Trierer Silvesterlauf 2009

Mit Haile gegen die Rezession

Haile Gebrselassie wurde für den Trierer Silvesterlauf verpflichtet. Interview mit Orga-Chef Berthold Mertes.

Berthold Mertes mit Haile

Orga-Chef Berthold Mertes mit Marathonstar Haile Gebrselassie.

RUNNER’S WORLD: Haile Gebrselassie startet beim Trierer Silvesterlauf. Haben Sie zuviel Geld oder kostet der Marathon-Weltrekordler so wenig?

Berthold Mertes:
Zuviel Geld hat man nie. Aber wir haben über viele Jahre mit harter Arbeit eine Marke geschaffen, die unsere langjährigen Partner zum 20. Lauf mit einer Extra-Investition belohnen. Gemeinsam mit unserem Titelsponsor Bitburger und den weiteren Partnern setzen wir ein Zeichen, dass man auch in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit mit Mut und Engagement Besonderes erreichen kann. Unser Jubiläum wird ein Lauf gegen die Rezession.

Und dann läuft am 31.12. der Star einsam und alleine vorne weg. Jetzt gibt es ja bestimmt kein Geld mehr, das Eliterennen so zusammenzustellen, dass es an der Spitze noch spannend wird?

Über unsere traditionelle Distanz von acht Kilometern gibt es für ihn reichlich Konkurrenz. Ich bin mir sicher: Haile dreht nicht einsam vorneweg seine Runden durch die Altstadt. Trier sieht zudem weitere packende Rennen – nicht zuletzt mit Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt über die 5-km-Distanz der Frauen. Und selbst wenn Haile am Ende nur gegen die Uhr rennen sollte – der beste Langstreckenläufer der Welt garantiert den Zuschauern großen Sport. Und dient einer guten Sache: am Abend werden wir in Hailes Beisein sein Trikot zugunsten des Deutschen Kinderschutzbundes versteigern.

Vorjahressieger Micah Kogo aus Kenia.

Was hat eigentlich der Freizeitläufer davon, dass ins Elitefeld übermäßig investiert wird?

Der Begriff übermäßig gefällt mir nicht. Jeder Teilnehmer hat in Trier ein unvergleichliches Gänsehaut-Erlebnis. Die Stars ziehen ein enthusiastisches Publikum an die Strecke, wir rechnen mit 20.000 Zuschauern. Zudem haben wir die Startgebühren im Gegensatz zu manch anderem Veranstalter seit vielen Jahren nicht erhöht. Es ist nämlich anders herum als manche denken: Die durch die Verpflichtung der Stars erzielten Sponsorengelder fließen bei uns zum Teil in die Organisation der Kinder- und Volksläufe. Das spüren die Sportler. Warum sonst waren die Volksläufe bei Männern wie Frauen in den letzten Jahren bei uns immer ausgebucht.

Haile fliegt für den Silvesterlauf mitten aus der Vorbereitung für den Dubai-Marathon (22.1.) ins kalte Deutschland. Sie waren doch selbst mal ein erfolgreicher Athlet und Trainer: aus trainingswissenschaftlicher Sicht gäbe es doch Sinnvolleres, oder?

Ein hartes 8-km-Rennen drei Wochen vor einem Marathon sehe ich als sehr passende Belastung. Und das Wetter hat – mit Ausnahme des Vorjahres – fast immer in Trier mitgespielt. Oft hatten wir um die zehn Grad plus, also beste Langstrecken-Bedingungen. Die Trierer sorgen überdies für eine heiße Atmosphäre in der Innenstadt – wir sind schließlich das "deutsche Sao Paulo".

Und was soll bei der 21. Auflage am 31.12.2010 noch passieren. Kommt dann Usain Bolt? Der Haile-Auftritt ist ja eigentlich nicht mehr zu toppen?

Das mit Bolt ist eine hervorragende Idee. Why not - wenn Runners World als zusätzlicher Partner bei uns einsteigt ...

Oder setzt sich die Organisation mit der Verpflichtung des Äthiopiers ein Denkmal, tritt nach der 20. Auflage geschlossen ab oder beendet gar die Geschichte des Trierer Silvesterlaufs?

Nach einem solchen Highlight zum Jubiläum haben wir sicherlich das Recht zum Durchatmen. Dennoch geht es mit dem Silvesterlauf in Trier auch 2010 auf dem bisherigen Niveau weiter. Wir stehen unmittelbar vor der Vertragsverlängerung mit unserem langjährigen Titelsponsor Bitburger und den weiteren wichtigen Partnern. Zunächst aber freuen wir uns mit den vielen Trierer Silvesterlauf-Fans auf ein großartiges Läuferfest.

Interview: Martin Grüning

Trierer Silvesterlauf 2008
Rund 2000 Läufer aus 25 Nationen waren im Vorjahr mit dabei.