Bremen

Sabrina Mockenhaupt läuft WM-Norm im Alleingang

Sabrina Mockenhaupt lief in Bremen die WM-Norm über 10.000 m und gewann souverän die Deutsche Meisterschaft.

Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt

Es sah spielerisch locker aus, wie Sabrina Mockenhaupt ihre 25 Runden herunterspulte zur 10.000-m-Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften. „Das täuscht. Es war schon hart, alleine die ganze Strecke zu laufen“, bekannte die 28-jährige Siegerländerin im Trikot des Kölner Vereins für Marathon. „Acht Runden vor Schluss habe ich schon an einige Ausstiege in früheren Rennen gedacht. Das war aber heute kein Thema, auch wenn es schon schwer war, das Tempo konstant hoch zu halten. Aber es ist schon ein beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, dass man zehn oder zwölf Sekunden Polster hat.“

Es ist schon imponierend, wie Sabrina Mockenhaupt ähnlich wie Irina Mikitenko ihren Weg in Richtung Berlin gestaltet: Zuerst die starke Vorstellung als Siegerin des Berliner Halbmarathons und nun die WM-Norm auf der längsten Bahndistanz. Dies geschah in Bremen bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 m allerdings praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Nebenplatz 11 des Weserstadions, an dem sich allenfalls 200 Teilnehmer und Betreuer verloren.

Es war auffällig, mit welcher Leichtigkeit Sabrina Mockenhaupt die 31:27,56 Minuten lief. „Ich laufe gerne die 10.000 Meter, aber auch gerne auf der Straße. Es motiviert mich, wenn ich sehe, wie Irina Mikitenko ihr Ding macht. Ich habe mir am vergangenen Sonntag den London-Marathon angeschaut und war richtiggehend heiß auf das Rennen heute.“

Die Konkurrenz war allerdings in keiner Phase des Rennens in der Lage, auch nur im Ansatz ein ähnlich hohes Tempo aufzunehmen. Schon nach einer Stadionrunde hatten Simret Restle, Birte Bultmann und die anderen Starterinnen 100 Meter und mehr Rückstand, nach 3.400 Metern war das gesamte Feld erstmals überrundet, nach 8.800 m bereits ein zweites Mal. Drei Minuten (!) hinter „Mocki“ lief mit Simret Restle (LG Eintracht Frankfurt) nach 34:27,05 die Vizemeisterin ins Ziel. Hinter der Drittplatzierten Birte Bultmann (TV Wattenscheid) kam schon die Juniorenmeisterin Susi Lutz (LG Telis Finanz Regensburg) ins Ziel, die mit 35:00,52 über die 25-Runden-Distanz debütierte. Ein starkes Rennen liefen dicht dahinter auch die 20-jährige Anna Hahner (PSV Grün-Weiss Kassel), die vor wenigen Wochen mit dem Nachwuchs-Förderpreis der Straßenlauf-Veranstalter German Road Races ausgezeichnet worden war, und die dritte Juniorin, Christiana Kröckert (TSV Bayer Leverkusen/ 35:18,31).

Alleine der Meister hat alles richtig gemacht, so ließe sich das Ergebnis des Männerrennens umschreiben. „Ich habe Glück gehabt, dass ich immer wieder herangekommen war. Letztlich war es für mich ein einfacher Titelgewinn“, kommentierte dann auch Filmon Ghirmai seinen Überraschungscoup mit einem Spurtsieg in 29:40,06 Minuten. „Wenn Fili eine Runde vor Schluss dran ist, dann gewinnt nur er“, hatte Langstrecken-Bundestrainer Detlef Uhlemann prophezeit. In einem komplett taktischen Rennen kamen nur durch einen schnellen Schlusskilometer wenigstens noch Endzeiten unter 30:00 Minuten zustande. Aus dem Windschatten heraus überspurtete der Tübinger Hindernisspezialist Ghirmai den Vorjahresmeister Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München/29:41,59) auf der Zielgeraden. „Einmal wollte ich 10.000 Meter laufen. Und dann ist es gleich ein deutscher Meistertitel geworden“, sagte Ghirmai.

Im Vorjahr hatte Hallmann im 10.000-m-Meisterschaftsrennen in Menden zwar gegen Juniorenmeister Zelalem Martel verloren, durfte sich aber mit dem Männertitel trösten, in diesem Jahr lagen die besten Junioren hinter ihm, dafür musste er die Spurtniederlage gegen Filmon Ghirmai hinnehmen. „Ich habe versucht gegen den Wind wegzukommen. Das ist mir leider nur bedingt gelungen. Alle anderen konnte ich auf den letzten beiden Kilometern loswerden bis auf einen. Mir war natürlich klar, dass ich im Spurt gegen Fili keine Chance haben würde“, sagte Hallmann.

Neben dem neuen Meister Ghirmai überraschte auch der im Vorjahr wegen einer Verletzung pausierende Carlo Schuff (PST Trier) mit Rang drei und 29:49,18 Minuten. „Ich bin mit Köpfchen gelaufen und war in der Endphase einfach dabei. Das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet“, freute sich der 29-jährige Trierer. Auf Rang vier lief der letztjährige Juniorenmeister Zelalem Martel (LG Neckar-Enz), der allerdings schon nach acht Kilometern aus der Spitzengruppe herausgefallen war.

Text: race-news-service.com/Wilfried Raatz
Foto: photorun.net