Genuss pur

Transalpine-Run 2008 - Fünfter Tag

Erstaunlich lockere Muskulatur, ein Besuch im Spa und lustige Geschichten am Tisch. Die fünfte Etappe.

Mittwoch, 3. September 2008 – von Prettau im Ahrntal nach Sand in Taufers
Eckdaten: Distanz 36,8 km – Aufstieg Höhenmeter: 1.447 m, Abstieg
Höhenmeter 2.048 m

Nach einer für Holger und mich erstmalig durchgeschlafenen Nacht (mein Magen gibt endlich Ruhe und Holger durfte aufgrund der Enge im Camp einmal Pension inklusive richtigem Bett und warmer Dusche genießen!) ging es um acht Uhr mit dem obligatorischen „Highway to Hell“ an den Start. Wir beide haben uns richtig auf diese Etappe gefreut, da sie mit sehr vielen Straßen- und Forstweg-Passagen ideale Bedingungen für uns Marathonis bedeutete. Das Tempo war im vorderen Starterbereich sehr schnell, immerhin stecken schon vier gefinishte Etappen in unser aller Beine!

Nach vier Etappen immer noch zügig unterwegs: Das vordere Starterfeld.

23 Kilometer ging es durch Wiesen und sehr schöne Waldabschnitte mehr oder weniger bergab. Im kleinen Örtchen Luttach packten wir dann unsere die Stöcke aus, um den Anstieg auf den Speikboden auf 1.948 Meter Höhe zu beginnen. Der Waldpfad war einfach zu bewältigen; auf der anschließenden Forststraße konnten wir nur wenige Meter vor uns das zweitplatzierte Team in der Mixed Kategorie „Naturpark Lechtal“ erkennen: Magdalena Schiffer musste aufgrund plötzlicher Schmerzen in der Kniekehle deutlich an Tempo rausnehmen. Magdalena und ihr Laufpartner Markus Friedl, das bisherige Siegerteam der letzten Jahre, zeigte aber auch in diesem Moment echte Größe: trotz verständlicher Enttäuschung gab es anfeuernde Worte und ein Lächeln von beiden: so sehen wahre Helden aus!

Der sieben Kilometer lange Abstieg war eigentlich wunderschön und führte über weiche Waldwege sowie ein paar steinige Passagen – hatte aber auch seine Tücken: durch die Feuchtigkeit waren sehr viele Stellen extrem rutschig und es kam auch zu diversen Stürzen bei den Läufern. So auch die liebenswerte Ilka, die dennoch auf dieser Etappe den 3. Platz im Damenteam verteidigen konnte.

Holger und ich sind mit erstaunlich lockerer Muskulatur (zumindest war ich erstaunt über meine Oberschenkel – Holger ist sowieso fit wie ein Turnschuh!) nach rund 4 Stunden und 30 Minuten im Ziel – jetzt können wir rückwärts zählen.

Urs Weber beim Transalpine-Run

Bild: Till Godbrath

Besuch aus Deutschland: Urs Weber (blaues Shirt) von Runner's World begleitete uns auf unserer fünften Etappe.

Was für ein schönes Gefühl, einmal zwei Nächte im gleichen Hotel zu sein: und ich habe das erste Mal die Annehmlichkeiten des SPA Bereiches genutzt! Holger „durfte“ sich wieder mal über eine kalte Dusche im Camp freuen – er ist bekennender Warmduscher und das ist auch gut so! Die Ankunft von Urs Weber, seines Zeichen Redakteur der Runner’s World, und zahlreiche lustige Geschichten am Tisch haben uns heute einen sehr lustigen Abend beschert. Wie zum Beispiel die Anekdote über unseren englischen Journalisten Neil, der auf der dritten Etappe einen kleinen Schwächeanfall erlitten hat und dann in die obligatorische Rettungsdecke gepackt wurde. Leider war daneben ein Elektrozaun und just bei einem unvorhergesehenen Windstoß hat sich das eine Ende der Decke mit diesem Zaun verfangen. Der aufmerksame Leser ahnt es vielleicht: der arme Neil wurde von heftigen Stromschlägen so durchgeschüttelt, dass er dachte, er werde grad wiederbelebt.

Seitdem ist er als rasender Reporter im Film des Tages mit witzigen „Breaking News“ zu sehen – einfach genial der Typ! Das Briefing für die bevorstehende 6.Etappe durch den Streckenchef Wolfi hatte es das erste Mal in sich: schlechte Witterungsverhältnisse sind vorhergesagt – eine Kaltfront mit Schnee sowie heftigen Windböen sind zu erwarten. Und so wurden Plan A und Plan B vorgestellt:

Plan A – die Tour findet wie geplant statt; obligatorisch sind ab der Rieserfernerhütte auf knapp 2.800 Metern windfeste Jacken, Mützen und Handschuhe Pflicht. Und im Abstieg ist auf einer mit Seilen gesicherten Passage Laufen und auch Überholen verboten.

Plan B - bei eintretendem Schneefall wäre der Abstieg zu gefährlich und die Etappe würde bei der Riesenfernerhütte abgebrochen. Alle Läufer müssten den gleichen Weg wieder zur ersten Verpflegungsstelle absteigen und würden dann mit Bussen in den nächsten Zielort Antholz-Mittertal gebracht. Warme Kleidung zum Umziehen im Bus kann morgen früh abgegeben werden. Wie alle anderen hoffen aber auch wir auf gutes Wetter, und dass wir die tolle Etappe morgen wie geplant laufen können!

Keep on running



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