Media Run

Nur acht Sekunden hinter dem Weltrekordler

Vom Museum Run bis Media Run - bei der LA-WM passiert vieles abseits der offiziellen Titelkämpfe.

LA-WM in Berlin

Museum Run in Berlin.

Bild: Claus Dahms

Eintrag vier des WM-Tagebuchs von RUNNER'S WORLD-Redakteur Claus Dahms

Olympiastadion, Montag, 17.00 Uhr:
Leichtathletik-Weltmeisterschaften finden nicht nur auf der Tartanbahn im Stadion statt. Bei den Marathonrennen und dem Gehen ist das offensichtlich, aber es gibt noch viel, viel mehr Veranstaltungen im Umfeld. Sportartikelfirmen beispielsweise siedeln Events, PR-Aktionen und Veranstaltungen für Freunde und Mitarbeiter hier an. Der Museumslauf am ersten Tag der WM ist dafür ein Beispiel.

Adidas, Intersport und Asics luden 20 Gewinner eines großen Gewinnspiels ein, die ein paar Minuten im Deutschen Historischen Museum liefen. Ein inszeniertes Medienspektakel. Fotos und Infos dazu gibt es hier. „Running trifft Kultur und Architektur“ lautete das Motto. Zutreffender wäre allerdings gewesen: Laufen trifft moderne Architektur. Denn die Läufer trabten ausschließlich durch einen kleinen Teil des neuen, futuristisch anmutenden Gebäudes. Dieser moderne Anbau stammt vom weltbekannten chinesischen Architekten I.M. Pei, der durch die Louvre-Glaspyramide weltbekannten wurde. Der alte Teil des Deutschen Historischen Museums blieb genauso läuferfrei wie alle Ausstellungen. So spektakulär, wie angekündigt, war die Aktion also längst nicht.

Nicht jeder präsentiert seine WM-Aktionen für die Medien. Bei Mizuno wurden Produktneuheiten ausschließlich Freunden und Partnern präsentiert. „Wir haben die Presse bewusst nicht eingeladen, denn die neuen Produktentwicklungen sind noch geheim“, erzählte mir Jochen Jöhring, auf dessen Mizuno-Visitenkarte steht: Sales Representative Sports.

Zum Drumherum einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft gehört auch das Media-Race. Hier dürfen wir Journalisten auf der „geheiligten“ Kunststoffbahn des Olympiastadions zwei Runden, sprich 800 Meter, laufen. Mit allem, was dazugehört, also mit Original WM-Startnummer, Startschuss, Wettkampffeeling – nur die Zuschauer fehlten. Denn es wurde um 13.30 Uhr gestartet, fast fünf Stunden vor dem nächsten offiziellen Startschuss, den Vorläufen über 400-m-Hürden der Frauen.

800-m-Weltrekordler Wilson Kipketer und RUNNER'S WORLD-Redakteur Claus Dahms.

Bild: Privat

Über 100 der 3.500 akkreditierten Kollegen wollten sich das besondere Olympiastadion-Feeling nicht entgehen lassen. So waren acht Zeitläufe nötig. Ich habe meinen letzten 800er vor 33 Jahren gelaufen, aber auf ein Jahr mehr oder weniger will ich mich da nicht festlegen lassen. Schwierig wird dann schon die eigene Leistungseinschätzung zur gerechten Aufteilung auf die Zeitläufe. Ich entschied mich für 2:30 Minuten, Vorlauf sechs von acht. Im achten Vorlauf stand sie dann, die Superzeit: 1:41,11!

1:41,11 – exakt bei dieser Zeit liegt der Weltrekord über 800 m seit 1997. Erbracht wurde diese Superleistung damals Wilson Kipketer. Dreimal in Folge war er zudem Weltmeister, von 1995 bis 1999. Wilson Kipketer war also gemeldet.

Nachdem der sechste Vorlauf, mein Vorlauf, gestartet wurde, musste ich schon bald erkennen, dass die guten, alten (Lauf-)Zeiten eben lange vorbei sind und dass die Laktat-Toleranz des Körpers schlicht und einfach trainiert werden muss. Am Ende reicht es für 2:29,98 Minuten. So richtig zufrieden macht mich das nicht, zeigt aber zumindest, dass meine Selbsteinschätzung stimmte.

Und so viel besser lief der aus Kenia stammende, aber schon zu seinen besten Zeiten für Dänemark startende Kipketer auch nicht. 2:21:11 erreichte er in Vorlauf acht, lächerliche achtkommasoundso Sekunden schneller als ich!

Bevor ich diese Tagebuch-Seite schließe, muss ich allerdings zugeben, dass er zunächst höchstpersönlich den Startschuss für den eigenen Lauf abfeuerte, dann die Pistole abgab und hinterherlief. Dann hielt er sich in der letzten Gruppe des Rennens und sah nicht so aus, als ob sein Dauerlauf-Tempo sonst wesentlich langsamer wäre.

Hier finden Sie die weiteren Einträge im WM-Tagebuch von Runner's-World-Redakteur Claus Dahms:

Mein Berlin-Tagebuch vom 15. August 2009
Spaß statt Erfolg vom 15. August 2009
Weltmeisterin fiel hin - aber nicht durch vom 16. August 2009
Die Stunde der fairen Siegerinnen vom 18. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin