Wüstenquerung in Südamerika

Orangen in der Wüste

Steven Rau macht die Nacht zum Tag und lässt sich von den Sonnenstrahlen wärmen. Was ihm jetzt noch fehlt ist endlich anzukommen und Wasser auf der Haut.

Steven Rau findet eine Orange

Wenn Steven Rau schon das Glück hat in den Genuss einer Orange zu kommen, macht auch der Dreck nichts mehr aus.

Bild: privat

6. Tag
Endlich liege ich mal wieder und freue mich auf die Nacht. Ich habe noch gar nicht ganz Platz genommen, da merke ich schon diese innerliche Unruhe in mir. Mein Kopf will eigentlich nur eins: Endlich fertig werden. Dieser Umstand und die klirrende Kälte verkürzen meine Nachtruhe erheblich und sorgen dafür, dass es mich nach ca. 1,5 Stunden nicht mehr in meinem Schlafsack hält und ich wieder voll beladen auf den Beinen bin.

Geliebte Sonnenstrahlen

Von der wunderschönen Landschaft sehe ich leider nicht sehr viel und zu dieser Zeit trifft man auch nicht wirklich viele Leute. So drehe ich einsam meine Runden und versuche nur möglichst schnell, geradlinig und gut voranzukommen. Als endlich die Sonne ihre ersten Strahlen zeigt freue ich mich sehr, denn mein Körper ist bereits starr vor Kälte und an meinem Wasser im Rucksack ist über den Trinkschlauch kein rankommen mehr, da er eingefroren ist.

Eine Orange in der Wüste für Steven Rau

Im Licht der Sonne sehe ich auf meinem Weg einen Beutel mit Orangen oder den Resten von diesen. Jemand muss ihn verloren haben und wohl auch ein paar Autos kreuzten schon seinen Weg. Ein paar Schritte weiter denke ich an den Geschmack von Orangen im Mund und drehe noch einmal um. "Nein, die sind hinüber", denke ich. Also geht es weiter. Aber der Gedanke an den Orangengeschmack lässt mich nicht los. Ich gehe doch noch mal zurück, suche mir die beste Orange heraus und schneide etwas Dreck und Schale ab. Übrig bleibt ein leckeres und gefrorenes Stück. Ein herrlicher Geschmack. Das hat sich gelohnt.

Es sind die kleinen Dinge die Steven Rau vermisst

Ich lasse auf meinem Weg auch den ersten Salzsee hinter mir und folge teils gut erkennbaren Pfaden. Sogar ein paar Menschen kreuzen hin und wieder meinen Weg. Die Verwunderung über meine Anwesenheit ist dabei immer gleich. Niemand kann so recht verstehen, was ich dort mache und vor allem warum ich das mache. Aber mein Kopf und mein Körper sind leer und so nehme ich gar nicht mehr so viel von meiner Umgebung auf. Die Natur, die Menschen und die Anstrengung versickern in meiner Aufgabe und meinem Ziel anzukommen. Das ist in dieser Zeit mein Antrieb.

Ich denke viel daran endlich wieder Wasser auf meinem Körper zu spüren. Ich würde mir am liebsten einen ganzen Eimer davon über den Kopf kippen aber den habe ich nicht zur Verfügung. Diese Gedanken, diese Ziele und das Wissen es jetzt bald geschafft zu haben sind in dieser Zeit mein unentwegter Antrieb und bringen mich knapp 82 km vorwärts. Doch nun sehnt sich mein Körper dann doch nach etwas Schlaf in der abendlichen Dämmerung. Diese entschließe ich mich auch zu nutzen, da sie noch ein wenig Wärme vom Tage übrig hat und ich mich im restlichen Licht gut auf die Nacht vorbereiten kann.

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