Carsten Schlangen

Spaß statt Erfolg

Mit der erfolglosen Vorstellung der deutschen 1.500-m-Läufer beschäftigt sich Claus Dahms in seinem WM-Tagebuch.

LA-WM in Berlin

Stefan Eberhard im vierten Vorlauf über 1500 m.

Bild: Claus Dahms

Olympiastadion, Samstag, 15. August, 20.00 Uhr: So erfreulich die Weltmeisterschaften begonnen hatten, so enttäuschend war der Auftakt der Abendveranstaltungen. 1.500 m Vorläufe standen auf dem Programm und mit Stefan Eberhard und Carsten Schlangen waren zwei deutsche Läufer angetreten, die in den letzten Wochen berechtigte Hoffnungen geweckt hatten.

Im zweiten Vorlauf scheiterte Carsten Schlangen. Hinterher berichtete er von einer Knochenhautentzündung am Schienbein, die ihn während der letzten Vorbereitungswochen mächtig zu schaffen gemacht hätte. Mag ja sein. Aber im Stadion lief er nicht wie ein Verletzter. Mutig setzte er sich nach 800 m an die Spitze des Feldes. „Das hat Super-Spaß gemacht“, beschrieb er diese Phase des Rennens. Der Berliner Lokalmatador genoss den aufbrausenden Jubel des Publikums.

Doch ging es hier ja nicht um ein wenig Spaß, sondern um die Qualifikation für den Zwischenlauf bei einer Weltmeisterschaft. Schlangen machte die Führungsarbeit für seine Konkurrenten. Mutig ist also wohl das falsche Wort, leichtfertig ist wohl treffender. Denn als es in Runde zwei so richtig zur Sache ging, da wurde der vielfache deutsche Meister vom Feld überrollt: „Ich hatte auf den letzten 100 Metern einfach nichts mehr zuzulegen“, gestand Schlangen und lächelte schon wieder. Platz neun in Vorlauf zwei und lächerliche 3:44,00 Minuten entsprechen aber in keiner Weise seinen hohen Ansprüchen.

In Vorlauf vier machte es Stefan Eberhard geringfügig besser, aber die Zwischenlauf-Qualifikation verpasste auch er. Im schnellsten Vorlauf lief er stets klug im Feld mit, doch am Ende fehlte auch ihm die Kraft und Spritzigkeit – und das nötige Quentchen Glück. Denn mit 3:40,05 Minuten verpasste er als Zehnter (!) seines Laufes nur um eine Hundertstelsekunde das Weiterkommen.

Im Gegensatz zu Carsten Schlangen war er nach dem verkorksten Rennen völlig ratlos: „Meine Form war gut. Ich habe mich gut gefühlt. Auch der allerletzte Test im Training war ziemlich gut. Was dann heute passiert ist, verstehe ich nicht. Auf den letzten 200 Metern ging gar nichts. Ich war noch nie so kaputt nach einem Rennen. Das ist einfach eine riesige Enttäuschung.“

Hier finden Sie die weiteren Einträge im WM-Tagebuch von Runner's-World-Redakteur Claus Dahms:

Mein Berlin-Tagebuch vom 15. August 2009
Weltmeisterin fiel hin – aber nicht durch vom 16. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin