Mission Ü15 - Ich genieße jeden Meter

13092011_Leserreporter_ü_15

Bild: Dirk Hansen

Dieses neue Laufgebiet, das ich erst durch den Lauftreff kenne, ist einfach Klasse. So laufe ich und laufe und laufe und freu mich, als es in Herbach anfängt richtig zu regnen. Schnell bin ich ziemlich nass, aber es stört mich nicht, hatte ja pro Forma eine Kappe dabei. Weit und breit keine Menschen unterwegs. Ich laufe durch den Wald wie durch einen Tunnel und genieße jeden Meter, es riecht einfach wunderbar nach Tannen und Holz. Als ich in Übach-Palenberg ankomme, graut mir ein klein wenig vor dem Rückweg, der weitestgehend bergan verlaufen wird. Ok, schnell war ja sowieso nicht geplant (kann ich außerdem nicht), und solange der MP3 Player nicht schlapp macht, mach ich es auch nicht! Dumm nur, dass ich hier auch noch leichten Gegenwind habe. So werden die letzten Kilometer ziemlich anstrengend, aber der Wille ist immer noch, die 15 auf der Uhr zu sehen. Leider bin ich aber bei 14 (eigentlich ja schon 16) wieder in Autonähe und so laufe ich noch einen Kilometer ziemlich unkoordiniert durch die Gegend bzw. hin und her und rauf und runter. Mir doch egal, wenn das jemand sieht - ich will die 15 sehen, selbst wissend, dass es dann doch 17 sind!

Dann ist es vorbei, ich drücke die Uhr ab, die 15 steht auf dem Forerunner. Ich bin fertig, und zwar fix und fertig! Trinken kann ja sooo herrlich sein! Die Beine ziepen ganz ordentlich, bücken tut richtig weh. Aber, wie war doch gleich der Spruch: Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt. Und wie stolz ich bin auf meinen bis jetzt längsten Lauf überhaupt! Ich setze mich stöhnend ins Auto und fahre wie paralysiert nach Hause. Ganz bestimmt hab ich einen ziemlich dämlichen Gesichtsausdruck, ich fühl mich leicht wie ferngesteuert, meine Kräfte sowie mein Wille sind restlos aufgebraucht und die besagte Kinnlade hängt sicher auch recht einfältig runter. Sollte ich jetzt einen Unfall verursachen, erklärt man mich sicher für „nicht zurechnungsfähig“. Hab mich selten so dermaßen ausgepowert gefühlt.

Jetzt, nach einem starken Kaffee und einem ordentlichen Frühstück gehts mir schon viel besser. Die Dusche wartet auf mich, die Krönung dieses Laufs. Meine Kräfte kommen wieder und ich habe vor allem meinen Gesichtsausdruck wieder unter Kontrolle. Der wird jedoch leicht überschattet von einem stolzen Dauergrinsen.


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Tagebuch einer Freizeitläuferin