Leserreporter Günter Schmidt

Rock'n Roll Madrid Marathon - Hügelige Sightseeing-Tour

Unser Leserreporter Günter Schmidt begann bei seinem 115. Marathon bereits nach vier Kilometern zu träumen.

Rock'n Roll Marathon Madrid 2017 - Die Bilder
14052017 Rock'n Roll Marathon Madrid (2)

Bei Marathon Nr. 115 ging es vorbei an den Sehenswürdigkeiten Madrids.

Bild: Günter Schmidt

Er nennt sich EDP Rock`n Roll Madrid Marathon. Aber keiner muss Angst haben, die 42 Kilometer müssen nicht getanzt werden! Wäre dem so gewesen, hätte ich mit Sicherheit auf den Start verzichtet. Denn wo andere Leute eine Wirbelsäule haben, befindet sich bei mir eine Brechstange. Sehr schlechte Voraussetzung für Rock`n Roll! Aber zum Laufen reicht es, Haltungsnoten werden ja beim Marathon nicht vergeben.

Die Reise nach Madrid begann für mich sehr lustig. Zwei Tage vor dem Abflug wurde mein Zimmer storniert. Und wie ich feststellen musste, war der Zimmermarkt unter der 100-Euro-Grenze nahezu abgegrast. Ausnahme: Ein gemischtes Sechsbettzimmer in einer Art Jugendherberge. Hat mir aber nichts ausgemacht, ich bin ja erst 65.

Gemeinsam mit meinem Freund Andreas haben wir 5 Tage für Madrid eingeplant. Wir reisen am Donnerstag an, aber für die Marathonläufer wird erst der Samstag interessant. Da gibt es die Startunterlagen. Im IFEMA-Messegelände am „Campo de las Naciones“. Das ist ganz bequem mit der Metro-Linie 8 Richtung Flughafen zu erreichen. An der Station „Campo de las Naciones“ aussteigen, dann einfach der Menschentraube hinterherlaufen. Da kann nichts schiefgehen und in fünf Minuten ist man im Pavillon 12.

Wir sind gegen Mittag dort, es ist schon ganz schön was los. Aber es dauert nicht lange, da hat man seine Startnummer. An dem Stand gegenüber gibt es einen kleinen aber feinen Rucksack und etwas weiter hinten ein Laufshirt. Und das alles für 60 Euro Startgebühr. Für vergessliche Leute, die ihre Anmeldebestätigung mit der Startnummer nicht ausgedruckt haben, gibt es auch einen Stand. Aber: Pass oder Ausweis nicht vergessen! Übrigens habe ich an diesem Stand nicht lange gewartet.

Es ist alles sehr übersichtlich, teilweise in Englisch, ausgeschildert, aber auch für die, die nur Deutsch sprechen kein Problem. So doof kann man sich gar nicht anstellen, um hier nicht klarzukommen.

Für alle, die Schuhe oder Laufshirt vergessen haben, gibt es auf der Marathonmesse ausreichend Ersatz. Trotzdem bin ich verärgert. Ich brauche ein neues Stirnband und werde nicht fündig. Aber Andreas findet tröstende Worte: „Diese Produkte aus den siebziger Jahren des vergangen Jahrhunderts sind ausverkauft.“

Um zur Nudelparty zu gelangen, muss man das Pavillon wieder verlassen und sich hinter die Halle begeben. Man kann auch sagen zum Lieferanteneingang. Etwas eigenartig finde ich, dass die Nudelparty nur von 13 bis 16 Uhr stattfindet. Aber um nicht lange warten zu müssen, stellen wir uns schon um 12.30 Uhr an und haben damit Startplatz zehn und elf beim Wettlauf um die Nudelschüssel. Etwa 15 Minuten später ist die Schlange stark angewachsen, als um 13:00 Uhr die Party beginnt, stehen weit über 200 Leute hinter uns. Die werden nun warten müssen - es sind nun mal nicht alle so schlau wie wir. Also merkt euch, rechtzeitig kommen sichert gute Plätze!

Das Essen erfüllt meine Erwartung nicht. Gott sei Dank, denn wie bei den meisten großen Marathons habe ich nicht viel erwartet. Aber hier ist es anders: Die Nudeln mit Wurststückchen schmecken nicht nur gut, ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Ich kann mich an keine große Laufveranstaltung erinnern, bei der es besser geschmeckt hat. Dazu gibt es ein Brötchen, Wurst, eine Orange und ein Getränk. Meinen ursprünglichen Plan, mich nochmals anzustellen, kann ich nicht umsetzen – ich bin so satt!

Als wir den „Speisesaal“ verlassen, schaue ich mich etwas verwundert um. Wo ist die Schlange der Hungrigen geblieben? Sie ist weg! Also merkt euch, wer später kommt, macht auch nichts falsch.

Die Reise beginnt. 42,195 Kilometer liegen von unserem Leserreporter Günter Schmidt.

Bild: Günter Schmidt

Hügelige Reise durch Spaniens Hauptstadt

Marathontag ist der Sonntag, der Start erfolgt an der „Plaza de Cibeles“, zu erreichen über die Metro-Stationen „Banco de Espana“. Das Starterfeld ist in Gruppen eingeteilt. Solltet ihr wie ich zu den langsameren Läufern gehören (Gruppe sieben), ist die Metrostation „Atocha“ eine sinnvolle Alternative für die Anreise.

Wenn ihr am Start steht und die Kleiderabgabe sucht, habt ihr einen großen Fehler gemacht. Die befindet sich etwas über einen Kilometer entfernt im Zielbereich. Ich empfehle nur in Laufkleidung am Start zu erscheinen. Sicher, früh liegen die Temperaturen noch im einstelligen Bereich. Aber es ist egal, ob ihr auf dem Weg von der Kleiderabgabe oder von der Metrostation zum Start friert. Duschen kann man im Zielbereich ohnehin nicht.

Die 10-Kilometer-Läufer starten um 8:30 Uhr aus einer Seitenstraße. Die Halbmarathon- und Marathonläufer nehmen auf dem „Paseo de Prado“ Aufstellung. Die Elite startet um 9:00 Uhr, der „Rest“ um 9:05 Uhr. Theoretisch - denn ich habe direkt am Prado Aufstellung genommen, vor einer der bedeutendsten Kunstsammlung der Welt. Da vor mir über 10.000 Läufer die Startlinie passieren müssen, ist es schon 9:25 Uhr, als für mich das Rennen beginnt.

Die ersten vier Kilometer sind wir schon am Vortag abgewandert, um eine der großen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Da ging es leicht bergauf. Heute auch, nur ich merke es nicht. Was sicher daran liegt, dass man im Läuferfeld das leichte Ansteigen der Straße gar nicht bemerkt.

Die Sehenswürdigkeit bei Kilometer vier liegt etwas hinter Bäumen und Hochhäusern versteckt. Da kann es schon passieren, dass man sie übersieht. Also: Augen auf! Es ist peinlich, später sagen zu müssen, ich habe das „Estadio Santiago Bernabeu“ übersehen. Die Heimstätte eines der besten Fußballklubs der Welt, Real Madrid!

Als Fan von RB Leipzig ist dieses Stadion für mich ein besonderer Ort. Wir werden nächstes Jahr in der Champions League hier spielen. Als ich das Andreas erzähle, ist der böse und sagt: „Nun schlage aber mal das Märchenbuch zu.“

Weiter führt uns die breite Straße zur „Plaza de Castilla“, hindurch zwischen den beiden aufeinanderzuragenden modernen Bürohochhäusern, den schiefen Türmen von Madrid.

Auf der anderen Straßenseite, durch eine etwa hundert Meter breite Grünanlage getrennt, kommt uns das Feld der schnelleren Läufer schon entgegen. Und ich glaube, ich spinne. Sehe ich dort wirklich die Fahne des Zugläufers für fünf Stunden? Der ist weit über einen Kilometer vor mir – und das kurz vor Kilometer sechs. Um nicht schon hier zu verzweifeln, beschließe ich, mich geirrt zu haben.

Die Strecke ist in dem Bereich nicht von Sehenswürdigkeiten gespickt. Aber auch nicht so, dass Langeweile aufkommt - breite Straßen, Parkanlagen, Wohngebiete. Also wie bei den meisten Stadtmarathons üblich. Zwischen Kilometer elf und zwölf laufen wir über eine Brücke, vorhin sind wir darunter durchgelaufen.

Kilometer 14, da verabschieden sich die Halbmarathonläufer. Sie laufen gerade aus, für uns heißt es rechts abbiegen. Ich habe hier die Befürchtung, nun etwas zu vereinsamen, aber es sind dann doch mehr Läufer als erwartet, die sich die 42 Kilometer zum Ziel gesetzt haben. Übrigens kreuzen wir hier ein weiteres Mal die Strecke.

Nun begeben wir uns in Richtung Zentrum. Zwischen Kilometer 18 und 19 erreichen wir die Prachtstraße „Gran via“, anschließend „Puerta de Sol“, einen der Hauptanziehungspunkte der Stadt. Auf dem Platz befindet sich das Wahrzeichen der Stadt, der Bär mit dem Erdbeerbaum. In diesem Bereich sind viele Einheimische und Touristen unterwegs, entsprechend gut die Stimmung. Wir laufen teilweise durch ein enges, mehrreihiges Spalier, für das Andreas die passenden Worte fand: „Ich fühlte mich wie die Fahrer bei der Tour de France“.

Der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten, es ist bei Kilometer 20 der Königspalast. Auch hier viele Menschen, wir werden kräftig angefeuert. Was mich etwas enttäuscht: Ich hätte auch den König erwartet! Aber was soll es, er interessiert sich vielleicht nicht für Marathon.

Danach die „Plaza de Espana“. Ich weiß, dass sich hier eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt befindet, das Denkmal für den Schriftsteller Miguel de Cervantes, das seine Romanfiguren und damit die wohl bekanntesten Spanier darstellt - Don Quichote und Sancho Panza. Und da das Denkmal auch etwas von Bäumen verdeckt ist, trotte ich daran vorbei, ohne es zu sehen.

Die Strecke ist hügliger, als man es eigentlich bei einem Stadtmarathon erwartet. Der niedrigste Punkt liegt bei 550 Höhenmetern, der höchste bei 710. Und dazwischen geht es hoch und runter. Aber was ich hier schön finde: Hat man einen Anstieg bezwungen, folgt meist sofort die Belohnung, es geht gleich wieder bergab. Ich würde es so bezeichnen: Madrid ist angenehm hügelig.

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Bild: Günter Schmidt

Madrids Marathon besticht mit einer abwechslungsreichen Strecke und guter Stimmung an der Strecke.

Entspannt den Tempomacher überholt

„Casa de Campo“ heißt die weitläufige Parkanlage unterhalb des Schlosses, die wir bei Kilometer 23 erreichen und erst bei Kilometer 30 wieder verlassen. Teilweise könnte man vergessen, dass wir einen Stadtmarathon laufen, um uns Natur pur.

Doch dann hat uns die Stadt wieder. Bei Kilometer 37 passieren wir das Museum Reina Sofia und den Atocha-Bahnhof, den Prado, die „Plaza de Cibeles“. Hier waren wir schon mal, hier sind wir gestartet. Aber hier ist nicht das Ziel, da fehlen noch knapp vier Kilometer.

Bei Kilometer 40 eine Überraschung. Wisst ihr, wen ich dort überhole? Den Fünf-Stunden-Zugläufer! Ja, den gibt es wirklich, da habe ich am Anfang doch richtig gesehen. Der Knabe ist den Lauf wohl doch etwas zu schnell angegangen und nun total fertig. Er wandert nur noch und als er sieht, dass ich ihn fotografiere, zieht er die Fünf-Stunden-Fahne ein. Richtig – was er macht, ist Irreführung von Läufern. Die fünf Stunden schafft hier keiner mehr.

Das Ziel befindet sich im Park „El Retiro“. Die letzten 700 Meter geht es durch den Park, dann ist auch mein 115. Marathon geschafft. Ich bin zufrieden mit mir. Wenn mich jemand fragt, kann ich schließlich behaupten, kurz vor dem Fünf-Stunden-Zugläufer das Ziel erreicht zu haben. Das meine Uhr 5:11 Stunden anzeigte, geht doch keinen was an.

Dass es keine Duschen gibt, habe ich schon erwähnt. Dafür kann man sich aber im Ziel massieren lassen. Kostenlos, ohne lange anzustehen. Und dass bei dieser gewaltigen Teilnehmerzahl! Es scheint, als habe man hier alle Masseure Spaniens zwangsverpflichtet.

Zu bemängeln hätte ich aber auch etwas. Es hat mich sehr überrascht, dass es nur an zwei Ständen Verpflegung gibt – Bananen. Aber es hätte mich nicht überraschen müssen, denn auf dem Streckenplan sind sie eingezeichnet, bei Kilometer 21 und 32. Getränkestellen sind ausreichend vorhanden.

Was die Stimmung an Start und auf der Strecke betrifft, da sage ich mal: „Naja, bisschen mehr Musik am Start wäre nicht schlecht gewesen.“ Unterwegs hat es mir gereicht, 42 Kilometer Elvis wäre mir zu viel gewesen. Andreas war der Meinung: „Es gab gute Bands, viel Stimmung und keine langweiligen Abschnitte.“

Ebenfalls dabei war Henry Grohmann. Der Name sagt euch vielleicht nichts, aber wer viel läuft hat ihn bestimmt schon gesehen, den Läufer mit dem edlen weißgestreiften, schwarzen Anzug und mit Hut. Er sagte nach dem Lauf: „Enttäuscht war ich von der Anzahl der Bands.“

Um Irrtümern vorzubeugen, wir sind alle drei den gleichen Marathon gelaufen. Aber wir sind uns auch einig: Madrid muss man laufen! Selbst meine Frau meint, es hat sich gelohnt. Denn ich hätte noch nie eine schönere Medaille von einem Marathon mitgebracht. Und da hat sie sogar mal Recht.

Ich empfehle den Marathon mit einem verlängerten Wochenende in Madrid zu verbinden. Hervorragende Museen wie der Prado, Reina Sofia und Königspalast erwarten euch. Und wer schlau ist, besucht diese zwei Stunden vor der Schließzeit, da ist der Eintritt frei. Obwohl ich sagen muss: Ohne etwas bezahlt zu haben vor Goyas nackter Maya zu stehen, da hat mich schon etwas das schlechte Gewissen geplagt. Aber egal, Madrid lohnt sich in jeder Hinsicht.

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