Newcastle

Tirunesh Dibaba läuft beim größten Halbmarathon der Welt

Die 10.000-m-Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba startet in Newcastle erstmals über die Halbmarathon-Distanz.

Tirunesh Dibaba läuft Debüt beim größten Halbmarathon der Welt in Newcastle

Nach ihrem Olympiasieg in London will Tirunesh Dibaba auch in Newcastle gewinnen.

Bild: photorun.net

Nur fünf Tage nachdem Menschenmassen in London die olympischen und paralympischen Starter Großbritanniens bei einer Parade feierten, setzt sich die einmalige britische Sommer-Sport-Party im Nordosten Englands fort: Im Stadtzentrum von Newcastle finden zunächst am Sonnabend die „City Games“ statt – in neun Leichtathletik-Wettbewerben gibt es dabei einen Länderkampf zwischen den Briten und den USA –, dann wird am Sonntag der Bupa Great North Run gestartet. Für den im vergangenen Jahr weltgrößten Halbmarathon verzeichneten die Organisatoren 55.000 Meldungen.

Darunter sind eine Reihe von Topstars, wobei es die Frauen sein könnten, die die Schlagzeilen schreiben. Denn am Start sein wird erstmals bei einem Rennen über die 21,0975-km-Distanz Tirunesh Dibaba. Die Äthiopierin, die in London 10.000-m-Olympiasiegerin wurde und zudem Bronze über 5.000 m gewann, trifft auf ihre Landsfrau Tiki Gelana, die Marathon-Olympiasiegerin. Außerdem ist mit Edna Kiplagat (Kenia) die amtierende Marathon-Weltmeisterin am Start. Bei den Männern läuft unter anderen der aktuelle Frankfurt- und London-Marathon-Sieger Wilson Kipsang (Kenia). Er war bei Olympia Dritter.

Ohne Frage zählt Tirunesh Dibaba schon jetzt zu den besten Langstreckenläuferinnen aller Zeiten. Sie ist die einzige Frau, die bei Olympischen Spielen den Langstrecken-Doppelsieg (5.000 und 10.000 m) schaffte (2008 in Peking). Bereits 2004 hatte sie Bronze über die kürzere Strecke gewonnen. Fünf olympische Medaillen hat sie damit bereits gesammelt, obwohl sie erst 26 Jahre alt ist. Mit dem Start in Newcastle am Sonntag beginnt für Tirunesh Dibaba ein neuer Abschnitt in ihrer Karriere: sie will sich stärker auf die Straßenrennen konzentrieren und plant im nächsten Jahr einen Marathonstart. Die längste Distanz, die sie bisher gelaufen ist, sind 15 km. Dabei stellte sie 2009 im holländischen Nijmegen auf Anhieb einen Weltrekord auf (46:28 Minuten). Man darf gespannt sein, was Tirunesh Dibaba bei ihrem ersten Halbmarathon laufen kann.

„Ich glaube, Dibaba wird ebenso wie Paula Radcliffe und andere Top-Bahn-Langstrecklerinnen keine Probleme haben beim Wechsel zur Halbmarathondistanz. Sie wird sicherlich schon bei ihrem Debüt sehr gut laufen“, sagt die britische Läuferin Jo Pavey, die nach zwei erstklassigen Rennen bei Olympia (über 5.000 und 10.000 m wurde sie jeweils Siebente) ebenfalls am Sonntag startet. „Wenn Dibaba sich jetzt ernsthaft auf den Straßenlauf konzentriert, können wir etwas ganz Besonderes von ihr erwarten. Ich bin sicher, dass sie sich entsprechend vorbereitet hat, um eine sehr schnelle Zeit zu laufen. Es wird schwer für uns als ihre Gegnerinnen“, erklärt Jo Pavey, die sich selbst zumindest als beste nicht-afrikanische Läuferin platzieren kann.

Für Tiki Gelana und Edna Kiplagat, die beim olympischen Marathon nur Rang 20 belegt hatte, wird es sicher nicht leicht, lediglich sechs Wochen nach dem Londoner Rennen schon wieder einen Halbmarathon zu laufen.

Gleiches gilt auch für Wilson Kipsang, der mit einer Bestzeit von 58:59 Minuten zu den schnellsten Halbmarathonläufern aller Zeiten zählt. Während Haile Gebrselassie (Äthiopien) aufgrund eines Knieproblems nicht starten kann, zog der britische Doppel-Olympiasieger Mo Farah (5.000 und 10.000 m) seine Startzusage zurück, weil er sich nicht mehr frisch genug fühlt für ein derartiges Rennen. Mo Farah wird stattdessen am Sonnabend im Rahmen der City Games ein Zwei-Meilen-Rennen gegen internationale Konkurrenz laufen.

Trotz der zwei prominenten Absagen trifft Wilson Kipsang auf sehr starke Konkurrenz. Darunter ist mit Imane Merga der Crosslauf-Weltmeister des Jahres 2011. Der Äthiopier wird erstmals über die Halbmarathondistanz starten. Seine 10.000-m-Bestzeit von 26:48,35 Minuten verspricht dabei einiges. Zwei Kenianer, die ebenfalls über 10.000 m Weltklassezeiten erreichten, sind ebenfalls im Feld am Sonntag: Emmanuel Bett lief vor einer Woche in Brüssel eine Jahresweltbestzeit mit 26:51,16 Minuten. Seine Halbmarathon-Bestzeit von 62:10 könnte er sicherlich deutlich unterbieten. Micah Kogo war über 10.000 m sogar noch schneller: bei 26:35.63 Minuten steht sein persönlicher Rekord. Der 26-Jährige hielt zeitweilig auch den 10-km-Straßenlauf-Weltrekord mit 27:01. Vor einem Jahr war er beim Great North Run bereits Vierter mit 60:03.