10.000-m-DM

Musa Roba-Kinkal und Sabrina Mockenhaupt siegen souverän

Bei den Deutschen 10.000-m-Meisterschaften setzten sich mit Musa Roba-Kinkal und Sabrina Mockenhaupt die Favoriten durch.

Erwartungsgemäß setzten sich bei den Deutschen 10.000-m-Meisterschaften im Essener Sportpark „Am Hallo“ mit Musa Roba-Kinkal (SC Gelnhausen) und Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) die Favoriten durch. Während die kleine Siegerländerin nach Ansage die letzten 2000 Meter furios der kleinen Spitzengruppe enteilte und mit 33:34,99 Minuten klar vor der 20-jährigen Juniorenmeisterin Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) und der 10.000-m-Debütantin Veronika Pohl (TSV Bayer Leverkusen) ihren insgesamt 30. (!) nationalen Titel gewann, musste der Gelnhausener Junior nach dem vorzeitigen Ausstieg von Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München) unmittelbar nach der 5.000-m-Marke die verbleibenden zwölf Runden alleine laufen. Überzeugend gewann er in 29:22,02 Minuten.

„Es ist doof, immer im Alleingang solche Rennen zu bestreiten. Deshalb haben wir uns ausgedacht, nur die letzten 2.000 Meter schnell zu laufen. Ich hatte außerdem eine harte Woche mit 160 Trainingskilometern in den Beinen. Es war ganz schön anstrengend“, erläuterte Sabrina Mockenhaupt im Ziel die mit ihrem Trainer Thomas Eickmann (Siegburg) abgestimmte Renntaktik. „Außerdem war es noch ganz schön warm.“ Zur Startzeit um 19.15 Uhr „stand“ im schmucken Stadion im Essener Stadtteil Stoppenberg noch die Hitze, so dass sich keine der vermeintlich stärkeren Läuferinnen zunächst für das Tempo verantwortlich fühlte. Aus der Fünfergruppe mit Sabrina Mockenhaupt, Corinna Harrer, Veronica Pohl, Anna Hahner (Run2Sky.com) und Simret Restle (PSV GW Kassel) fiel nach 6.000 m die aus Eritrea stammende Vizemeisterin des Vorjahres wegen Fußproblemen heraus. Wie die Feuerwehr zerstörte dann nach 8.000 m Sabrina Mockenhaupt die einträchtige Lauf-Idylle und ließ mit mit 6:14 Minuten für die beiden Schlusskilometer der Konkurrenz keine Chance.

Den packenden Kampf um Rang zwei sicherte sich das deutsche Allroundtalent Corinna Harrer – ihre Leistungspalette reicht von 800 m bis 10.000 m sowie Cross – mit einem Sprung auf 33:57,54 Minuten knapp vor Veronika Pohl, die mit 33:59,02 dahinter lag. Die mutig mitlaufende Anna Hahner musste wegen Kreislaufproblemen auf der Schlussrunde merklich zurückstecken und kam als Neunte ins Ziel.

Während sich bei den Frauen Sabrina Mockenhaupt (Frauen) und Corinna Harrer (Juniorinnen) die Titel noch teilten, sammelte Musa Roba-Kinkal gleich beide Meisterschaften ein. Der 22-Jährige gilt laut dem Leitenden Bundestrainer Laufen, Tono Kirschbaum (Wattenscheid), als das größte deutsche Talent und wurde dieser Auszeichnung auch auf der 25-Runden-Distanz in Essen gerecht. Für den Schützling von Alexander Mikitenko sind dies nach den Juniorentiteln im Cross und im Halbmarathon nun die Meisterschaften Nummer drei und vier. Seit einigen Wochen mit der Wien-Marathon-Siegerin Fate Tola (Äthiopien) verheiratet, spulte der vor sechs Jahren aus Äthiopien nach Deutschland gekommene Musa Roba-Kinkal die zweite Hälfte herunter und zeigte sich mit der Endzeit von 29:22,02 recht zufrieden.

„Ich habe mich zunächst nicht gut gefühlt, weil ich einfach wenig Luft bekommen habe“, erzählte Roba-Kinkal später. In 14:40 Minuten wurde die 5000-m-Marke von Roba-Kinkal, Sebastian Hallmann, dem Weltklasse-Triathleten Steffen Justus (LG Stadtwerke München) und dem überraschend mutig mithaltenden Julian Flügel (LG Telis Finanz Regensburg) passiert. Der als Mitfavorit gehandelte Zelalem Martel (LG Neckar Enz) war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Rennen. „Wer viel arbeitet, der hat den Titel auch verdient“, sagte sich Musa Roba-Kinkal und setzte sich Meter um Meter alleine an der Spitze ab. „Eine schnelle Zeit hoffe ich in Oslo laufen zu können“, sagte der Sieger mit Blick auf das Europacup-Rennen Anfang Juni. Den Saisonhöhepunkt plant der selbstbewusste junge Mann aus Osthessen bei den Europameisterschaften der unter 23-Jährigen: „Ich will den Titel“, sagt er.

Überraschend holte sich der Regensburger Julian Flügel mit einer mutigen Vorstellung die Vizemeisterschaft in 29:36,37 Minuten und steigerte sich dabei um 45 Sekunden. „Der Junge ist richtig offensiv gelaufen“, freute sich Marathon-Bundestrainer Ronald Weigel über den forschen Auftritt des Schützlings von Trainer Jürgen Stephan (Kassel). „Das wird einer für meinen Marathon-Perspektivkader.“ Steffen Justus wurde letztlich im ausgedünnten 10.000-m-Feld Dritter in 29:50,28 vor dem jungen Robert Krebs (SCC Berlin), der um einen Hauch von 14 Zehntelsekunden die 30-Minuten-Marke verpasste.

Text: Wilfried Raatz/race-news-service.com
Foto: photorun.net