Leser-Reporter Matthias Enseleit

Sport als Selbsttherapie

Das Lauftraining hilft Leser-Reporter Matthias Enseleit über schwere Phasen hinweg. Er entdeckt sogar die Sportart Triathlon für sich.

Leser-Reporter Matthias Enseleit

Matthias Enseleit beim Zieleinlauf seines ersten Marathons in Hamburg 2014.

Bild: privat

Laufen, Radfahren, Schwimmen gegen die Depressionen

Ich lese andere Zeitschriften: Roadbike, Swim, Triathlon Training. Der Alkohol ist fast kein Thema mehr, das Selbstverletzen auch nicht. Die Depressionen sind jedoch immer da, sie werden bleiben. Das Mittel dagegen: Sport, ganz speziell das Laufen. Im Oktober 2013 habe ich es geschafft: ein Jahr ohne einen einzigen Tropfen Alkohol. Ich melde mich zum Marathon Hamburg an, ich laufe im Übermut meine ersten 30 Kilometer. Ich bin fasziniert von langen Läufen, die Idee Ultramarathon wächst. Ich laufe, vier bis fünf Mal die Woche (davon 1 x Intervall und 1 x langer Lauf, macht man so, habe ich gelesen), gehe einmal die Woche zum Schwimmkurs, zwei- oder dreimal die Woche zum Krafttraining. Im Dezember ist der Schwimmkurs beendet, ich melde mich im Schwimmverein an (dieser hat auch einen Triathlonverein).

Dezember, mein Opa stirbt, ich sage mir, den Marathon laufe ich nur für dich. Januar/Februar 2014, das Training für den Marathon beginnt, nach Herbert Steffney. Ich gehe weiter zweimal die Woche schwimmen, aber jetzt weniger ins Fitnesscenter, das Laufen dominiert. Die Therapie neigt sich dem Ende. Meine Therapeutin sagt: "Melden Sie sich, wenn Sie den Ironman in Hawaii gelaufen sind." Ich denke Ironman, was ist das? 3,9 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen, das will ich auch! Naja, vielleicht erstmal 70.3 Ironman, naja oder vielleicht auch erstmal die Volksdistanz im Triathlon, das Schwimmen fällt mir schwer. Ich laufe weiter, strikt nach Trainingsplan. Der Alkohol, das Selbstverletzen ist vergessen, die Depressionen manchmal da, aber wenn sie kommen, denke ich, nach dem nächsten Lauf geht es mir wieder gut.

Jetzt zum Marathon in Dresden

April 2014, ich kaufe mir mein Rennrad: Canondale CAAD10 Ultegra, bin überglücklich, muss mich zum Laufen zwingen, da ich viel lieber Rad fahren würde, schwimmen gehe ich auch zweimal die Woche. 4. Mai 2014: Hamburg-Marathon. Danach Regeneration, inzwischen fahre ich Rad (30-50 km pro Tour), gehe schwimmen, gehe weiter laufen, zum Dresden-Marathon bin ich angemeldet. Der Plan: Dresden-Marathon 2014, Freiburg-Triathlon 2015, Leipzig-Triathlon 2015.

Bisher kein Alkohol, keine Selbstverletzungen, sehr wenige depressive Phasen. Der Sport, insbesondere das Laufen hat mir geholfen und hilft mir, mit der Krankheit zurecht zu kommen. Was bleibt, sind die schlechten Erinnerungen und die Narben am rechten Handgelenk, aber auch das Glück beim Sport.

Das ist meine Geschichte. Sie ist wahr, nichts ist gelogen, es ist noch nicht mal alles erzählt, was ich erzählen könnte, nur die wichtigsten Fakten.

Matthias Enseleit

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