10.000-m-Finale der Frauen

Tirunesh Dibaba stürmt zum WM-Gold

Mit eindrucksvollem Endspurt gewann Tirunesh Dibaba das 10.000-m-Finale der Frauen. Die einzige deutsche Teilnehmerin, Sabrina Mockenhaupt, gab auf.

Tirunesh Dibaba

Tirunesh Dibaba freut sich über ihren dritten Titel als Weltmeisterin über 10.000 Meter.

Bild: photorun.net

Tirunesh Dibaba ist in eindrucksvoller Manier bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau zur Goldmedaille gestürmt. Die Äthiopierin gewann das 10.000-m-Finale nach einem Schlussspurt wie zu ihren besten Zeiten in 30:43,35 Minuten vor der Kenianerin Gladys Cherono (30:45,17). Dritte wurde Dibabas Landsfrau Belaynesh Oljira (30:46,98), die im Kampf um die Bronzemedaille auf den allerletzten Metern noch die Kenianerin Emily Chebet (30:47,02) abfing.

„Ich habe keinen Druck gespürt, denn ich bin schon bei so vielen Weltmeisterschaften an den Start gegangen. Dies ist mein fünfter WM-Sieg“, erklärte Tirunesh Dibaba nach ihrem Sieg in Moskau.

Beachtlich schlugen sich zwei nicht-afrikanische Athletinnen, die Ränge unter den ersten Acht erreichten: Die Japanerin Hitomi Niiya wurde Fünfte mit 30:56,70 Minuten, Shalane Flanagan (USA) belegte Platz acht in 31:34,83. Als Zehnte folgte die beste Europäerin, die französische Marathonläuferin Christelle Daunay (32:04,44). Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) kam nicht ins Ziel, sie gab das Rennen vorzeitig auf.

In einem überraschend „kleinen“ Finale, in dem nur 19 Läuferinnen an den Start gingen, sorgte zunächst Shalane Flanagan (USA) dafür, dass es kein Bummelrennen gab und von Beginn an Tempo im Spiel war. Die 2.000-m-Marke passierte die US-Amerikanerin in 6:13,92 Minuten – eine Zwischenzeit, die auf ein Ergebnis von knapp unter 31:10 Minuten hinausläuft.

Sabrina Mockenhaupt versuchte zunächst das Tempo mitzulaufen und lag als Elfte am Ende der Führungsgruppe. Doch die Pace war offensichtlich zu hoch für die 32-Jährige, die in dieser Saison zuvor beim überraschenden Europacup-Sieg im Juni 32:13,64 Minuten gelaufen war. Als die starke Japanerin Hitomi Niiya mit einer kurzzeitigen Tempoverschärfung nach 3.600 m die Spitze übernahm, fiel Sabrina Mockenhaupt deutlich zurück. Bei der Hälfte des Rennens hatte sie eine halbe Runde Rückstand, nach etwa 8.000 m gab sie auf.

Später schrieb Sabrina Mockenhaupt, die schon einmal 2003 beim WM-Finale von Paris vorzeitig aus dem Rennen gegangen war, auf ihrer Webseite: „Dafür gibt es keine Entschuldigung – erst recht nicht bei einer WM. … Leider sind das aber auch die kurzen Momente im Leben eines Sportlers, die man nicht erklären kann. Ich wünschte, ich könnte es. Ich wollte es allen beweisen und hatte es auch drauf, bin aber dabei völlig gescheitert. Aber das gehört zum Leben dazu, und bestimmt werde ich beim nächsten Rennen genau an diesen Moment jetzt denken, wo ich mich ärgere. … Hätte, wenn, aber bringt mich aber jetzt nicht wirklich weiter ... weiter geht's!“

An der Spitze des Rennens lagen nach Zwischenzeiten von 15:30,38 Minuten (5.000 m) und 21:42,62 (7.000 m) noch fünf Läuferinnen: Hinter der weiterhin führenden Niiya liefen die Äthiopierinnen Dibaba und Oljira sowie die Kenianerinnen Cherono und Chebet. So blieb es bis 500 Meter vor dem Ziel. Dann schaute sich Tirunesh Dibaba kurz um nach ihren Konkurrentinnen und trat an.

Die einzige, die ihr bis 150 Meter vor dem Ziel halbwegs folgen konnte, war Gladys Cherono. Die 30-Jährige, die in diesem Jahr bereits den Prag-Halbmarathon gewonnen hatte und sich dann bei den kenianischen WM-Ausscheidungen als Siegerin durchsetzte, war danach aber auch geschlagen. „Verglichen zu den Äthiopiern fehlt uns Kenianerinnen am Ende etwas Sprintgeschwindigkeit, daran müssen wir arbeiten“, erklärte Gladys Cherono. „Ich freue mich aber über meine Medaille.“

Für die amtierende 10.000-m-Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba, die auf der Zielgeraden immer schneller wurde, war es bereits der dritte WM-Sieg über diese Strecke nach 2005 und 2007. Zudem war die erst 27-Jährige auch schon Weltmeisterin über 5.000 m in den Jahren 2003 und 2005 sowie dreimalige Olympiasiegerin.

Die Chance auf einen erneuten WM-Doppelsieg hat Tirunesh Dibaba offenbar jedoch nicht. Denn der äthiopische Verband hat seine beste Langstrecklerin nicht für die 5.000 m nominiert, könnte dies aber noch ändern. „Ich bin nicht enttäuscht, denn es gibt in Äthiopien viele junge Talente, die auch eine Chance bekommen müssen“, sagte Tirunesh Dibaba, die im nächsten Jahr ihr Marathon-Debüt in London laufen will. Sollte sie auch über die klassische Distanz erfolgreich sein, wäre sie ganz klar die größte Läuferin aller Zeiten.

Diana Sujew bleibt im Vorlauf hängen
Bei ihrer ersten WM-Teilnahme verpasste Diana Sujew (Marathon Hamburg) über 1.500 m die Qualifikation für das Halbfinale. Sie wurde in ihrem Vorlauf Zehnte. Sujew hätte die unmittelbar vor ihr platzierte Btissam Lakhouad (Marokko/4:09,15) schlagen müssen, um in das Halbfinale zu kommen.

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