Leser-Reporterin Henriette Appel

Schallmauer geknackt beim Halbmarathon Ingolstadt

Um süße vier Sekunden unterbot Leser-Reporterin Henriette Appel beim Halbmarathon Ingolstadt ihre Schallmauer von 1:45 Stunden. Eine ganz persönliche Reportage.

Leser-Reporterin Henriette Appel beim Halbmarathon Ingolstadt 2014

Volle Konzentration beim Halbmarathon in Ingolstadt. Es hat sich gelohnt, Henriette Appel knackte ihre Bestzeit.

Bild: privat

Vorbereitungen für den Halbmarathon Ingolstadt 2014

Vorab herzlichen Dank an die vielen freiwilligen Helfer(innen) bei der Organisation, entlang der Strecke und im Ziel. Meine Bitte an den Einzelhandelsverein IN-City: Die Veranstaltung muss am Samstagnachmittag stattfinden! Diesen Wunsch teilt ein Großteil der Läufergemeinde.

Gemeinsam können wir den Halbmarathon als Zugpferd für eine bewegende Innenstadtsause nach Zielschluss für alle Teilnehmer, Besucher, Anwohner und Gewerbetreibende nutzen und fröhlich feiern. Letztes Jahr bei Abholung meiner Kinder im Diagonal in der Theresienstraße am Ende der Fußgängerzone nach meinem ersten Halbmarathon seit 1995 in New Haven, USA, marschierten wir etwa 20 Minuten traurig durch die Abbauaktivitäten zur „Gala“ in der Saturn Arena im Klenzepark – die Partymeile hatte sich schlagartig in eine Geisterstadt verwandelt!

Am Samstag konnte ich den privaten „kleinen Horrorladen“, damit sind natürlich nicht die Kinder gemeint, im Wettkampf abschütteln und schwerelos den erträumten 105 Minuten umringt von Hunderten von fliegenden Beinpaaren vier Sekunden abtrotzen. Der schöne Halbmarathon in unserem geliebten Ingolstadt gilt als Frühlingshöhepunkt in der Lokalszene. Ob nach drei 100-prozentigen Cuprennen hintereinander der Angriff auf die frisch aufgestellte Bestzeit von 1:47:53 Anfang Februar in Bad Füssing, wo es wesentlich kühler und flacher war, vom Erfolg gekrönt sein würde?

Durch den im nationalen Laufkalender unüblichen Start um 17 Uhr geriet meine Vorbereitung völlig aus dem Rhythmus. Packte mit Hingabe die Sporttasche, Rock und Ballerinas für die Après–Feierlichkeiten und befüllte das neonblaue „Chaos“-Täschchen (gekauft beim Afrikafest in der gleichnamigen Kultboutique in der Milchstraße) mit SOS-Utensilien: Lipgloss, Kuli, Handy, marathon4you-Flyer, Fotos meiner Idole und bestimmt acht extra Sicherheitsnadeln! Der feminine Touch als Multitasking-Dreifachmama wichtig für den Wettkampfturbo und Kitschrosa als Kontrast, um Killermentalität Eleganz zu verleihen. Zappelig Restkaffee schlürfen, Eisentablette einwerfen plus Orangensaft fürs Vitamin C, selbstverständlich die tägliche Portion Haferflocken der kernigen Variante, meine Präferenz in jedem Bereich, und vom Riesentopf Reis ein Löffelchen probieren, aufs Radl schwingen, um die Vereinskollegen vom TSV Neuburg am Hallenbadparkplatz zum Mitfahren zu treffen.

Reiste in weißen Kompressionsstrümpfen an, Teil meiner 50-Punkt-„Placeboeffekt“-Bibel, fiebrig von Kopf bis Fuß. Welch Ekstase, als ausgerechnet bei höchster Nervosität mein Motivationssong „Stranger in My House“ vom Soundsystem in der Saturn Arena erschallte. Auf Meistereis sozusagen, denn dort spielen die erstmaligen Champions im Eishockey, die Panther! Der Crossover Country/Pop blinde Ausnahmekünstler Ronnie Milsap hat Legendenstatus in den USA. Ich rockte beim Wechseln in die Hot-Pink-CEP-Socken auf dem Biertisch ab, würgte Penne mit Bärlauchsauce als Carboeinheit und eine halbe PowerBar-Waffel rein und fummelte ewig mit Nadeln herum, das inzwischen wöchentliche Startnummeranpinnritual. Derweil machte sich ruck zuck die flotte Bianca fertig, beeindruckend wie ihre blitzartigen späten Überholmanöver.

Start beim Halbmarathon Ingolstadt 2014

Mein Optimismus, die Schallmauer von 1:45 Stunden bereits in Ingolstadt und nicht Ende Juni in Fürth zu knacken, wuchs mit jeder Minute. Zumal auf meine ultraleichen Brooks Pure Connect immer Verlass ist, flog darin beim 23,5 km langen Lionslauf von Eichstätt nach Neuburg, am Gardasee beim halben in Riva und beim Thermenhalbmarathon. Die stinknormale Armbanduhr zur gelegentlichen 5-Minuten-Intervallkontrolle reicht. Die vorwiegend männlichen Technikaff(in)en erhalten zwar genaue Daten, die Tagesform und das „Auf den Körper Hören“ (beherzigt unser Allroundspitzenmann Miguel Lenz) kann kein Computer steuern. Teils radikale Einbrüche, wegen zu hohem Anfangstempo beispielsweise, beobachtete ich bei gewöhnlich im VIP-Bereich rangierenden Herren namens Georg, Kubi, Chris, Mike, Tom, Karl und Wolfgang.

Hunger und Gepäcksortieren verhinderten ein pünktliches Erscheinen zum Mannschaftsfoto. In der Dixikloschlange zehn Minuten vor dem Startschuss fasste ich den weisen Entschluss, den Champion-Sport-BH, ein Relikt von 5-Kilometer-Cityruns in den USA 1994, zu entfernen und am Pfeiler vom aufgeblasenen Startbogen an der Brücke zu deponieren, da kein Fan(club) als Materialbutler vorhanden. Plötzlich sprang mir koboldhaft Heiko Middelhoff, einer der Favoriten, vom Donaustufentraining vor die Füße, nettes spontanes gegenseitiges Anheizen bei steigenden Außentemperaturen. Ich klemmte mich ziemlich früh, nämlich nach Auftakt Harderstraße/Auf der Schanz an den 1:45-Stunden-Ballon von Zugläuferin Ingalena Heuck, der deutschen Halbmarathonmeisterin von 2010. Ging mit Vollgas und zuversichtlich an, gestählt vom Abschlusstraining im hügeligen Hohenlohe, Kurzaufenthalt mit den zwei Kleinen bei Oma Eva in Schwäbisch Hall. Für die 30. Auflage vom Dreikönigslauf, am 6. Januar 2015, sollte man sich unbedingt rechtzeitig anmelden!

Gigantisch, lautstark von der Horde vorauseilender Männer beim ehemaligen Möbelhaus Schetza angetrieben zu werden, darunter mein Trainer Siggi und Superläufer Jürgen vom SV Kasing.

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