WM-Tag 4, 18. August 2009

Pressekonferenzen bei der Weltmeisterschaft

Berichte der stolzen Sieger und große Ankündigungen für die nächsten Turniere.

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Das Pressezentrum vor dem großen Ansturm.

Bild: Claus Dahms

Gestern Abend war ich auf den Pressekonferenzen nach den Finalwettkämpfen im PK-Zelt gleich gegenüber von der Medientribüne. Die Athleten kommen durch den Hintereingang, es gibt immer einen Moderator, der eine Einleitungsfrage stellt und den Rest der Fragen, maximal fünf, stellen die Journalisten aus aller Welt! Gestern waren es hauptsächlich Briten, die es immer höflichst ganz genau wissen wollen.

Lustig war die Konferenz der 400-m-Hürden-Läufer. Kerron Clement, Javier Coulson und Bershawn Jackson sahen aus, als ob drei beste Freunde gerade mal eine Pause ihres Schulausflugs im Pressekonferenzzelt machen. Meine Aufgabe war es, zwischen Moderator und aufzeigendem Journalist das Mikrofon zu überreichen.

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Bild: Anine Hell

Vorlauf der Frauen über 3.000 m-Hindernis.

Die Jungs saßen dort mehr oder weniger cool, gelangweilt in einer Pflichtveranstaltung - so schien es mir. Kerron erzählte von seinem Bootcamp, in dem sie in der Vorbereitung, abgeschottet von der Außenwelt zwei Wochen, hauptsächlich ihre Schnelligkeit trainierten.







Die Krönung waren die 3.000-m-Hindernis-Gewinner. Der Kenianer Ezekiel Kemboi hatte sich am Morgen im Hotel von einem Freund das Muster und den Namen seinens Sponsors "Nike" in den Naken rasieren lassen. Er berichtete das mächtig erfreut mit einem Dauergrinsen. Außerdem begann er die Pressekonferenz mit der Aufzählung seiner Silbermedailliengewinne (Paris, Helsinki, Osaka). Er wusste schon, dass die Franzosen stark sind, war aber wirklich stolz wie ein Kind über seinen Sieg. Die Siegerrunde im Stadion und der Freudentanz mit seinem Teamkollegen Richard Kipkemboi Meteelong kurz hinter der Zielinie war herzzerreißend! Emotionen in der Leichathletik.

Der Bronzemedaillen-Gewinner aus Frankreich Bouabdellah Tahri schien allerdings weniger emotional, weil er, immer mit den Blicken auf den Tisch, mit langem Hals zum Mikrofon gebeugt, unentschlossen ankündigte, dass auch er in seinen fortgeschrittenen Jahren, mit seinem neuen europäischen Rekord bei der nächsten EM, WM und bei Olympia wieder angreifen wird. Nun sprechen Franzosen und Afrikaner zwar englisch, aber ihre Betonung in der Aussprache hat einen anderen Rhythmus, der für uns Westeuropäer nicht so einfach zu verstehen ist. Im Endeffekt war es dann ein einziges Genuschel in die Mikrofone und die Journalisten wussten nicht mehr, was sie fragen sollten, weil keiner so wirklich verstanden hatte, was gesagt wurde, vielleicht gibt es deswegen heute zur Pressekonferenz auch nur einen Flash-Überlick. Auch bei einer WM sind alle nur normale Menschen, das stelle ich jeden Tag wieder fest, egal wie wichtig sie zu sein scheinen.

Hier finden Sie die weiteren Einträge im WM-Tagebuch von Volunteer Anine Hell:

Anine Hell berichtet von der Arbeit eines Volunteers vom 15. August 2009
Kaputte Kopierer und wahnsinnige 9,58 Sekunden über 100 Meter vom 16. August 2009
Mädchen mit Zahnspange schnellste Frau der Welt vom 17. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin

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Pressekonferenzen, Feierstimmung und neue Trends, Ein heißer Abschiedstag mit Gänsehaut und tollen Erinnerungen.