Die Königsetappe

Transalpine-Run 2008 - Zweiter Tag

Monika Fiedler berichtet jeden Tag vom Transalpine-Run 2008. Hier ist ihr Bericht von der zweiten Etappe.

Sonntag, 31. August 2008 – von St.Ulrich am Pillersee nach Mittersill
Eckdaten: Distanz 48,56 km – Aufstieg Höhenmeter: 2.794 m, Abstieg
Höhenmeter 2.856 m

Nach einer schlafarmen Nacht – Holger hatte sich ja für die Camp Variante mit allen „Facetten“ entschieden und auch in meiner Mädels-WG war erst um 24 Uhr Ruhe in der Bude – ging es bereits um fünf Uhr zum Frühstück. Kohlenhydrate schaufeln ist wohl das Motto des Tages: immerhin starten wir um sieben Uhr zur „Mörderetappe“ des Transalpine Runs 2008, wie sie Wolfi, der Streckenchef am Vorabend so charmant im Briefing getauft hatte.

Morgens halb sieben in St. Ulrich: Holger und ich sind startklar.

Ab halb sieben ging es zur Startaufstellung – die Atmosphäre einmalig: Nebelschwaden in der Dämmerung, im Hintergrund fantastische Berge und die ersten Gipfel bereits in der Sonne. Und ich muss sagen: trotz der gestrigen 38 Kilometer packte mich die Lust aufs Laufen – die Beine fühlen sich zwar ein wenig müde, aber absolut okay an. Holger und ich passierten die Ausrüstungskontrolle: hier merkt man ganz klar den Einfluss der Geschehnisse auf der Zugspitze: jeder, der kein wind- und regenfestes Outfit dabei hat, wird gnadenlos zurück geschickt. Ich muss sagen – zum Glück! Spätestens beim obligatorischen „Highway to Hell“ (falls es jemand von Euch Läufern nicht kennen sollte: der absolute Kult Song von AC/DC) sind alle Teams heiß auf den Start und es geht nun endlich los.

Die ersten 12 Kilometer laufen wir relativ flach nach Fieberbrunn – und ich bin richtig gerührt von den Zuschauern an der Strecke, die uns trotz der Morgenstund bereits kräftig zujubeln. Auch die Ärzte, die uns all die Tage via Motorrad oder Mountain Bike begleiten, sind bereits auf den Beinen und haben aufmunternde Anfeuerungsparolen für uns.

Dann beginnen die ersten Höhenmeter: sanft schlängeln wir uns laufend den Berg hinauf – für Holger und mich regelrechte „Killerpassagen“, da man sich immer zwischen der Lauf- oder schnellen Gehvariante via Stockeinsatz entscheiden muss. Als das Ziehen im Oberschenkel zunimmt und der Puls nach oben geht, ist es für uns Zeit, mit strammen Schritt die Berge zu erklimmen.

Dabei werden wir immer wieder von Hansi und seinem Laufpartner Ulrich überholt, die beide bereits Ultralauf erprobt sind und o-ton „gerne die Berge hinauf trullern“. Uns würde dieses permanente Trippeln völlig kaputt machen – aber Hansi hat stets einen lockeren Spruch parat.

Die mehrfachen Aufstiege sind knackig und erfordern schon eine Menge Konzentration: runter über Kuhwiesen mit richtigen Grastreppen, hoch auch mal entlang an einer mit Seilen gesicherten Passage. Die Verpflegung ist wie immer top: Kuchen, Nüsse, Müsliriegel und Gels belohnen für wirklich sehr anstrengende Kilometer – und um zur dritten Verpflegungsstelle zu kommen, durch queren wir erstmal die Sonnenterasse einer Bergalm: bewundernder Applaus der Gäste inklusive!

Holger und Ulrich im Ziel
Die erfahrenen Ultraläufer Hansi und Ulrich konnten nach der Königsetappe schnell wieder lachen.

Nach der Murnauer Scharte auf knapp 2.000 Metern ging es erneut rauf und runter – und zum Schluss noch einmal 300 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der heutigen Etappe: die Rosswegscharte auf 2.062 Metern. Ich muss sagen: spätestens hier war ich überglücklich, den Peak erreicht zu haben und endlich „downhill“ zu dürfen. Doch zu früh gefreut: natürlich geht es beim Transalpine Run nicht die schönen Forststraßen Kilometerlang hinab, sondern wir kürzen steil und querfeldein ab! In einem Stück dürfen wir knapp 1.300 Höhenmeter steil abwärts bewältigen (zum Glück haben wir heute die festen Trailschuhe an!) und laufen noch unter der acht Stunden Marke in Mittersill bei strahlendem Sonnenschein und absoluten Hochsommertemperaturen ein!

Für Holger und mich geht somit die erste Ultradistanz unseres Lebens zu Ende und ich fühle mich überglücklich! Und beim Blick auf die Platzierung im Mixed Team sowieso: wir haben uns auf Position 13 verbessert! Natürlich ist „Dabei sein alles“: aber um ehrlich zu sein: das Wettkampffieber hat uns längst gepackt.

Jetzt erstmal ab in die Gore Sonnenstühle und alkoholfreies Bier genießen - bis spät nach 18 Uhr laufen viele Teams nach über elfstündiger Laufzeit ein. Ich zittere ein wenig um meine beiden Zimmergenossinnen Annette und Sylvi, die aber auch diese Etappe im Zeitlimit von 11,5 Stunden schaffen!

Es bleibt wenig Zeit zum Duschen und für die Massage – ab 18 Uhr ist Pastaparty, das Briefing für morgen und eine sehr emotionale Show mit den „Bildern & Film des Tages“. Als Holger mir von dem Warmwasserausfall der Duschen im Camp berichtet, bin ich in diesem Moment sehr dankbar, doch die Variante „Hotel/Pension“ für meine erste Transalpine-Teilnahme gewählt zu haben!
Um 22 Uhr fallen wir todmüde in die Betten bzw. in den Schlafsack (Holger); morgen ist der Start „erst“ um 8 Uhr und eine relativ moderate Etappe mit 28 Kilometern und 1.500 Höhenmetern wartet auf uns.

Keep on running!


Einen Bericht über den ersten Tag des Transalpine-Run 2008 finden Sie hier.

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