Cross-Europameisterschaft

Slowenien empfängt die Cross-Elite zur Europameisterschaft

Frankreich und Spanien sind Favoriten für die Team-Goldmedaillen bei der Cross-EM. Sabrina Mockenhaupt führt die deutsche Mannschaft an.

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Seriensieger Serhiy Lebid will am Sonntag seine Cross-EM-Rekordserie auf zehn erhöhen.

Bild: photorun.net

Das slowenische Velenje war bislang für Serhiy Lebid kein gutes Pflaster. Doch das soll sich am kommenden Sonntag für den Ukrainer ändern. 1999 wurde er dort als Titelverteidiger bis auf Rang sieben durchgereicht, doch wer zweifelt an einem famosen zehnten Sieg bei den Crosslauf-Europameisterschaften für das Crosslauf-Phänomen Lebid?

Bislang hat der Ukrainer noch keine einzige Cross-Europameisterschaft seit Alnwick (Großbritannien/1994) verpasst. Bei den Titelkämpfen am Sonntag könnte in der slowenischen Stadt der zehnte Europameistertitel fällig sein. „Im vergangenen Jahr musste ich hart arbeiten, um die starken Franzosen, Spanier und Portugiesen zu schlagen. Nach einer Verletzung bin ich fit und bereit für den zehnten Titel“, äußerte er sich im Vorfeld der EM, die mit 489 Teilnehmern aus 33 Nationen eine neue Rekordmarke in der nunmehr achtzehnjährigen Geschichte dieser kontinentalen Meisterschaften darstellt.

Die Auseinandersetzung um Mannschaftsgold dürfte sehr interessant werden, denn das spanische Team mit dem Cross-EM-Zweiten Ayad Lamdassem möchte die in Albufeira unterbrochene Siegesserie (von 2007 bis 2009) in Velenje fortsetzen. Spanien muss aber mit einem starken Titelverteidiger Frankreich rechnen, der mit Abdellatif Meftah, Morhad Amdouni und Mokhtar Benhari gleich drei Medaillenanwärter ins Rennen schickt. Bei den Frauen spricht vieles für die Titelverteidigerin Jessica Augusto (Portugal), die schon 1999 in Velenje am Start war, dort allerdings als Achte noch weit von den Medaillenrängen entfernt in der Juniorenklasse einlief. Nach ihrem schnellen Ausstieg in Albufeira brennt die Holländerin Adrienne Herzog als Cross-EM-Dritte von Dublin (2009) auf Wiedergutmachung. Als weitere Medaillenanwärter gelten aber auch die türkische Vorjahreszweite und WM-Siebte über 3000 m Hindernis, Binnaz Uslu, sowie die portugiesische Vorjahresdritte Dulce Félix.

Mit einer großen, aber auch vor allem im Nachwuchsbereich sehr starken Mannschaft wird der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Reise nach Slowenien antreten. „Ich bin überzeugt, dass sich unsere Mannschaften der unter 20- und unter 23-Jährigen gut darstellen werden“, äußerte sich Bundestrainer Tono Kirschbaum betont zurückhaltend über die Chancen der deutschen Läufer bei den 18. Cross-Europameisterschaften. Vielleicht auch, um die Euphorie etwas zu bremsen, die allenthalben besteht, vor allem im weiblichen Bereich. Auch wenn die EM-Fünfte Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) inzwischen in die nicht minder medaillenträchtige U23-Manschaft aufgerückt ist, kann sich die U20-Auswahl mit Gesa-Felicitas Krause (LG Eintracht Frankfurt) an der Spitze auf vier Läuferinnen stützen, die 2010 in Albufeira die Silbermedaille gewinnen konnten. Für die DLV-Mädchen ist eine weitere Medaille realistisch, dies wäre nach Dublin und Albufeira die dritte Teammedaille in Folge. In der Einzelwertung könnte die 19-jährige Frankfurterin eine ähnlich starke Rolle spielen wie dies Corinna Harrer als Vierte und Fünfte in den vergangenen Jahren schaffte.

Vielleicht noch stärker sind die U23-Juniorinnen mit Corinna Harrer, Anna und Lisa Hahner (Run2sky.com), Jana Sussmann (LG Nordheide) und Jana Southout (ASV Köln) einzuordnen. „Wir haben ein superstarkes Team“, sagte Anna Hahner nach ihrem Sieg beim Darmstadt-Cross, „die Mannschaftsmedaille soll her, die wir in Dublin ja so knapp verpasst hatten.“ In der irischen Hauptstadt hatten die DLV-Läuferinnen 2009 nämlich in der U20-Kategorie die Bronzemedaille bei Punktgleichheit gegen Frankreich nur hauchdünn verpasst.

Aber auch die sehr kompakt in Darmstadt eingelaufenen U23-Junioren mit Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg) und Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) sollten zumindest eine gute Mannschaftschance haben. Nach einem spannenden Rennverlauf kamen in Darmstadt die U20-Junioren um den U20-EM-Dritten über 3000 m Hindernis, Martin Grau (TSV Höchstadt/Aisch), in dichter Folge ins Ziel, sodass auch hier die Mannschaftsleistung im Vordergrund stehen wird. „Wir haben uns für den Cross entschieden“, umreißt Tono Kirschbaum die Zielstellung im Nachwuchs-Bereich. „Dies ist ein wichtiger Entwicklungsschritt für den Sommer. Im U23-Bereich handelt es sich ja um unsere zukünftigen Athleten, die durch solche Meisterschaften herangeführt werden sollen. Ich denke, dass wir hier sehr gut aufgestellt sind.“

Etwas überraschend führt Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) die vierköpfige Frauenmannschaft für Velenje an. Sie hatte sich nach ihrem schweren Marathonlauf in Frankfurt kurzfristig beim internationalen Qualifikationsrennen in Tilburg (Niederlande) gestellt. Dort hatte sie übrigens 2005 als Zweite für die letzte deutsche Cross-EM-Einzelmedaille gesorgt. Neben Sabrina Mockenhaupt hat der DLV mit der routinierten Susanne Hahn (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken), Verena Dreier (SG Wenden) und der in Tilburg als Zweite überzeugenden Simret Restle-Apel (PSV GW Kassel) ein gutes nominiert.

In letzter Minute ist nach massiver öffentlichen Diskussion der beim Darmstadt-Cross überzeugende Filmon Ghirmai (LAV Asics Tübingen) ins Männerteam nachgerückt, das vom Vorjahres-Zwölften Steffen Uliczka (SG TSV Kronshagen/Kieler TB) angeführt wird. Die weiteren Starter werden Julian Flügel (LG Telis Finanz Regensburg), Sven Weyer (SG Spergau), Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München) und Rico Schwarz (ASV Erfurt) sein. „Wir haben Nominierungskriterien im Sinne der Transparenz und Glaubwürdigkeit erstellt, es hat sich aber gezeigt, dass wir diese überdenken müssen“, so Kirschbaum mit Blick auf die Diskussion um Filmon Ghirmai. „Ich war schon sehr enttäuscht über die Nichtberücksichtigung“, sagte der Tübinger vor dem Abflug nach Slowenien. „Jetzt bin ich froh, dass es doch noch geklappt hat!“

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