Mo Farah entthront Sergiy Lebid bei der Cross-EM

Europa hat einen neuen Langstreckenstar mit dem 23-jährigen Mo Farah. Der Brite mit somalischen Wurzeln, trotz der 5.000 m-EM-Silbermedaille von Göteborg nur Insidern bekannt, hielt sich bei den 13. Cross-Europameisterschaften in San Gdiorgio su Lelgnano nahe Mailand zunächst hinter den zumeist für hohes Tempo sorgenden Fernando Silva und Juan Carlos de la Ossa, um dann in der Schlussrunde seine hohe Grundschnelligkeit zu einem furiosen Finale zu nutzen. Ohne Chance dabei der sechsfache Cross-Europameister Sergiy Lebid, der eingangs der Schlussrunde den Anschluss verlor und letztlich resignierend Zwölfter über die 9.900 m lange Strecke wurde.

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Der Brite Mo Farah siegte bei den Cross-Europameisterschaften.

Bild: www.photorun.net

Europa hat einen neuen Langstreckenstar mit dem 23-jährigen Mo Farah. Der Brite mit somalischen Wurzeln, trotz der 5.000 m-EM-Silbermedaille von Göteborg nur Insidern bekannt, hielt sich bei den 13. Cross-Europameisterschaften in San Gdiorgio su Lelgnano nahe Mailand zunächst hinter den zumeist für hohes Tempo sorgenden Fernando Silva und Juan Carlos de la Ossa, um dann in der Schlussrunde seine hohe Grundschnelligkeit zu einem furiosen Finale zu nutzen. Ohne Chance dabei der sechsfache Cross-Europameister Sergiy Lebid, der eingangs der Schlussrunde den Anschluss verlor und letztlich resignierend Zwölfter über die 9.900 m lange Strecke wurde.

Bei den Frauen trat die Ukrainerin Tatyana Holovchenko mit ihrem letztlich sicheren Sieg über Maria Konovalova und der Serbin Olivera Jevtic die Nachfolge der abwesenden Titelverteidigerin Lornah Kiplagat an. Die neue Crosslauf-Nation Nummer 1 ist Großbritannien. Durch Mo Farah und die Siegerin bei den unter 19-Jährigen, Stephanie Twell, erreichten die Briten zwei Einzelsieger und zwei Teamerfolge bei den Juniorinnen unter 19 und unter 23 feiern. Für die zahlenmäßig starke deutsche Mannschaft hingen die Trauben hingegen sehr hoch. Während die höher eingeschätzten U 23-Junioren die Erwartungen nicht erfüllen konnten, sorgten Alexander Hahn und Julia Hiller mit Rang sieben und neun für zwei Achtungserfolge in der Einzelwertung der Jugendkategorien, die den Mannschaften zudem die erhofften „Top acht“-Platzierungen brachten.

Mo Farah holt nach Jon Brown das zweite Cross-Gold für die Briten

Noch am Vortag zeigte sich der 31-jährige Cross-Dominator Sergiy Lebid bezüglich eines möglichen neuerlichen Erfolges optimistisch, doch der Wettbewerb war ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten nicht sein Rennen, da er beim starken Tempodiktat der Konkurrenz nicht mehr kontern konnte. Dagegen fühlte sich Mo Farah obenauf, obgleich er wegen Sturmwarnung und der damit verbundenen sechsstündigen Wartezeit auf dem Londoner Flughafen Heathrow in seiner Vorbereitung gehandikapt war. „Für mich ist dies natürlich ein großartiges Jahr mit dem zweiten Platz in Göteborg und nun dem Titelgewinn in San Giorgio. Ich bin besonders stolz, dass es nach Jon Brown der zweite Sieg eines Briten in der Geschichte von Cross-Europameisterschaften ist“.

„Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, zeigte sich Tatyana Holovchenko selbst noch eine halbe Stunde nach ihrem sensationellen Erfolg über die 8.030 m lange Frauenstrecke überrascht. „Eine Platzierung unter den drei Erstplatzierten hielt ich zwar für machbar, aber scheinbar war die leicht hügelige Strecke exakt das, was ich besonders gerne laufe!“ Die Ukrainerin war neben der Ungarin Anikó Kalovic und der Russin Maria Konovalova die Athletin, die das Frauenrennen bestimmte. Dank ihres kämpferischen Einsatzes hatte Tatyana Holovchenko das bessere Ende für sich, das Nachsehen ínsbesondere Anikó Kalovics, die einmal mehr als Vierte an einem Medaillenrang vorbei schrammte. Die als Favoritin gehandelte Jo Pavey enttäuschte als Achte, noch stärker allerdings die 10.000-m-Europameisterin Inga Abitova als 31.

Frühere u 19-Europameister auch klassenhöher voraus

Bei den neu eingeführten U-23-Wettbewerben triumphierten mit Barnabas Bene (Ungarn) und Binnaz Uslu (Türkei) Nachwuchstalente, die 2004 und 2005 die jüngeren Altersklassen bereits dominiert hatten. Überraschend blieben die russischen Zwillinge Yevgeniy und Anatoli Rybakov als Vierte und Fünfte ohne Medaillen. Bei den U-19-Kategorien entthronte Stephanie Twell nicht nur die bereits zweimal in dieser Klasse siegreiche Rumänin Ancuta Bobocel und kam zu einem eindrucksvollen Erfolg vor der nicht minder starken Norwegerin Karoline Bjerkell Grovdal und der enttäuschten Bobocel sowie ihrer Teamkollegin Emily Pidgeon, die noch im Vorjahr Zweite geworden war. Bei den Jungen sorgte Andrea Lalli für Jubelstürme unter den italienischen Zuschauern, als er in beeindruckender Weise das Rennen über die 5.975-m-Strecke gewann. Da auch die Teamwertung an die Azzuri ging, konnten die Gastgeber des stimmungsvollen Europa-Championats auf dem Terrain des Campacco-Cross, mit 50 Auflagen eine der traditionsreichsten Cross-Veranstaltungen Italiens, bei strahlend blauem Himmel über der Lombardei höchst zufrieden sein.

Bundestrainer Uhlemann: „Cross ist kein Wunschkonzert!“

Ganz zufrieden konnte Bundestrainer Detlef Uhlemann mit dem Abschneiden der zahlenmäßig starken deutschen Mannschaft freilich nicht sein. „Keine Frage, die Jugendlichen waren mit den Teamplatzierungen fünf und sieben super und entsprachen unseren Hoffnungen. Bei den U 23-Junioren wollten wir besser aussehen, das war allerdings nach dem Ausfall unserer beiden stärksten Läufer Steffen Uliczka und Christian Glatting nicht mehr möglich. Unsere Frauen sind natürlich nicht so recht ins Rennen gekommen. Aber: Wichtig ist, dass wir dabei bleiben, auch wenn nicht alles nach Wunsch läuft. Cross ist eben kein Wunschkonzert. Das sind Ausscheidungsrennen, bei dem Schwächen schonungslos aufgedeckt werden. Ich bleibe aber dabei, der Cross ist für uns nur eine wichtige Durchgangsstation für die Bahn und die Straße!“

Susanne Hahn verzweifelt

„Ich möchte einmal gut bei der EM laufen“, zeigte sich Susanne Hahn etwas verzweifelt und ratlos im Zieleinlauf. Die Saarbrückerin, seit vielen Jahren eine zuverlässige Langstrecklerin mit ausgesprochener Vorliebe für den Crosslauf, schaffte einmal mit als 26. eine Platzierung unter den „Top 30“. „Es war sicherlich nicht das Traumrennen, aber schon okay.“ Ohne die Vize-Europameisterin Sabrina Mockenhaupt waren die Chancen auf eine gute Teamplatzung eher gering, doch dass am Ende nur Rang neun mit Susanne Hahn, Julia Viellehner, Stephanie Beckmann und Birte Bultmann heraussprang, das enttäuschte. „Entscheidend war wohl, dass keine von uns über sich hinaus gewachsen ist“, so eine enttäuschte Birte Bultmann, die sich nach ihrem guten Abschneiden beim Darmstadt-Cross erheblich mehr als Rang 50 ausgerechnet hatte.

Rang 43 als Motivation für Michael Schering

„Michael hat eine tolle kämpferische Leistung gezeigt“, freute sich Uhlemann über seinen einzigen Teilnehmer im Männerrennen. In der Tat, der 23-jährige Michael Schering, der sich durch seinen eindrucksvolle Vorstellung in Darmstadt als Einzelstarter für die Cross-Europameisterschaften empfohlen hatte, war einer der wenigen Lichtblicke. „Für mich ist dies natürlich etwas besonderes, dass ich hier mitmachen durfte.“ Der 23-jährige Leipziger Lehramtsstudent für Sport und Biologie debütierte in San Giorgio su Legnano und sieht hier durchaus seine Perspektive: „Ich denke, in einem Jahr kann ich hier unter die ersten dreißig laufen!“ Noch ist es „nur“ Rang 43 unter den Arrivierten, doch die Abstände sind gerade im Crosslaufen gering. Zehn oder fünfzehn Ränge lassen sich relativ leicht gutmachen.

Ausrufezeichen für zwei Jugendliche

Erst verpasste Julia Hiller, die Jugend-WM-Siebente im 3000-m-Hindernislauf, bei Zeitgleichheit mit der Spanierin Marta Romo trotz „wenig gutem Gefühl“ (so ihr erster Kommentar) hauchdünn eine Top-Acht-Platzierung, dann legte der erst 17-jährige Alexander Hahn bei der männlichen Jugend als Siebenter mit einem weiteren Ausrufezeichen nach. Nach einem frühen Sturz kämpfte sich der Leverkusener mit einer starken Schlussrunde prächtig zurück ins Rennen. „Ich hätte noch besser sein können“, gestand der Schützling von Trainer Adi Zaar. Dafür hat der talentierte Bursche aus Düsseldorf sicherlich noch zwei weitere Jahre Zeit in dieser Altersklasse.