Leser-Reporter Tom Klossek

Nach New York zum Houston-Marathon

Elf Wochen nach dem New-York-Marathon lief Leser-Reporter Tom Klossek gleich den nächsten Marathon in den USA. Beim Houston-Marathon erlebte er ein spätes Runner's High.

Leser-Reporter Tom Klossek beim Houston-Marathon 2014

Leser-Reporter Tom Klossek lief beim Houston-Marathon 2014 in Texas mit.

Bild: privat

Marathon laufen? Muss man nicht, kann man aber. Eigentlich klingt es bescheuert, 42,195 km am Stück zu laufen, obwohl es S-Bahnen, Busse und Taxis gibt. Man kann aber auch zwei Marathons laufen, und das innerhalb von elf Wochen, klingt zwar noch bescheuerter, und zwar ausgesprochen bescheuert, aber das Suchtpotential ist eben sehr groß.

Und unverhofft kommt oft – so bekam ich dank eines Skechers-Gewinnspiels die Gelegenheit, direkt nach dem Abenteuer New-York-Marathon noch ein weiteres zu erleben, und zwar in Texas. Ich hatte zwar noch nie von einem Marathon dort gehört, es gibt ihn aber schon seit 1972, den Chevron Houston Marathon. Also lassen wir die geplante Regeneration nach dem New-York-Marathon einfach bleiben und steigen direkt wieder ins Training ein, was zwar wiederum bescheuert ist und bescheuerter es gar nicht mehr geht, aber … lassen wir das.

Der Haken: das elende Wintertraining. Die elenden, bescheuerten langen Läufe. Bescheuerter Wind, bescheuerter Regen, Glätte, Kälte, Nässe, alles auch bescheuert, alles schwerer, alles nervig. Bescheuert eben, doch das Ziel ist das Ziel. Eine Zeit von 3:50 Stunden hatte ich mir vorgenommen, sollte auch möglich sein. Vielleicht sogar knapp darunter.

Start war um 7 Uhr. 30 Minuten vorher stand ich in dem mir zugeteilten Corral A, der um 6.40 Uhr geschlossen wurde, also noch genügend Zeit um eines der zahlreichen Plastiktoilettenhäuschen aufzusuchen. Oh, wie ich diesen letzten Toilettengang liebe. Es war ja noch dunkel, dennoch traute sich kaum einer wild zu pinkeln, führte es doch zur Disqualifikation. Die Spannung stieg, die Läuferschar tippelte aufgeregt auf der Stelle, rückte die Kompressionssocken zurecht, ein letzter Blick auf die Startnummer, alles gerade? Schnürsenkel doppelt gebunden? GPS-Empfang vorhanden? Nochmals Facebook-Status geprüft?

Die Luft war kalt, um diese Zeit noch um die 4 Grad. Die Spannung stieg.
Als dann „The National Anthem“ zum Besten gegeben wurde stand alles still, rechte Hand aufs Herz. Durfte ich das überhaupt auch? Als Nichtamerikaner? Und evangelisch? Dieser Nationalstolz, einfach beeindruckend. Als die Hymne lief, natürlich live gesungen, durchfuhr es mich durch Mark und Bein, atemberaubend, ergreifend, schon wieder stand ich mit Tränen in der Menge. Ein Wahnsinnsgefühl.

Der Startschuss ertönte und die Masse kam in Bewegung. Corral B, C und D wurden direkt jeweils im Anschluss geöffnet.

Der zunächst relativ flache Kurs startet vor dem Minute Maid Park in unmittelbarer Nähe des George R. Brown Convention Centers und verläuft noch zusammen mit den Halbmarathonis bis etwa Meile 8, dann wurde das Feld dünner. Aber dünner wurde auch die Luft nach oben, denn die geplante Zielzeit schien unerreichbar zu werden. Bei Kilometer 15 lag alles noch im Rahmen, knapp 1:20 Std. aber ab dann konnte ich das Tempo vor Müdigkeit nicht mehr zu halten. Wars doch zuviel? Jetlag? Die Temperaturen betrugen nun auch um 20 Grad. Egal, aussteigen geht nicht! Ich bin doch nicht bescheuert.

Geschafft: Tom Klossek überglücklich mit der Finisher-Medaille beim Houston-Marathon 2014.

Bild: privat

Glücklicherweise war man nicht allein auf der Piste. Mitstreiter klopften einem auf die Schulter und zogen einen mit: „come on …“, aber auch die zahlreichen Zuschauer entlang der Strecke pushten wie es nur ging. „Beer is waiting after the finish line“, “Keep Running, you look good” oder „Go, Tom Go!” und abklatschen war ein Muss. Auf Schildern war zu lesen: “Making this sign was hard too“, “You`re Kicking ASSphalt” oder „Worst parade ever“. Da musste man wenigstens noch ab und zu schmunzeln.

Aber unter vier Stunden war das Finish nun nicht mehr zu erreichen, das stand fest, aber ich sollte es erreichen und als bei Kilometer 35 endlich wieder Houstons Skyline zu sehen war, war Licht am Ende des Tunnels. Diese letzten Kilometer vergingen dann wie im Flug, ich konnte sogar ein paar Überholmanöver vornehmen. Kam jetzt erst das Runner's High? Recht spät, würde ich sagen, wie bescheuert ist das denn? Auf der letzten Meile stießen wir dann wieder auf die Halbmarathonis, von denen tatsächlich noch einige auf der Strecke waren. Ich dachte hier auf meine Frau zu treffen, die erstmals überhaupt an einem Wettkampf teilnahm und das gleich auf die Halbmarathondistanz. Sie stand aber überraschenderweise schon längst unter der Dusche.

Ich eilte auf die Zielgerade und gab nochmal alles. 4:14:35 netto stand auf meiner Uhr, als ich durch das Zieltor durchlief und voller Stolz die Finishermedaille um den Hals bekam. Wieder dieses tolle Gefühl, etwas Wahnsinniges, Bescheuertes geschafft zu haben. So hart es auch war, so schön war es und man freut sich doch gleich wieder auf die nächste, bescheuerte Herausforderung.

Geplant war er nicht, der Houston Marathon, geplant war nicht mal überhaupt ein Marathon im Januar, die Eindrücke aber waren enorm, und er bekommt einen Ehrenplatz.

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