Leserreporter beim Kwart Marathon

Spektakulärer Viertelmarathon im Winter

Leserreporter Thomas Riepert lief den Egmond Kwart Marathon an der holländischen Nordseeküste. Wind, Sand und Meer konnten ihm dabei nichts anhaben.

Kwart Marathon in Egmond aan Zee 2016

Start- und Zielbereich des Egmond Kwart Marathons.

Bild: Thomas Riepert

Der „Halve Marathon“ in Egmond aan Zee ist der spektakulärste Halbmarathon des Winters, so stand es im vergangenen Jahr in RUNNER'S WORLD zu lesen. Mein Herz schlug höher. Egmond aan Zee, ein kleines altes Fischerdorf, war seit meiner frühesten Kindheit mein Urlaubsort. Es liegt an der holländischen Nordseeküste nahe Alkmaar, eine knappe Stunde von Amsterdam entfernt. Kilometerlanger Sandstrand. Ebbe und Flut. Ein wunderschöner Leuchtturm. Fahrradwege in den Dünen. Matjes, Pommes und Kroketten.

Der Egmond Halve Marathon ist etwas Besonderes

Der Halbmarathon von Egmond aan Zee wird seit 1973 ausgetragen und ist damit einer der ersten Läufe über diese Distanz in Europa. Zwei Dinge machen ihn zu etwas ganz Besonderem: er führt über weite Strecken am Strand entlang und wird jedes Jahr am zweiten Wochenende im Januar ausgetragen. Das Interesse ist riesig und selbst Spitzenläufer aus Afrika kommen in den kleinen Ort, um sich auf die Sommersaison vorzubereiten. Natürlich spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Wenn du Pech hast, ist es windstill und die Sonne scheint. Wenn du Glück hast, stürmt und schneit es und du kannst deinen Enkelkindern noch davon erzählen.

Dort wollte ich also unbedingt laufen. Mein Problem: ich laufe zwar gerne, aber nicht gut. Immerhin hatte ich vor zwei Jahren in meiner neuen Heimat Mainz erstmals einen Halbmarathon geschafft, aber 21 km bei Wind und Wetter und dann noch auf Sand, das erschien mir doch etwas heftig. Da las ich in der Ausschreibung, dass es auch einen Kwart Marathon gibt. Kwartje, da war doch was…. Richtig, das war seinerzeit der beliebte Name für die 25 Cent-Münze, ein viertel Gulden eben. Und ein Viertelmarathon, das war für mich genau das Richtige. Die Strecke sollte 3 km durch den Ort, 3 km am Strand und der Rest über Dünenwege zurück verlaufen.

Ich reiste mit zwei meiner Kinder schon am Freitag an. Das Hotel lag direkt an der Strandpromenade, genau vor Start und Ziel. Dahinter die Dünen und das Meer. Ein Traum!

Abends im Ort war eine fröhliche Stimmung, viele Cafés und Restaurant waren geöffnet. Das Hotel war so gut wie ausgebucht und beim Frühstück am Samstagmorgen trafen wir dort nicht nur zahlreiche, trainierte und konzentriert wirkende Afrikaner, sondern auch massenhaft Radfahrer. Was wir nicht wussten, an diesem Tag gab es ein Mountainbike-Rennen über 36 km am Strand, mit 4.000 Teilnehmern („Egmond-Pier-Egmond“). Der Sieger brauchte 57 Minuten und hatte im Ziel nur eine halbe Radlänge Vorsprung. Das Rennen wurde im Fernsehen live übertragen und wirkte wie ein Endzeitfilm, Gruppen von Radfahrern auf dem menschenleeren Strand, im Hintergrund die stürmische See.

Die Ruhe vor dem Sturm am Strand von Egmond.

Bild: Thomas Riepert

Ja, das Wetter. Ich schaute stündlich auf meine Wetter-App. Angesagt war Windstärke 6, Böen 8, Temperaturen knapp über null Grad. Mir wurde zunehmend mulmiger. Zu Recht. Das Wetter wurde nämlich genau wie vorhergesagt.

Sturm beim Egmond Kwart Marathon

Im Startbereich war die Stimmung dennoch super. Die meisten Läufer kamen aus den Niederlanden, man hörte aber auch deutsche, flämische und englische Stimmen. Ich warf meinen Kindern die Steppjacke zu und los ging es.

Die ersten Kilometer durch den Ort, am Leuchtturm vorbei, waren schnell gelaufen und einigermaßen windgeschützt. Am Strand ging es dann genau gegen den stürmischen Wind an. Links die Dünen, rechts die schäumende See. Die Gezeiten waren uns gnädig, der Strand breit und der Sand recht fest.

In der Gruppe lief es sich gut, wenn ich aber aus der Gruppe herausfiel, lief ich gegen eine Wand aus Wind an. Endlich ging es durch tiefen Sand die Dünen herauf und dann über gepflasterte Wege zurück. Der Wind war nun im Rücken. Ein Holländer lief längere Zeit neben mir und lachte mir ausgelassen zu. Er lief dann vorweg, aber nach dem langen Anstieg zum Ziel waren wir wieder gleichauf. Obwohl wir nur die Vorläufer waren, wurden wir von den vielen Zuschauern gefeiert. Wir bekamen eine schöne Medaille mit eingraviertem Streckenverlauf. Zwei Wochen später kam per Post ein Kunststoffblöckchen mit meinem Namen und meiner Zeit, das genau in eine Vertiefung auf der Rückseite passte, sodass ich nun eine ganz persönliche Erinnerung habe. Mit knapp 75 Minuten lief ich einen Schnitt von exakt 7:00 Minuten, was für mich sehr in Ordnung war.

Harte Bedingungen beim Egmond Halve Marathon

Nach dem Kwart Marathon wurde der Halve Marathon gestartet und in voller Länge live im holländischen Fernsehen übertragen. Die schnellste Frau und der schnellste Mann kamen aus Äthiopien. Der Sieger brauchte aufgrund des starken Windes 68 Minuten, so lange wie seit 1985 nicht mehr (der Streckenrekord liegt bei 60 Minuten und 46 Sekunden). Nicht wenige Läufer haben im Ziel vor Anstrengung und Freude geweint.

Am Nachmittag gab es in einem Hotel den so genannten Blarenbal, zu Deutsch Blasenball, eine große Abschlussfeier mit Live-Musik. Damit ging ein perfekt organisiertes, überragendes Laufereignis mit 17.000 Teilnehmern zu Ende, das ich nie vergessen werde.

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