LA-WM in Moskau

Tesfaye sensationell Fünfter über 1.500 m

Während der Kenianer Asbel Kiprop im Schlusspurt souverän zum 1.500-m-WM-Titel lief, stürmte der seit zwei Monaten für Deutschland startberechtigte Homiyu Tesfaye auf Rang fünf.

Asbel Kiprop

Asbel Kiprop wurde Weltmeister über 1.500 Meter.

Bild: photorun.net

Während der Kenianer Asbel Kiprop im Schlusspurt souverän zum 1.500-m-WM-Titel lief, passierte einige Meter hinter ihm sensationelles aus deutscher Sicht: Der erst seit knapp zwei Monaten für Deutschland startberechtigte Homiyu Tesfaye stürmte auf der Zielgeraden bei seinen ersten großen Titelkämpfen noch bis auf Rang fünf nach vorne. Hinter Asbel Kiprop (3:36,28 Minuten) gewannen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau Matthew Centrowitz (USA/3:36,78) und Johan Cronje (Südafrika/3:36,83) die Silber- und Bronzemedaillen. Dann folgte hinter dem zweiten Kenianer Nixon Chepseba (3:36,87) bereits Homiyu Tesfaye (3:37,03), der damit auch den sechstplatzierten Kenianer Silas Kiplagat und seinen früheren Landsmann Mekonnen Gebremedhin (Äthiopien/Siebenter) hinter sich ließ.

Überraschend sorgte damit der erst 20-jährige Läufer von Eintracht Frankfurt, der bereits seit zwei Jahren vom Marathon-Spezialisten und Lauf-Bundestrainer Wolfgang Heinig betreut wird, für das beste Ergebnis der deutschen Läufer in Moskau.

Es ist über 20 Jahre her, dass deutsche 1.500-m-Läufer bei globalen Titelkämpfen noch bessere Ergebnisse erreichten als Homiyu Tesfaye. Bei den Weltmeisterschaften 1991 war Hauke Fuhlbrügge in Tokio Dritter und Jens-Peter Herold folgte auf Rang vier. Bei Olympia 1988 hatte Herold in Seoul Bronze gewonnen, vier Jahre später war er in Barcelona Sechster. Bei der WM 1997 in Athen hatte zuletzt ein deutscher 1.500-m-Läufer das Finale erreicht: Rüdiger Stenzel belegte damals Platz zehn.

Es war kein schnelles Finale, was Homiyu Tesfaye sicherlich entgegen kam. Der deutsche Newcomer lag lange Zeit am Ende des Feldes, behielt aber immer den Kontakt zur kompakten Gruppe. Eingangs der letzten Runde lief er noch auf Rang zehn. Erst 150 Meter vor dem Ziel trat Homiyu Tesfaye, der auch ein guter 800-m-Läufer ist und daher über eine sehr starke Schnelligkeit verfügt, zum Endspurt an. Aus der Kurve heraus sprintete er dann auf der Zielgerade noch an mehreren Konkurrenten vorbei und bis auf Rang fünf nach vorne – lediglich zwei Zehntelsekunden hinter dem drittplatzierten Johan Cronje überquerte er den Zielstrich.

„Das ist mein erstes großes Finale gewesen – es war unglaublich. Es ist schwer gegen starke Konkurrenz, aber es war zu sehen, dass etwas möglich ist im Kampf gegen die anderen, wenn man hart trainiert“, sagte Homiyu Tesfaye, der in diesem Frühjahr bereits die Deutschen Meisterschaften über 10.000 m gewonnen hatte.

An der Spitze des Rennens hatten die Kenianer das Geschehen lange Zeit bestimmt. Zunächst führte Asbel Kiprop, dann ging Nixon Chepseba nach vorne. Eingangs der letzten Runde lag immer noch Chepseba vor Kiprop. Der Titelverteidiger und Olympiasieger von 2008, Kiprop, wartete bis zur Zielgeraden bevor er richtig antrat. Dann war er nicht mehr zu stoppen. „Mein Ziel war es heute, einfach nur zu gewinnen. Deswegen habe ich lange gewartet mit meinem Spurt“, sagte Asbel Kiprop.

Kenianerin Sum überrascht über 800 Meter

Mit einer Überraschung endete das 800-m-Finale der Frauen in Moskau: Die 24-jährige Kenianerin Eunice Sum gewann die Goldmedaille in 1:57,38 Minuten vor der Russin Mariya Savinova (1:57,80) und der US-Amerikanerin Brenda Martinez (1:57,91). Das Rennen war geprägt vom Sturmlauf von Alysia Montano (USA), die vom Start weg davonlief. Nach einer superschnellen ersten Runde von 55,06 Minuten führte Montano mit gut zehn Metern vor dem Feld, das angeführt wurde von Eunice Sum. Wie zu erwarten war, gingen Montano auf den letzten 200 Metern jedoch die Kräfte aus. Gut 50 Meter vor dem Ziel stürmten Eunice Sum und Mariya Savinova an ihr vorbei, wobei die Kenianerin das bessere Stehvermögen hatte und gewann. Verzweifelt warf sich Montano ins Ziel, doch es reichte nicht für eine Medaille. Sie wurde Vierte in 1:57,95.

„Ich habe nie mit Gold gerechnet. Doch ich fühlte mich sehr gut auf den letzten 300 Metern. Da habe ich gemerkt, dass ich eine Chance habe“, sagte Eunice Jum, die ihre persönliche Bestzeit um fast zwei Sekunden steigerte. Allerdings war sie als Siegerin der kenianischen WM-Trials im Juli in der leistungsmindernden Höhenlage von Nairobi bereits 1:59,3 Minuten gelaufen.

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