Wetter spielte nicht mit

Strecke um zehn Kilometer verkürzt

Das Wetter spielte auf der zweiten Etappe des TransRockies Run nicht mit, die Strecke mußte verkürzt werden.

TransRockies Run

Herrliche Landschaften begleiten die Läufer.

Der TransRockies Run ist ein Trail Running Wettbewerb über fünf Tage im Herzen der Rocky Mounatins in Colorado und führt von Beaver Creek nach Aspen. Die Strecke ist rund 177 km lang und überwindet im Aufstieg 4876 Höhenmeter. Till Gottbrath berichtet für www.runnersworld.de in seinem Tagebuch.

Tag 2 geplant: Eagle’s Nest (Berg im Skigebiet bei Vail) nach Pando – 40,49 km; 1537 Höhenmeter. Durchgeführt: Eagle’s Nest (Berg im Skigebiet bei Vail) – Redcliff; 30,4 km laut GPS. Unsere Zeit 4:24,50 h; mein Durchschnittspuls 143; Maximalpuls 159; 2507 verbrannte Kalorien.

Auf den heutigen Tag haben wir uns riesig gefreut: Es sollte der härteste Tag und der Tag mit dem technischsten Trail werden. Aber das Wetter machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung.

Gestern Abend und die ganze Nacht hat es geregnet und gewittert. So manches Zelt war nicht mehr dicht… Und in jenen; die relativ dicht waren; war es drinnen immer noch klamm. Meine Partnerin Nicole und ich freuen uns jedenfalls sehr; dass wir dicke Kunstfaserschlafsäcke dabei haben.

Das Camp mit den Zelten der Läufer.

Vom Camp ein paar Kilometer außerhalb von Vail werden wir bei strömendem Regen mit dem Shuttle Bus zur Seilbahn gefahren. Dort empfängt man uns mit der Botschaft; dass die Bahn wegen Blitzschlaggefahr die nächste Stunde nicht fährt. Schließlich fahren wir doch hoch zum Eagle’s Nest. Dort informiert uns Steve; der Course Director; dass der letzte Anstieg und Abstieg gestrichen werden; weil wieder Gewittergefahr herrscht. Und ein Gewitter ist das Letzte; was man haben will; wenn man meistens auf dem Grat entlang läuft.

Der Start wird – bei nur wenigen Grad über Null – dieses Mal wenig zelebriert. Hauptsache es geht los. Wir haben uns heute gut eingepackt: Funktionsunterwäsche mit Gore-Tex drüber. Über meine Schuhe habe ich die selbst geschneiderten (danke Suse!) Gamaschen gezogen und mit Pflaster an den Beinen wasserdicht fest geklebt. Optimal!

TransRockies Run
Schon bald nach dem Start wurde die Schneegrenze erreicht.

Schon kurz nach dem Start (3145 m) erreichen wir die Schneegrenze. Zum Glück ist es nicht zu viel Schnee. Außerdem laufen Nicole und ich so langsam; dass das schon eine gute Spur ist. Plötzlich reißt es auf: Endlich – und es ist sensationell. Die Baumgrenze liegt bei 3400 Meter und wir sind höher unterwegs. Die Sonne gleißt im Schnee; die Gipfel der benachbarten Berge sind weiß überpudert; während unten die Herbstfarben des Waldes leuchten. Als dann noch die Laufstrecke von der Forststraße abbiegt und in einen wunderbaren Single Trail wechselt; da lacht das Läuferherz! Das sind die Momente; wegen denen wir hier sind! Der höchste Punkt; den wir erreichen ist fast 3600 Meter hoch!

Dann führt der Single Trail zunächst sehr flach; aber später steil und schlammig bergab: Unser Gamaschensystem funktioniert bestens; der Trail ist ein Traum und die Beine laufen bestens – keep on Running!

Nach der zweiten Verpflegungsstation legt sich unsere Hochstimmung jedoch wieder: Ab hier führt eine Art „Forstautobahn“ leicht abfallend ins Tal. Das ist nicht Nicoles Geläuf und wir erinnern uns an den Abstieg vom Plantapatsch hinab nach Mals beim Transalpine Run. Aber als ich Nicole den Rucksack abnehme und immer leicht hinter ihr her laufen („dann fühle ich mich; als ob du abkackst und das motiviert mich!“); geht es wieder besser. Und dann sind wir plötzlich unten und im Ziel.

Die Oberschenkel ziehen ganz schön; aber es geht schon. Mit dem Shuttle Bus geht’s von Redcliff zum Camp in Pando. Da kommt dann sogar ein wenig die Sonne raus und die klammen Sachen trocknen etwas. Und für die nächsten Tage ist die Regenwahrscheinlichkeit bei nur 10 %. Na also!

Den Tagebuch-Eintrag von der ersten Etappe finden Sie hier.


Interessieren Sie sich für knallharte Ultra-Herausforderungen? Dann können Sie auch in unseren Berichten und Fotos über den Badwater Ultramarathon und über den Transalpine Run schmöckern.