Faszination Rennsteiglauf

Thüringer Wald verschluckt die Läufer

Die bunte Läuferschlange verteilt sich auf den zum Teil zerfurchten Waldwegen durch den Thüringer Wald. An den Verpflegungsstellen gibt's Haferschleim und Schwarzbier.

Berühmt-berüchtigter Haferschleim beim Rennsteiglauf

Nach einem ebenen halben Kilometer durch die Karlstraße und den Karlsplatz gibt uns die ansteigende Wartburgallee schon mal einen Vorgeschmack auf das bestimmende Höhenprofil. Sogleich verschluckt uns der Wald des südöstlichen Stadtrandes. Eine Wiesenlandschaft gibt noch einmal Ausblicke auf die talwärts liegende Wartburgstadt frei, bevor der schier endlose Thüringer Wald uns endgültig vereinnahmt. Am Anfang des Rennsteiglaufs ist noch kein rechtes Vorwärtskommen möglich. Breit verteilt sich die bunte Läuferschlange auf den zum Teil zerfurchten Waldwegen. Das 5-km-Schild wird passiert, dem alle fünf Kilometer weitere folgen.

Den ersten Getränkepunkt am Waldsportplatz bei Kilometer 6,9 nehme ich nur flüchtig wahr, da ich mich erstmals mit flüssigen Energielieferanten aus der Tube versorge. 500 Meter weiter, bei 434 m NN, erfolgt der eigentliche Einstieg zum Rennsteig. Die Versorgungspunkte beim Rennsteiglauf werden von den örtlichen Vereinen entlang der Strecke fürsorglich betreut. An der nächsten Getränkestelle „Ascherbrück“ bei Kilometer 12,6 und 570 m NN ist die TSG Ruhla an der Reihe. Die erste Verpflegungsstelle „Glasbachwiese“ bei Kilometer 18 und 647 m NN lässt kaum Wünsche offen. Den berühmt-berüchtigten Haferschleim lasse ich mir nicht entgehen. Neben allerlei Obst sind auch belegte Brote aufgetischt, die ich aber wohlweislich links liegen lasse. Dafür gönne ich mir ein leckeres Schwarzbier und ziehe frisch gestärkt weiter.

Hinauf zum Inselsberg

Kurz nach Kilometer 22 geht es auf drei Kilometern fast 200 Höhenmeter bergauf zum Inselsberg bei Kilometer 25,5 und 916 m NN. Davon ist der letzte Anstieg extrem steil und laufend kaum zu meistern. Also lehne ich wie die meisten den Oberkörper nach vorn und marschiere im strammen Schritt bergan. Die Spitze des Turmes liegt im dichten Nebel, der die Temperaturen auf kühle 5 ½ Grad absinken lässt. Im Vorjahr schien hier die Sonne vom klaren Himmel. Auf der anderen Seite des Berges ist ein halsbrecherischer Abstieg zu bewältigen. Nach 170 Höhenmetern auf 1,3 Kilometern, die ich vorsichtig hinabtrabe, während andere an mir vorbeischießen, ist die Verpflegungsstation „Grenzwiese“ erreicht. Dort wie auch an den anderen Zwischenhalten des Rennsteiglaufs findet ein kleines Volksfest statt. Musik spielt auf und zahlreiche Zuschauer säumen den Streckenrand. Das Helferteam beim Rennsteiglauf ist überaus freundlich und bietet vielfältigen Proviant und diverse Getränke dar. Im Vorjahr verweilte ich längere Zeit an allen diesen Stationen, heute aber nur kurz.

Miteinander von Walkern und Läufern beim Rennsteiglauf

Ab Kilometer 35 begleitet uns der lange Strom der Nordic Walker. Vielfach ertönt das Klackern ihrer Stöcke durch den Wald. Manchmal wird es auf den Wegen ziemlich eng, wenn die Walker nebeneinander hergehen und sich die Läufer vorbeischlängeln wollen. Mehrfach gibt es Situationen, in denen meine Füße den Stöcken ziemlich nahe kommen. Die Gefahr, einen Stock wegzutreten oder selbst davon getroffen zu werden, ist bei der Unebenheit der Wege, die vielerorten durch Pfützen und Spurrinnen verengt sind, durchaus gegeben. Meistens machen die Walker aber bei Engstellen höflich Platz, und viele spornen die Läufer durch Aufmunterungsrufe an. Während der zwanzig gemeinsamen Kilometer Wegstrecke sollen Läufer und Walker gegenseitig von der Atmosphäre des Rennsteiglaufs profitieren, und bei einem Mindestmaß an Respekt und Anerkennung füreinander ist das ein leichtes Unterfangen.

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Herrliche Ausblicke von den Höhenzügen