Berglauf

Timo Zeiler Siebter der World-Trophy 2008

Der deutsche Bergläufer Timo Zeiler lief bei der 24. World Mountain Running Trophy in die Weltklasse hinein.

In einem furiosen Finale rang der Neuseeländer Jonathan Wyatt bei der 24. World Mountain Running Trophy im schweizerischen Crans-Montana den zeitweise klar führenden Martin Toroitich aus Uganda nieder und gewann das siebente Berglauf-Championat seiner beeindruckenden Karriere. Bei den Frauen stürmte bei Dauerregen die Österreicherin Andrea Mayr mit einer Minute Vorsprung ins Ziel im Wintersportort Crans-Montana und entschädigte sich für die um eine Sekunde verpasste Olympiateilnahme im 3000-m-Hindernislauf. Den einzigen Glanzpunkt einer enttäuschenden deutschen Mannschaft setzte Timo Zeiler, der im hochkarätig besetzten Männerrennen als viertbester Europäer auf Rang sieben kam.

Der Bergläufer Timo Zeiler zählt von nun an zur Weltspitze.

„Endlich unter die Top acht! Das ist sogar noch etwas besser als ich mir vorgenommen habe“, freute sich Timo Zeiler im Ziel. Der 27-jährige Speditionskaufmann aus Trochtelfingen war mit beeindruckenden Leistungen als Sieger beim Matterhornlauf in Zermatt, beim Aletsch-Halbmarathon auf der Bettmeralp und als Grand-Prix-Zweiter in Meran in der Saison 2008 zur Weltklasse aufgestiegen und erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen vollends.

„Ich bin vielleicht am Anfang etwas zu forsch angelaufen, aber ob dies mir letztlich geschadet hat, das lässt sich sicherlich nicht sagen“, rechtfertigte der amtierende Deutsche Meister seine zwischenzeitliche Führung vor allen Assen wie Jonathan Wyatt, dem türkischen Europameister Ahmet Arslan, der starken italienischen Armada und den Geheimfavoriten aus Uganda, die mit den Weltklasse-Langstrecklern Martin Toroitich und Wilson Busienei angetreten waren.

Der in Zell-Unterharmersbach so stark auftrumpfende Ahmet Arslan konnte zwar sein Vorhaben, den Weltmeistertitel gegen Jonathan Wyatt zu gewinnen, nicht in die Tat umsetzen, holte aber hinter Wyatt und Toroitich die Bronzemedaille nach einem überaus spannenden Duell um den Sieg. Der ein Großteil des Jahres bei seinem italienischen Manager Gianni Demadonna lebende Martin Toroitich, mit 27:50 Minuten über 10.000 m sicherlich der Schnellste der 160 Starter, ist ein Gewinn für die immer stärker in den Fokus rückende Leichtathletik-Disziplin Berglauf, bei der im kommenden Jahr offizielle Weltmeisterschaftstitel vergeben werden. Nicht alleine deshalb ist sich der IAAF-Repräsentant Otto Klappert sicher: „Berglaufen wird sich in kürzester Zeit einen Stellenwert erarbeiten wie der Crosslauf weltweit.“

Mit dem Vize-Europameister Bernard Dematteis (4.) und Raymond Fontaine (5.) lagen letztlich nur zwei weitere Europäer vor Timo Zeiler, der sich vor allem gegen die früheren Welt- und Europameister Marco de Gasperi und Marco Gaiardo glänzend durchsetzen konnte. „Timo hat unsere enttäuschende Bilanz gerettet“, freute sich DLV-Berglaufchef Wolfgang Münzel. In einem insgesamt schwachen deutschen Team konnte allenfalls noch die Männermannschaft mit Timo Zeiler, dem erstmals in der Männerklasse startenden Manuel Stöckert, Josef Beha und dem kurzfristig nachnominierten Marco Sturm als Achte ein akzeptables Resultat abliefern.

„Bei inzwischen 42 Nationen wird die Messlatte immer höher. Da kann sich nur derjenige behaupten, der in Bestform antritt. Wir haben einfach schon im Vorfeld zu viele Ausfälle kompensieren müssen. Wenn dann noch Athleten mit leichten Erkältungen ins Rennen gehen, ist mit einer besseren Bilanz kaum zu rechnen“, sagte ein sichtlich enttäuschter Berglaufchef Münzel.

Norwegen steigerte nach dem erfolgreichen Auftritt bei den letztjährigen Europameisterschaften in Cauterets/ Frankreich seine Erfolgsbilanz nochmals: Nach dem Juniorensieg durch Sindre Buraas holten sich die Skandinavierinnen angeführt von Kirsten Otterbu und Langdistanz-Weltmeisterin Anita Haakenstad-Evertsen den Mannschaftstitel bei den Frauen mit einem Punkt Vorsprung vor der Schweiz und Italien, die in der Einzelwertung mit Renate Rungger und der Europameisterin Elisa Desco die Plätze zwei und drei hinter Andrea Mayr belegen konnten. Die 29-jährige Wienerin lief sich mit enormem Anfangstempo den Frust über die Nicht-Nominierung für die Olympischen Spiele vom Herzen. Keine der 90 Konkurrentinnen wollte oder konnte folgen. „Ich wusste, dass ich in guter Form war. Mir fehlte nur der Vergleich zur Titelverteidigerin Anna Pichrtova oder den Italienerinnen mit Renate Rungger und der Europameisterin Elisa Desco. Ich laufe gerne mein eigenes Tempo. Dass ich dieses aber heute in Crans-Montana konnte, das überrascht mich schon. Für mich ist dieser Titel eine willkommene Frustbewältigung!“

Mit einer starken Erkältung musste Veronika Ulrich alle Chancen auf eine gute Einzelplatzierung aufgeben und landete abgeschlagen als 53. weit hinter ihren Erwartungen. „Die schnelle Strecke hätte mir eigentlich gelegen, aber mit einer Erkältung läufst du einfach unter Wert“, so eine sichtlich enttäuschte Veronika Ulrich. Da auch die Nachwuchsläuferinnen hinter den Erwartungen zurückblieben, ist unter dem Strich nur eine enttäuschende Bilanz zu konstatieren, die alleine der zur Weltklasse aufgestiegene Timo Zeiler etwas aufhellen kann.