Stammzellspenden die Heilungschancen von an Blutkrebs erkrankten Menschen verbessern will.

Die Strecke von 190 km wird an zwei Tagen absolviert, Start ist am 17. Februar 2015 morgens um 6 Uhr in Dresden am Theaterkahn/Kahnaletto. Auf dem Elberadweg geht es elbaufwärts nach Usti n.L., geplante Ankunft ist gegen 18 Uhr. Am 18. Februar laufen die Ultraläufer um 6 Uhr weiter nach Prag, wieder flussaufwärts entlang der Elbe und Moldau.

Über die Gesamtstrecke von 190 km werden acht Läufer starten und dabei von weiteren zwölf Läufern auf Teilstrecken zwischen Dresden und Schöna begleitet. In Abstimmung mit den Organisatoren des Prag-Marathons werden die Läufer am Stadtrand von Prag durch eine Gruppe von tschechischen Läufern empfangen und auf den letzten Kilometern zum Ziel, der „Running Mal“ in Prag, begleitet.

Interessenten finden weitere Infos unter www.hartmut-kohn.de. Eine Anmeldung dort ist erforderlich.

Bereits im letzten Herbst fuhr unser Leserreporter Hartmut Kohn die Strecke zur optimalen Vorbereitung mit dem Rad ab. Sein Tourbericht:

Mit vollen Speichern auf die Strecke

Um 4.30 Uhr am 16. September stand ich auf, packte meine Sachen und frühstückte schnell. Als Wechselsachen nahm ich nur ein T-Shirt, eine Radler-Hose und eine Regenjacke mit. Umso mehr Verpflegung schnallte ich aufs Rad: 2,75 Liter Wasser mit Elektrolyte-Tabletten und 1,5 Lieter Cola, dazu zwei Packungen Kekse, eine Packung Wiener, vier Paar Schnittchen, drei Äpfel und viele Energie-Gels. 5.47 Uhr ging der Bus zum Kahnaletto. An meiner Arbeitsstätte, die auch Startpunkt für den Ultralauf Dresden-Prag 3.0 am 17. Februar sein wird, traf ich letzte Vorbereitungen,so dass ich um 6.38 Uhr endlich losfahren konnte.

Nach Pirna, Königstein war es kein Thema. Dann wurde die Strecke crossig. Bauarbeiten im Gelände und der letzte Regen erschwerten zusätzlich die Weiterfahrt. Ein einsamer Baggerfahrer erschreckte sich durch mein leises Vorbeifahren "etwas". Nach Bad Schandau war es nun nicht mehr weit bis zur Grenze.

Am Grenzübergang Hrensko stand plötzlich die Bundespolizei. Es blieb aber nur beim Sichtkontakt. Die nächsten Kilometer waren mir vertraut von meiner letzten Tour, das machte es ein wenig einfacher. In Decin konnte ich sogar einem Rentner auf einem Elekro-Bike Tipps für die Weiterfahrt geben.

Usti n.l war ebenso schnell passiert. Die Schleuse in Usti war ein Erlebnis. Der Radweg 2 wartete hier mit einer Besonderheit auf. Nur über eine Treppe gelangte man auf den nächsten Abschnitt. Mein Rentner von Decin entschied sich hier für die Straße. Sein Elektro-Bike war ihm offenbar zu schwer. Gern hätte ich meine Hilfe angeboten. Aber er war zu schnell weg.

Nach Vorgabe von Ulf, einem Mitläufer im Februar, fuhr ich direkt am Ufer der Elbe weiter. An zahlreichen Anglern musste ich da vorbei. Dabei hatte ich immer schön das Garmin-Navi im Blick. An einigen Top-Speed-Abschnitten waren Bodenwellen eingebaut. Um die Anwohner vor Rasern zu schützen. Damit hatte ich kein Problem. Die Bürgermeisterin von Dresden könnte von dieser Verkehrsberuhigung auf ihrem Elberadweg am Fährgarten Johannstadt lernen.

Optimal: Streckenausschilderung speziell für Fahrradfahrer.

Bild: privat

So kam ich immer weiter voran Richtung Prag. In einem kleinem Getränkekiosk (mit einem riesigem Bierangebot) kaufte ich mir zwei große Flaschen Limo nach. Alles planmäßig bis 50 km vor dem Ziel. Dann unterlief mir ein entscheidener Fehler. Ich hatte die Brücke verpasst und dadurch die falsche Flussseite am Moldau/Elbe-Dreieck erwischt.

Beim geplanten Lauf nach Prag muss ich mich hier stärker konzentrieren. Auf dem Tacho standen so plötzlich 280 km bis zum Ziel. Was nun? Da half nur Plan B: Topo von Garmin Tschechien eingeschaltet und die Zieladresse manuell eingegeben. Siehe da, plötzlich waren es nur noch 40 km bis zur Running Mall ganz in der Nähe von meinem Hotel.

Mit gesammelten Kräften nahm ich die "paar" Meter in Angriff. Es lief ganz gut. Zwar befand ich mich auf einer Bundesstraße, aber die Autos und Trucks ließen mich in Ruhe. Eine Autofahrerin bat mich um Hilfe. Ihr war das Benzin ausgegangen. Nur wie helfen? Wo die nächste Tankstelle war, wusste ich nicht. So ging es für mich weiter.

Bevor Leserreporter Hartmut Kohn im Februar einen Ultralauf von Dresden nach Prag absolviert, testete er die Strecke mit dem Rad

Bild: privat

Leserreporter Hartmut Kohn im Laufziel der Running Mall in Prag.

Beim nächsten Halt kreuzte ein Skoda mit 5 Skinheads meinen Weg. Die fuhren zum Glück weiter. Dann endlich Ortsschild von Prag. Mein Zielpunkt war nun nicht mehr weit. Endlich! Aber eine Überraschung hatte der Tag für mich noch parat, nachdem ich nach 190 Kilometern und 14 Stunden on Tour gegen 21 Uhr am Hotel Olga angekommen war.

Mit diesen Worten wurde ich dort begrüßt: "Wir haben ein Problem – Sie müssen in ein anderes Hotel zirka fünf AUTO-Minuten von hier..." Und das nach einem langen Tag. Mit dem Navi war es dann aber auch kein Problem mehr. Endlich an der richtigen Adresse angekommen, wurde ich freundlich begrüßt von einem Mitarbeiter und einem Hund. Mein Fahrrad wollte ich nicht aus den Händen geben. Daher trug ich es über eine schmale Treppe in den zweiten Stock.

Großes Zimmer, mit Dusche und Miniküche. Zum Kochen hatte ich keine Lust mehr. Nach dem Abendbrot aus dem Rucksack schlief ich neben meinem Fahrrad ein. Nach einem kleinen Frühstück und ging es per Rad auf eine Stadtrundfahrt – über die Karlsbrücke, Old Prag entlang der Moldau. Und dann pünktlich zum Zentralen Busbahnhof.

Vom Busveranstalter kam eine SMS: Die Abfahrt verschiebt sich um 25 Minuten. Noch im Toleranzbereich. Ich saß also bei 26 Grad auf dem Prager Busbahnhof und wartete. Statt des Busses kam kam eine weitere SMS vom Busveranstalter: Die Abfahrt verschiebt sich um weitere 70 Minuten. Doch irgendwann kam mein Bus, aus Wien. Einige der Mitfahrer machten vor Freude eine La-ola-Welle. Auf dem Rückweg konnte ich noch einige der Stationen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Nach zwei Stunden erreichten wir Dresden und ich kam geschafft, aber glücklich und zufrieden in Klotzsche an. Nun heißt es weiterplanen für den Ultralauf Dresden-Prag 3.0 am 17./18. Februar 2015.

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