53. Bieler Lauftage

Regen und ein großes Malheur

Bei den 53. Bieler Lauftagen wurden die Halbmarathon- und Marathon-Läufer vom Start weg falsch geschickt und liefen deshalb 7 km weniger als nötig.

53. Bieler Lauftage

Der Start zu den 100 Kilometern in der Bieler Nacht.

Bild: Saskia Wohlgemuth

Als die 100-km-Läufer um 22 Uhr auf die Strecke geschickt wurden, war die Welt in Biel noch in Ordnung. Erstmals fand der Start mitten im Stadtzentrum statt, vor dem Kongresshaus, um mehr Zuschauer zu locken. Und das Experiment schien aufzugehen. Nie zuvor wohnten so viele Interessierte dem Startprozedere bei.

Doch dann sprinteten den 100-km-Läufern nach ihrer Innenstadt-Runde auf einmal die 15 Minuten später gestarteten Halbmarathon- und Marathonläufer entgegen und bogen mit diesen gemeinsam auf die weitere Strecke, anstatt die vorgesehenen zwei Innenstadtrunden zu absolvieren. Am Schluss kamen bei beiden Distanzen Fabelzeiten raus, die keinen Rappen wert waren, und viele Teilnehmer waren extrem verärgert. Aber die Veranstalter reagierten sofort, denn allen gemeldeten und am Start registrierten Teilnehmern der Kategorien Marathon, Halbmarathon und Walking wurde für die Austragung der Bieler Lauftage 2012 ein Gratisstart angeboten.

Der Form halber sei erwähnt, dass den Halbmarathon, der keiner war, Attila Karatay in 50:56 Minuten bei den Männern und Karin Lüthi in 56:45 Minuten gewannen. Im Marathon lag auf der abgekürzten Strecke bei den Herren Klas Puls in 2:13:38 Stunden vorne und bei den Frauen Caroline Dysli in 2:49:14. Freude kam bei den Siegern nur bedingt auf.

Die 100-km-Läufer waren mit den Neuerungen dagegen durchweg sehr zufrieden. Neben dem neuen Start mit Schleife durch die Bieler Innenstadt kam auch die Verlegung der Messe, der Park- und Campingbereiche, wie des Zielareals vom altehrwürdigen Eisstadion an die Ufer des Bielersees sehr gut an.

Einziger Wermutstropfen war das Wetter. Es regnete Bindfäden. Vor dem Start und bis tief in die Nacht wechselten starke Schauer und leichter Nieselregen sich ab, erst mit Aufgang der Sonne legte sich der Regen. Rechtzeitig zum Zieleinlauf der Sieger. Die 100-km-Siege waren bei Männern wie Frauen unumstritten. Walter Jenni war spätestens ab Kichberg (Kilometer 56) weg und wiederholte seine Siege von 2008 und 2009, dieses Mal allerdings mit einer Zeit von über 7:00 Stunden, genau in 7:11:54 Stunden, Zweiter wurde David Girardet in 7:23:37, Dritter Rolf Thallinger in 7:38:03.

Bei den Frauen war Daniela Sommer vom Start weg eine Klasse für sich, sie zog einsam ihre Bahn durch die Nacht und nie rückte ihr eine der Konkurrentinnen nahe. Am Schluss hatte sie in 8:10:58 Stunden 26 Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Gabriele Werthmüller, die eine energische Aufholjagd bei Kilometer 40 zum Schluss büßen musste, aber in 8:36:09 Stunden dennoch sehr deutlich vor der Dritten Deborah Balz (8:50:11 h) in Nidau am See einlief.

„Bloß nicht entmutigen lassen“ zog 100-km-Sieger Walter Jenni ein aufrichtiges Fazit in Richtung Veranstalter, „die Neuerungen sind ein Aufbruch, eine sinnvolle Weiterentwicklung und aus den Fehlern wird man lernen.“ 53 Jahre Tradition lassen sich durch ein einmaliges Malheur nicht ins Wanken bringen, meinte er noch und OK-Präsident Jakob Etter wird es gerne vernommen haben.

Text: Martin Grüning

Anmerkung der online-Redaktion: Das vielbeachtete Duell zwischen RUNNER'S WORLD-Redakteur Martin Grüning und 5.000-m-Olympiasieger Dieter Baumann über die 100 Kilometer gewann Martin Grüning. Er lief nach 8:32:51 Stunden ins Ziel. Glückwunsch Martin! Dieter Baumann folgte mit deutlichem Abstand nach 9:45:56 Stunden. Kopf hoch, Dieter - 2012 gibt es wieder einen Hunderter in Biel!