Im Olympiajahr

Nils Schumann auf einem aufsteigenden Ast

Acht Jahre nach seinem 800-m-Triumph von Sydney will Nils Schumann noch einmal bei Olympia starten.

Nils Schumann

Nils Schumann bei seinem Olympiasieg in Sydney.

Peking ist das erklärte Ziel des 29-Jährigen, der bei den Deutschen Hallenmeisterschaften am Sonntag in Sindelfingen Zweiter im 800-m-Finale war. Ein Youngster und der Routinier Schumann sorgten dabei für Abwechslung im Endlauf: Es war zwar sicherlich kein grandioses und erst recht kein hochklassiges Finale, jedoch ein recht spannendes. Dabei setzte sich der 19-jährige Robin Schembera (Bayer Leverkusen) in 1:49,20 Minuten vor dem jetzt für den Erfurter LAC startenden Schumann (1:49,73) durch.

Im Rennen noch Konkurrenten waren sich die beiden kurz danach einig. „Das sah doch mal wieder nach was aus. So müssen 800-Meter-Rennen sein: spannend und mit Führungswechseln“, erklärte Schumann. Und Schembera ergänzte: „Deutsche Rennen sind meist eintönig. Meist ist es so, dass alle nur darauf warten, wer in der Endphase als erster reagiert.“ Deswegen will der Deutsche Meister von Bayer Leverkusen im Hinblick auf die Olympischen Spiele eigentlich auch verstärkt in internationalen Rennen an den Start gehen. „Aber mit Nils kommt jetzt einer, der auch mal nach vorne geht und Körpereinsatz zeigt.

Vielleicht bekommen wir in der Sommersaison dann auch in Deutschland mit den anderen Läufern ein paar gute 800-Meter-Rennen hin“, sagte Robin Schembera, den es nicht stört, dass er die WM-Norm für Valencia von 1:47,20 Minuten in dieser Saison verpasst hat. „Ich wäre sowieso nicht bei der Hallen-WM an den Start gegangen. Ich mache jetzt etwa eineinhalb Wochen Pause und dann beginnt die Vorbereitung auf die Olympiasaison.“

In Valencia gerne an den Start gegangen wäre dagegen Nils Schumann. Auch wenn er mit einer Saisonbestzeit von 1:48,92 Minuten und dem zweiten Platz in Sindelfingen weit weg von der Norm war, hat Schumann wieder Perspektiven. Das war an seinem Stil sowohl in Leipzig als auch in Sindelfingen zu erkennen. Der Olympiasieger kann langsam wieder aggressiver rennen. „In Leipzig habe ich die Norm vielleicht sogar drauf gehabt, aber da hatte ich nicht genug Selbstvertrauen und habe zu spät angegriffen – ich bin eben noch nicht der alte“, sagte Schumann, der im vergangenen Oktober aus Offenbach zurück nach Erfurt zog und nun auch wieder von Dieter Hermann betreut wird, der ihn einst zum Olympiasieger machte.

„Mein Trainer ist mit 67 jetzt in einer Art Vorruhestand. Wir haben uns nun wieder zusammengefunden und es macht wieder beiden Spaß. Natürlich hatten wir in der Vergangenheit viele Hochs und Tiefs“, erzählte Nils Schumann. „Aber sowohl er als auch ich glauben daran, dass ich es noch einmal packen kann. Nach vier Monaten Training läuft es jetzt schon recht gut, aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

Auch der deutsche Jahresbeste über 800 m, Sebastian Keiner (1:47,49), startet für den Erfurter LAC. „Wir helfen uns zwar gegenseitig, aber wir trainieren nicht viel zusammen“, sagte Nils Schumann, der angesichts einer bevorstehenden Vaterschaft im Frühjahr nicht in ein Auslandstrainingslager zur Saisonvorbereitung reisen wird.

Stattdessen will er in Zinnowitz und Kienbaum die Grundlage legen, um sich für Olympia zu qualifizieren. Hierfür steht die Norm bei 1:45,50 Minuten. „Robin ist heute gut gelaufen und hat es auch verdient, gewonnen zu haben. Er ist ein Instinktläufer, der aber jetzt den entscheidenden Schritt machen muss zu Zeiten von 1:45 und 1:44. Ich bin in derselben Position. Auch ich muss mir das neu erarbeiten. Ich traue mir das zu, denn ich weiß, wie das geht. Aber ich denke, dass auch Robin das schaffen kann – das sind ja keine Wunderzeiten.“

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net

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