Cross-DM

Mockenhaupt feiert Jubiläum, Schlangen siegt bei Cross-Meisterschaften

Schneefall und Kälte machten die Cross-Titelkämpfe in Stockach zu einer besonderen Herausforderung.

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Carsten Schlangen gewinnt die Mittelstrecke bei den Cross-Meisterschaften vor Wolfram Müller.

Die 64. Deutschen Crossmeisterschaften waren so ganz nach dem Geschmack der Laufszene, denn packende Duelle um die Medaillen prägten nahezu alle Wettbewerbe auf dem überaus selektiven, komplett einsehbaren Rundkurs am Wiesengelände Osterholz an der Aach. Nur schade, dass trotz des stadtnahen Parcours nur wenige Zuschauer gekommen waren. Dichtes Schneetreiben und starke Windböen wechselten dabei in bunter Folge mit partiellem Sonnenschein bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Wetter forderte die rund 1000 Athleten. Während Sabrina Mockenhaupt in souveräner Manier ihren siebten Crosstitel und den 25. Erfolg bei Deutschen Meisterschaften feiern konnte, gab es auch eine große Überraschung durch den Sieg des 23-jährigen Wattenscheiders Christian Glatting vor dem früheren Triathlon-Junioren-Europameister Steffen Justus und Titelverteidiger Arne Gabius.

Eine Woche nach dem 3000 m-Hallentitel machte Sabrina Mockenhaupt die Titelsammlung „rund“, denn die siebente Crossmeisterschaft bedeutet zudem für die 1,55 m große Läuferin des Kölner Vereins für Marathon den 25. deutschen Meistertitel. Nach 21:59 Minuten war die One-Woman-Show der Sabrina Mockenhaupt vorbei. Unspektakulär, aber überzeugend. Fast eine Minute dahinter spitzte sich allerdings der Kampf um die weiteren Medaillen auf der 6,8 km langen Cross-Strecke dramatisch zu und endete mit einem Happyend für ein Jungtalent aus Osthessen: Die 20-jährige Anna Hahner krönte ihren couragierten Auftritt nicht nur mit dem Sieg in der Juniorinnenklasse, sondern setzte schon einmal ein Ausrufezeichen, wohin es mit dem Talent im Trikot des PSV Grün-Weiß Kassel gehen könnte. „Es freut mich, dass heute vor allem junge Läuferinnen hinter mir eingelaufen sind. Das gibt doch Hoffnung, dass vielleicht hinter uns Etablierten einmal wieder etwas nachkommt“, sagte Siegerin "Mocki".

Ungewohnt war dabei ihr eher verhaltener Start angesichts der nicht gerade mächtigen Konkurrenz. „Ich hatte keine Lust, von Beginn an völlig alleine vorweg zu laufen“, erklärte Sabrina Mockenhaupt im Ziel, „die Mädels sind allerdings auch sehr flott angelaufen. Ich bin in der Vorbereitung auf den Berliner Halbmarathon in dieser Woche 160 km gelaufen und bin natürlich nicht erholt. Und am Donnerstag steht bereits der nächste Wettkampf an.“ Im belgischen Seebad Ostende erwartet die Bundeswehr-Angehörige allerdings ein härteres Kaliber, denn bei den Militär-Cross-Weltmeisterschaften fordern leistungsstärkere Läuferinnen die Deutsche, die zudem als Titelverteidigerin ins Rennen gehen wird.

Eine faustdicke Überraschung sollte das Langstreckenrennen der Männer zum Abschluss der Titelkämpfe bringen. Steffen Justus, Triathlon-Junioren-Europameister und Sohn des früheren 1500 m-Europameisters Klaus-Peter Justus, brachte die starke Spitzengruppe mit Titelverteidiger Arne Gabius (LAV asics Tübingen), Steffen Uliczka (TSV Kronshagen/ Kieler TB), Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München) und Christian Glatting (TV Wattenscheid) mit einem Schnellstart in Zugzwang – und sollte bis ins Ziel hinein ein überaus harter Prüfstein für die nationale Laufelite sein. Zwei Runden vor Schluss setzte sich mit dem 23-jährigen Christian Glatting ein junger Läufer erstmals an die Spitze, den nur wenige auf der Rechnung hatten. Doch der Bochumer Medizinstudent zeigte sich an diesem Samstagnachmittag in blendender Verfassung – und lief nach seiner Cross-Jugendmeisterschaft 2005 zum ersten Titel bei den Aktiven. „Bislang habe ich es nur zu einigen Medaillen gebracht, aber ein Titel ist bei den Junioren oder Männern noch nie herausgesprungen“, sagte der aus dem schwäbischen Aalen stammende Glatting. „Ich konnte den zwischenzeitlichen Rückstand recht locker wettmachen und habe dabei festgestellt, dass die anderen immer wieder in Schwierigkeiten waren. Deshalb habe ich dann bergab Druck gemacht und mich etwas absetzen können. Auf einen Spurt habe ich es nicht ankommen lassen wollen.“

Hinter Steffen Justus, der nach der Straße (Halbmarathon in Aichach 2009) nun auch bei den Cross-Titelkämpfen als Zweiter etablierte Athleten düpierte, setzte sich in einem dichten Zieleinlauf Arne Gabius gegen Steffen Uliczka durch. „Natürlich ist es hart, innerhalb von einer Woche zwei Titel zu verlieren“, gestand der Tübinger Gabius ein. „Mir fehlt durch die Mehrfachbelastung mit Training und Krankenhaus etwas die Form. Aber: Wir sehen uns auf der Bahn wieder“, sagte der 29-jährige angehende Arzt bezüglich der Europameisterschafts-Saison. „Aber wenn ich ehrlich bin, die vier Titel im Vorjahr waren schon außergewöhnlich. Und es ist schön für die Langstreckenszene, dass wir gute Konkurrenz haben. Deshalb bin ich über den dritten Platz nicht unzufrieden.“

Das spannende Duell auf der Mittelstrecke zwischen Wolfram Müller (Erfurter LAC), Carsten Schlangen (LG Nord Berlin) und Christoph Lohse (TV Wattenscheid) endete diesmal mit einem Erfolg für den Berliner, der nach dem 3000-m-Hallentitel nun auch im Cross siegte. „Eigentlich wollte ich keinen Cross laufen“, sagte Schlangen, „aber nach dem Hallentitel konnte ich nichts mehr verlieren. Durch den langen Winter habe ich durch viele Skilanglauf-Einheiten im Volkspark Friedrichshain gut Kraft aufgebaut. Und das ist mir heute zugute gekommen.“ Dagegen möchte Wolfram Müller die Winterphase so schnell wie möglich abhaken und freut sich schon auf das am Montag beginnende Trainingslager in Marokko. „Mir hat die Strecke nicht gefallen. Aber Hauptsache, gesund durchgekommen.“ Denn mit Verdruss denkt der Neu-Erfurter an sein Crossrennen im November in Pforzheim, wo er im unebenen Gelände umknickte und mit einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen pausieren musste.

Text: race-news-service.com/Wilfried Raatz
Foto: Wilfried Raatz