I am a Finisher

Transalpine-Run 2008 - Der letzte Tag

Das Grande Finale! Nach insgesamt ca. 300 Kilometern sollte heute ein unvergleichliches Berglauf-Abenteuer zu Ende gehen.

Samstag, 6. September 2008 - von Niederdorf im Pustertal nach Sexten
Eckdaten: Distanz 33,88 Kilometer - Aufstieg Höhenmeter 2.120 m, Abstieg Höhenmeter 1.969 m

Hallo zusammen,
hier kommt nun – (zwar ein etwas verspätet, aber wir mussten in Sexten einfach ein wenig feiern!) - der Bericht zum FINALE GRANDE auf dem Weg nach Sexten: die 8.Etappe liegt also hinter uns und nur ein Wort ist passend für die Landschaft und das Gefühl, im Ziel zu sein: GRANDIOS!

Einfach einmalig: Die Berglandschaften auf unserer letzten Etappe.

Aber der Reihe nach... um acht Uhr war also Start zur letzten und finalen Etappe und es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie sich alle Läufer - teilweise mit dick getapten Beinen und jeder Menge Compeed Blasenpflaster an den Füßen - mit vollem Ehrgeiz und Elan im Startbereich versammelten, um heute beim krönenden Abschluss dabei zu sein. So auch meine beiden Mädels Annette und Sylvi, die aufgrund ihrer Blessuren die letzten zwei Etappen aussetzen mussten und heute noch mal alles geben wollen. Mit dabei auch die netten Würzburger Thomas und Daniela, die in den letzten beiden Tagen von Schüttelfrost und heftigen Blasen an den Füßen gequält wurden und heute dennoch mit einem Lächeln an den Start gehen. Für alle geht es heute eigentlich nur um eines: verletzungsfrei durchkommen und mit einem Lächeln in Sexten einlaufen!

Nicht nur die Wetteraussichten, sondern auch die Landschaft verspricht Genuss pur: hoch geht es zu den berühmten Drei-Zinnen und Wolfi, der Streckenchef, hatte uns im gestrigen Briefing dringend empfohlen, den Fotoapparat einzupacken, um die herrliche Aussicht festhalten zu können: Gesagt, getan – die wahrlich beeindruckenden Momentaufnahmen in der Bildergalerie sollten Sie sich nicht entgehen lassen!

Holgers Erkältung wird leider von Tag zu Tag schlimmer - aber er ist mehr als tapfer, lässt sich kaum etwas anmerken und mit dem Startschuss traben wir beide auch gleich recht zügig los. Denn: bevor es in die Bergpassage geht, gibt es für uns Flachland-Runner wieder zehn Kilometer in der Ebene - das müssen wir natürlich ausnutzen! Die Beine sind heute erstaunlich locker, vielleicht schon ein wenig das Adrenalin angesichts des hoffentlich erfolgreichen Zieleinlaufes in Sexten heute Nachmittag.

Und so sind wir flott im ersten Drittel der Läuferschar mit dabei und genießen noch einmal die Stimmung entlang der Strecke. Auch wenn ich es schon ein paar Mal geschrieben habe und mich vielleicht wiederhole, jetzt muss es nochmals sein: ein ganz großes Dankeschön an all die anfeuernden Zuschauer und mitreisenden Begleitpersonen, die uns jeden Morgen mit großem Elan die nötige Motivation vom Rand aus geben!

Kurz vor Kilometer zehn überqueren wird die Straße Richtung Toblach/Cortina und beginnen den Anstieg auf die 2.545 Meter hoch gelegene Lückelescharte. Am Berg merke ich, dass zwar der Kopf möchte, aber die Kraft in den Oberschenkel nicht mehr da ist: so laufen wir mehr oder weniger im Schneckentempo Kurve für Kurve, Stufe für Stufe einen landschaftlich wunderschönen Trail gen oben - um ehrlich zu sein, wünsche ich mir in diesem Moment schon, dass der Berg bereits erklommen ist! Vor allem, weil mich das Feld von hinten regelrecht "überrollt" - auch wenn es Tröstlicherweise fast nur Männerteams sind, merke ich hier, dass ich eben doch (noch) keine Bergziege bin. Mental bin ich dennoch super gut drauf und versuche, die in meinen Augen schönste Etappe in vollen Zügen zu genießen. Auf einer Zwischenebene mit herrlichem Wiesenuntergrund ergattern wir erste Blicke auf das gewaltige Bergmassiv vor uns - und es verschlägt mir heute wirklich den Atem, angesichts dieser Naturschönheit vor uns! Und wieder ist ein solcher Moment gekommen, an dem meine Augen ein wenig feucht werden: so etwas einmaliges erleben zu können - ich fühle mich innerlich mehr als dankbar.

Weiter geht es über ein Geröllmassiv nach oben - die Läufer suchen sich wie Ameisen ihren Wege und es ist beeindruckend, aufgrund des freien Blickfeldes die Geschwindigkeit der vorderen Läufer zu beobachten. Die zweite Verpflegungsstation kommt bei Kilometer 23 auf der Dreizinnenhütte in 2.097 Metern Höhe - ein letztes Mal genießen wir die von vielen Helfern gereichten Kuchen-, Bananen- und Melonenstücke (der Chef der Küche hat hier sogar Schinken und Käse für die Lust auf Salziges vorbereitet). Um uns herum viele italienische Wanderer, die uns ehrfürchtig beobachten und sich sicherlich fragen, was "die da" eigentlich machen.

Wir sind alle Sieger
Heute sind wir alle Sieger!

Der Abstieg ist heute wirklich einfach und ungefährlich - zunächst über breite Steinplatten und kalkweiße Schotterwege bis zur letzten Verpflegungsstation bei Kilometer 28 - und dann nur noch sechs Kilometer immer bergabwärts Richtung Ziel - Sexten! Die Gore Merchandiser haben sich einen Kilometer vor Schluss eine liebevolle Überraschung ausgedacht: Prosecco mit Orangensaft wird gereicht, wobei ich gestehen muss, dass wir hieran mit einem kurzen Danke-Ruf vorbei düsen, um unseren Abwärtsschwung so richtig ausnutzen zu können.

Und so rauschen wir im wahrsten Sinne des Wortes nach 5 Stunden und 36 Minuten überglücklich ins Ziel! Die Stimmung hier ist einfach Wahnsinn: am Rande stehen sämtliche Plan B Mitarbeiter, die Jungs und Mädels des Massageteams, die Fotografen und das Filmteam und freuen sich mit jedem ankommenden Läufer. Holger zündet sich nach einem ersten Bier die obligatorische Ziel-Finisher-Zigarre an und ich packe für ihn mein kleines Geschenk aus: ein T-Shirt mit persönlicher Widmung. Die Sonne scheint und wir freuen uns mit allen nun einlaufenden Finishern - Annette und Sylvi haben heute alles gegeben und kommen bereits eine halbe Stunde nach uns ins Ziel.

Und ich denke immer wieder an das Mixed Team "Rückenwind Tirol", Robert und Katharina, die all die Tage super unterwegs waren und mit über 35 Minuten Vorsprung den Platz vor uns belegt hatten. Heute wurde Katharina leider ganz oben auf dem Gipfel von heftigen Oberschenkelschmerzen geplagt; vermutlich eine Muskelzerrung und ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie heftig dann der Abstieg erst werden muss. Nach einer guten halben Stunde ist plötzlich klar, dass wir es nach den acht Tagen tatsächlich in die Top Ten Wertung der Mixed-Kategorie schaffen werden und so ist Holgers heimlicher Wunsch auch noch in Erfüllung gegangen. Dennoch leiden wir mit den beiden mit und sind ganz erleichtert, als beide eine gute Stunde später ins Ziel einlaufen. Alles andere ist sowieso unwichtig - Hauptsache wir haben alle gefinisht!

Im Zielbereich können wir in so viele glückliche Gesichter schauen und soviel Freude beobachten: einige küssen den Boden unter den Füßen, andere überqueren Hand in Hand oder tanzend die Ziellinie. Alleine um das zu erleben, hat sich jegliche Anstrengung gelohnt!

Bereits um 18 Uhr geht es mit der finalen Pastaparty und der anschließenden Siegerehrung weiter. Also nur kurz ins Hotel bzw. ins Camp (ich brauche eigentlich gar nicht zu erwähnen, dass Holger wieder mal kalt duschen musste - das ist bei ihm ja irgendwie sein persönliches Schicksal in dieser Woche...) und dann stärken wir uns mit Spinatspätzle und Ochsenbraten, bevor jeder Finisher, der alle Etappen erfolgreich übertanden hat, eines der begehrten T-Shirts erhält. Urkunde und Medaille gibt's natürlich auch und nach den Bildern des Tages überrascht uns das Filmteam mit dem Video der Woche. Hier werden nochmals alle Etappenvideos in gekürzter Form präsentiert und mit Musik hinterlegt, die für Gänsehaut pur sorgt.

Ein weiteres ganz besonderes Highlight ist die kurzfristig eingeschobene Rede von einem Läufer, der aufgrund einer Verletzung nicht alle Etappen erfolgreich bewältigen konnte, aber - o-Ton "eine Sache zumindest erfolgreich zu Ende bringen wolle": und zwar den Heiratsantrag an seine Freundin Sabine, die all die Tage zu den fleißigen Anfeuerrinnen an der Strecke gehörte! Der Beifall war natürlich tosend und dass das erhoffte "Ja" nicht ausblieb, könnt ihr euch denken - heute ist einfach ein "Happy Ending Day" für alle.

Um 22 Uhr geht dann die Party so richtig weiter: auch wenn ich es mir bis dato nicht so recht vorstellen konnte: wir tanzen bis spät in die Nacht zu DJ Musik und selbst mir als Nicht-Biertrinker schmeckt auch das irgendwann...

Die Nacht ist kurz - bereits um acht Uhr gehen die Shuttle-Busse zurück nach Ruhpolding. Hier erwartet uns erstmals richtiger Regen und ich glaube, jeder Läufer ist heute richtig froh, mal nicht laufen zu müssen!

Nun bin ich zurück in München und während die Waschmaschine auf Hochtouren läuft, bin ich voller Eindrücke aus acht sehr bewegenden Tagen - und eigentlich bleibt mir nur noch eines zu schreiben: diese Woche werde ich nie vergessen!

Es waren läuferisch, mental und emotional sehr, sehr bewegende, einmalige Momente dabei. Und ich habe viele äußerst nette, hilfsbereite und völlig unkomplizierte Menschen kennen gelernt, die hier nicht als Einzelkämpfer gewinnen können, sondern nur als Team. Auch die Spannungen und Differenzen, die bei einigen Teams von Tag zu Tag stärker zu beobachten waren, sorgen für eine ganz individuelle Note dieser Veranstaltung - auch wenn es abgedroschen klingen mag, ich denke, hier lernen einige oder eigentlich alle Teilnehmer eine Menge fürs Leben!

In diesem Sinne - keep on running
Eure Moni und Holger



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