Aktuelle Situation im Dopingskandal

Olympia-Aus für kenianische Leichtathleten?

Kenianer gehen trotz WADA-Deadline von Olympia-Start aus und planen angeblich hartes Anti-Doping-Gesetz.

Eliud Kipchoge

Auch Eliud Kipchoge, der zurzeit stärkste Marathonläufer der Welt, wäre von einer Sperre Kenias betroffen - obwohl er als regelmäßiger Starter bei den World Marathon Majors-Rennen neben vielen anderen Kenianern entsprechend auch im Training von den Veranstaltern getestet wird.

Bild: photorun.net

Könnte es zu einem Ausschluss der kenianischen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen kommen? Nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) festgestellt hat, dass die bisherigen Handlungen der Kenianer beim Aufbau der nationalen Anti-Doping-Agentur noch nicht ausreichen beziehungsweise noch nicht weit genug fortgeschritten sind, wird sich die WADA am 5. April erneut mit dem Problem befassen.

Sollten die Kenianer dann weiterhin nicht die Voraussetzungen des Welt-Anti-Doping-Codes erfüllen, müssten sie ebenso wie zurzeit die Ukraine, Bolivien, Andorra und Russland mit Konsequenzen rechnen, die bis zum Ausschluss von Wettkämpfen und damit auch von den Olympischen Spielen führen können. Russlands Leichtathleten sind zurzeit bereits suspendiert. Dagegen erfüllen Argentinien und Israel inzwischen die WADA-Bedingungen, so dass sie nicht mehr auf dieser Liste stehen. Unter Beobachtung stehen bei der WADA zudem Olympia-Gastgeber Brasilien sowie Belgien, Frankreich, Griechenland, Mexiko und Spanien.

Ein Ausschluss Kenias durch den internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) würde mit dem Fehlen vieler der besten Läufer der Welt bei den Spielen und bei den großen City-Marathonrennen einhergehen. Dass es tatsächlich soweit kommt, davon geht man beim kenianischen Leichtathletik-Verband nicht aus. Jackson Tuwei, der Interimspräsident von Athletics Kenya (die bisherige Verbandsführung ist wegen Korruptionsverdachtes suspendiert), wird in dem Newsletter ,Athletics International’ mit den Worten zitiert: „Athletics Kenya arbeitet eng mit der nationalen kenianischen Anti-Doping-Agentur zusammen … um mit den Regeln (der WADA) konform zu gehen. Die Agentur arbeitet an einem Vorschlag, der im Parlament zum Gesetz gemacht werden soll. Ich bin zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden.“ Kenias Sportminister Hassan Wario habe erklärt, dass die nationale Anti-Doping-Agentur rund drei Millionen US-Dollar erhalten wird, um die Vorgaben der WADA zu erfüllen. Angeblich soll Kenias Parlament ein Gesetzesentwurf für ein knallhartes Anti-Doping-Gesetz vorgelegt werden. Nachweislich gedopten Athleten drohen demnach mindestens drei Jahre Gefängnis. Auch Ärzte sollen gegebenenfalls belangt werden.

Den internationalen Anti-Doping-Kampf haben sich in Kenia inzwischen Betrüger zunutze gemacht. Wie ,Athletics International’ berichtet, wurden in Eldoret drei Männer festgenommen, die behaupteten, Mitarbeiter der WADA zu sein. Sie versuchten, von einem Athleten 5.000 US-Dollar zu erpressen, um dann einen angeblich positiven Dopingtest zu vertuschen.

Chinas Wunderläuferinnen offenbar gedopt

Chinas Wunderläuferinnen, die 1993 mit unglaublichen Leistungen und Zeiten über die Langstrecken Staunen und Misstrauen hervorriefen, waren offenbar gedopt. Wie jetzt erst bekannt wurde, hatte eine Gruppe jener Athletinnen, die damals von Trainer Ma Junren betreut wurden, bereits 1995 einen Brief an einen chinesischen Journalisten geschrieben. Darin gaben die Athletinnen zu, dass ihr Coach ihnen unter anderem Dopingmittel verabreicht habe. Warum der Brief nicht eher an die Öffentlichkeit kam, ist nicht bekannt. Unterschrieben hat ihn neben neun weiteren Läuferinnen auch Wang Junxia, die nach wie vor die Weltrekorde über 3.000 m (8:06,11 Minuten) und 10.000 m (29:31,78) hält. Beide Bestzeiten lief sie 1993. In jenem Jahr wurde sie zudem 10.000-m-Weltmeisterin. Die IAAF ermittelt in dieser Sache und muss zunächst prüfen, ob der Brief authentisch ist. Der Verband hat dafür den chinesischen Leichtathletik-Verband um Unterstützung gebeten. Sollte sich das Schreiben als echt erweisen, würden die Unterzeichnerinnen nachträglich disqualifiziert. Neue 3.000-m-Weltrekordlerin wäre dann die Kenianerin Hellen Obiri mit 8:20,68 Minuten, wobei der Hallen-Weltrekord von Genzebe Dibaba (Äthiopien) dann mit 8:16,60 sogar schneller wäre. Als 10.000-m-Weltrekordlerin müsste dann die Äthiopierin Meselech Melkamu (29:53,80) geführt werden.

Italienische Topathleten entlastet

Ende des vergangenen Jahres hatte die nationale Anti-Doping-Agentur Italiens für Aufsehen gesorgt, nachdem sie eine Liste mit 26 Athleten veröffentlicht hatte, die angeblich aufgrund von verpassten Dopingtests für zwei Jahre gesperrt werden sollen. Darunter fanden sich auch einige bekannte Langstreckenläufer - unter ihnen der Crosslauf-Europameister von 2012, Andrea Lalli, der aktuelle Marathon-Europameister Daniele Meucci und der Marathon-WM-Vierte von 2015, Ruggero Pertile. Entlastet wurden die Athleten jedoch vom italienischen Leichtathletik-Verband. Demnach funktionierte das Meldesystem der italienischen Anti-Doping-Agentur im betreffenden Zeitraum nicht korrekt. In dieses System müssen Athleten ihre Aufenthaltsorte ständig eintragen, um für Dopingkontrollen erreichbar zu sein.

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