Mockenhaupt und Hohl Deutsche Crossmeister

Sabrina Mockenhaupt (Köln-Marathon e.V.) und Stephan Hohl (TV Huchenfeld) wurden Deutsche Crossmeister in Ohrdruf.

Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Sabrina Mockenhaupt (Köln-Marathon e.V.) und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) bei den Deutschen Crossmeisterschaften im thüringischen Ohrdruf war praktisch schon nach einigen hundert Metern entschieden. Während die Siegländerin mit furiosem Tempo das Frauenfeld rasch auseinander zog, hatte ihre Dauerrivalin Irina Mikitenko mit einem Stein in der Spikesohle ihre liebe Mühe und gab nach knapp 1.500 m das Rennen mit einem deutlichen Rückstand auf Mocki auf Rang zwei liegend auf.

So war der Weg frei für Sabrina Mockenhaupt, die mit 26 Sekunden Vorsprung ihren vierten Crosstitel gewinnen konnte. Nach zunächst wechselnder Führung gewann letztlich ähnlich überlegen auf der 9,8 km-Langstrecke der Männer der lange wegen Verletzung aussetzende eigentliche Hindernisläufer Stephan Hohl (TV Huchenfeld) vor dem mit erfolgreichem Comeback wieder erstarkten Thomas Greger (TV Hatzenbühl). Titelverteidiger Sebastian Hallmann war vorzeitig ausgestiegen.

„Ich glaube, in Birmingham habe ich bei den Hallen-Europameisterschaften eines meiner besten Rennen überhaupt bestritten. Mit diesem Schwung bin ich heute auch losgelaufen. Und habe mich gewundert, dass keine so richtig mitgelaufen ist“, kommentierte Sabrina Mockenhaupt ihren souveränen Solo-Auftritt im Crossgeläuf am Goldberg.

Dass der Weg zum Gold allerdings so einfach werden würde, lag sicherlich an der individuellen Klasse von Mockenhaupt, aber auch am Missgeschick von Mikitenko. Wie dünn allerdings die Leistungsspitze hierzulande ist, das offenbarte das Frauenrennen schonungslos. Nach den Absagen von Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch (Fußprobleme) und der Cross-Titelverteidigerin Susanne Hahn (Erkältung) gaben sich zwar in der Verfolgung vor allem die aus Eritrea stammende Simret Restle, die letztjährige Jugendmeisterin Julia Hiller und Hindernismeisterin Verena Dreier alle Mühe, doch der Rückstand auf Mockenhaupt wuchs von Runde zu Runde. „Jetzt freue ich mich auf die 10.000-Meter-Challenge in Ferrara“, blickte Sabrina Mockenhaupt schon voraus auf den 7. April, wo sie die Qualifikation für die WM in Osaka laufen möchte.

Ohne greifbares Resultat steht hingegen Irina Mikitenko da. „Mein letztes Crossrennen war 2000. Die Spikes waren einfach nicht mehr zu benutzen, deshalb habe ich ohne großes Nachdenken auf meine Bahnspikes zurückgegriffen“, erklärte die sichtlich enttäuschte Wattenscheiderin nach ihrem Ausstieg. „Ich habe eine Runde lang versucht, den Stein aus der Sohle zu entfernen. Aber von Meter zu Meter hat mir der Fuß stärker geschmerzt. Natürlich wollte ich da nichts mehr riskieren! Ich habe einfach andere Prioritäten.“ Während Sabrina Mockenhaupt zunächst zurück zur Bahn kehren wird, hat sich Irina Mikitenko verstärkt der Straße zugewandt, so soll bereits beim Vattenfall Berliner Halbmarathon die 70-Minuten-Marke fallen.

Hinter der leichtfüßig und ungefährdet auf Rang zwei einlaufenden Simret Restle (Eintracht Frankfurt), die sich vier Wochen lang im kenianischen Trainingskamp von Lornah Kiplagat auf die Saison vorbereitet hatte, gelang Julia Hiller (Quelle Fürth) ein Einstieg nach Maß in die Frauenklasse. Als Dritte des Gesamteinlaufes holte sich die Fünfte der Junioren-Cross-Europameisterschaften von 2006 zugleich den Juniorentitel und war nicht unbedingt zufrieden mit ihrem Abschneiden. „Wenn man direkt aus dem Trainingslager kommt und 14 Trainingseinheiten in den Beinen hat, da läuft es einfach nicht so gut. Außerdem hatte ich bergab so meine Probleme“, rückte die ehrgeizige Fürtherin die Relationen zurecht.

Im Langstreckenrennen der Männer überschlugen sich die Ereignisse – und einzig der konsequent sein Tempo durchziehender Stephan Hohl aus dem Pforzheimer Stadtteil Huchenfeld wurde zum strahlenden Sieger. Zunächst ging Titelverteidiger Sebastian Hallmann mit Atemproblemen schon vor Streckenhälfte aus dem Rennen, dann fehlten plötzlich Raphael Schäfer ebenso wie Oliver Mintzlaff. Der furios in die Laufszene zurückgekehrte Thomas Greger hatte nach schwachem Start seine liebe Mühe, zur kompakt laufenden Spitzengruppe aufzuschließen, um dann allerdings zum einzig verbliebenen Konkurrenten für Stephan Hohl zu werden, ohne allerdings ernsthaft in die Titelvergabe eingreifen zu können. „Ehrlich, mir war es einfach zu kalt“, kommentierte der 35-jährige Ludwigshafener im Ziel. Letztlich war er auch der einzige im Feld der Langstreckler, der mit langen Laufhosen an die Startlinie gegangen war. „Hinzu kam allerdings, dass meine Beine völlig zu waren. Ich war vor einer Woche noch beim Matheisenlauf in Schriesheim am Start und habe mich einfach noch nicht richtig erholt. Sonst wäre dies heute anders ausgegangen.“

Und der 27-jährige Pforzheimer Sieger Stephan Hohl erzählte den wenigen Journalisten eine lange Krankengeschichte, die nun mit einem vorläufigen Happyend in Ohrdruf endete. Der deutsche Hindernis-Jugendmeister von 1999 schrammte drei Jahre später mit der seltenen Nervenkrankheit GBS (Guillan-Barre-Syndrom) knapp am Rollstuhl vorbei, kam 2004 mit einer 8:27er Zeit über 3000-m-Hindernis wieder, ehe er mit zahlreichen Bänderverletzungen zwei weitere Jahre ohne geregeltes Training war. „Das ist das Ergebnis, wenn man einen Winter durchtrainieren kann“, kommentierte Stephan Hohl seinen ersten Meistertitel in der Männerklasse. „Mit 27 bin ich eigentlich jetzt im besten Alter“. Hohl würde gerne einmal bei einer Cross-WM an den Start gehen. „Es ist einfach wichtig, Erfahrungen zu sammeln. Natürlich darf der Druck von außen nicht so groß sein“. Und er meint dabei unmissverständlich den Fachverband, der im Prinzip nur unter Medaillenaspekten nominiert. „Es hat vielleicht leichter ausgesehen als es tatsächlich wahr. Die Strecke hat wirklich keine Phase, in der man sich ausruhen kann.“ Nun ist der BWL-Student der Hochschule Pforzheim Deutscher Crossmeister – und er hat „Appetit auf mehr“!

Zuvor hatte schon Wolfram Müller (Asics Pirna) überzeugt. Der hoch talentierte, inzwischen 26 Jahre alte frühere Junioren-Europameister, ist inzwischen nach einer Zwischenphase in Tübingen wieder in seiner sächsischen Heimat Pirna und damit auch bei seinem früheren Trainer angekommen. Mit sichtbarem Erfolg „Ich habe einiges in meinem Umfeld geändert. „Ich habe jetzt mit den beiden Meistertiteln in der Halle und im Cross zwei kleine Schritte gemacht. Weitere werden folgen“, ist sich Wolfram Müller sicher, der sich über 3,8 km in 11:20 Minuten im Spurt gegen die beiden Berliner Jonas Stifel (11:23) und Carsten Schlangen (11:29/beide LG Nord) durchsetzte. „Klar habe ich WM-Ambitionen. Ob 1.500 oder 5000 Meter, das werde ich noch sehen“, sagte Müller.