Leserreporter Markus Heigl

Mein Lauf beim Boston-Marathon 2014

Leserreporter Markus Heigl berichtet von seinem Lauf beim Boston-Marathon 2014.

Leserreporter Markus Heigl mit seiner Start-Nummer beim Boston Marathon 2014

Leserreporter Markus Heigl mit seiner Startnummer vor dem großen Lauf beim Boston-Marathon 2014.

Bild: privat

Meine Qualifikation für den Boston-Marathon

Die Anmeldung für den Boston-Marathon, welche von der Qualifizierungszeit abhängt, war nur im September in einem kurzen Zeitfenster von 5 Tagen möglich. Die Qualifizierungszeit muss innerhalb von 12 Monaten vor Anmeldung zum Lauf nachgewiesen werden, wobei nur ausgewählte Marathons akzeptiert werden. Seit zwei Jahren wurden die Zeiten aufgrund der großen Nachfrage gekürzt, für mich waren daher 3:15 Stunden das Limit. Zwei Jahre vorher war das die Zeit der nächstjüngeren Altersgruppe. Mit meiner Zeit vom München-Marathon habe ich mich dann mit 3:13:06 Stunden um einen Startplatz beworben. Im Oktober habe ich bereits die Zusage erhalten.

Über das Osterwochenende zum Boston-Marathon 2014

Am Karfreitag, den 18. April 2014, flog ich mit meiner Frau Sandra nach Boston. Wir kamen am späten Abend im Hotel an. Die Ankunft am Flughafen war bereits auf den Boston-Marathon ausgerichtet. Überall gab es Poster, Banner und Schriftzüge „Welcome to the 2014 Boston Marathon“. Die ersten Sportler in Sportkleidung sah man auch schon...

Am Samstag ging es dann ins Hynes Convention Center an der Boylston Street in Boston zur Expo (Marathon Messe). Die war auf zwei sehr großen Hallen mit über 400 Ausstellern aufgeteilt. Dort holte ich dann meine Start-Nummer (BIB-Nummer)- ab und schoss gleich stolz die ersten Fotos. Ein hübsches Langarm-Laufshirt und ein paar Kleinigkeiten gab´s dazu. Eine US-amerikanische Sportmesse ist super. Gatorade, Powerbar und all die Sportartikelhersteller satt! Ein Paradies für Läufer. Nachdem ich mich mit ein paar Laufschuh-Schnäppchen und Boston-Marathon-Kleidung von Adidas ausgestattet hatte, trafen wir zwei liebe Freunde, die mich auch beim Lauf unterstützen wollten. In einem Restaurant haben wir dann einen Plan für den großen Tag ausgearbeitet. Vicky und Dave wollten wir beim Boston Common am Marathon-Morgen treffen. Von dort aus war der Transfer zum Start des Boston-Marathons für die Läufer organisiert.

Am Sonntag fuhren wir nach einem frühen Frühstück zur Meile 16 mit dem Auto. Denn dort wollte am Tag des Marathons mein Team "Sandra, Vicky und Dave" kurz vor Kilometer 30 bzw. den vier berühmt-berüchtigten Hügel stehen. Hier wollte Sandra mir einen doppelten Espresso mit reichlich Zucker, den sie bereits in München gebrüht und abgefüllt hatte, reichen. Die Stimmung auf der Strecke am Vortag des Laufs um 7 Uhr morgens war toll. Die Sonne ging gerade auf und es waren keine Leute unterwegs. Nur die Arbeiter, die bereits auf der gesamten Strecke die Absperrungen aufgebaut hatten und vereinzelt ein paar Läufer. Die vier Hügel hatten wir mit dem Auto gut gemeistert und mir hatten sie einen guten Eindruck vermittelt, was mich tags drauf erwarten würde. Der letzte berühmte Heartbreak-Hill hat es schon in sich. Im Laufe des Tages wurden dann nur noch alle Utensilien für den Lauf zurecht gelegt und gepackt, da wir noch vor dem Lauf auschecken mussten. Abends gab es die berühmte Pizza mit Schinken, Tomate, Champignon, Paprika, Käse und einem dicken Boden.

Stolzer Leserreporter Markus Heigl nach dem Boston-Marathon mit Finisher-Medaille.

Bild: privat

Mein Tag des großen Laufs beim Boston Marathon 2014

Am Marathon-Tag, Montag, den 21. April 2014, nahm ich kurz vor 6 Uhr die U-Bahn in die Stadt zum Boston Common, dem Stadtpark im Zentrum. Dort hatten sich dann Sandra, Vicky und Dave zusammengetan. Ich ging zum organisierten Shuttle-Service, der wiederum ein Erlebnis für sich war! Es standen ca. 100! US-Schulbusse in Reih und Glied, die die Läufer dann in Richtung Hopkinton transportierten. Der Transfer war für knapp 30.000 Personen organisiert. In Hopkinton angekommen ging es dann ins Athlets Village. Dort wurden unter großen Zeltdächern Folien (zum Wärmen), Gatorade-Produkte, Bagles, Kaffee, Sonnencreme, Vaseline usw. angeboten bzw. verteilt. Nächstes Extrem: Hier standen über 200 Dixie-Klos aneinandergereiht, die auch sehr gut frequentiert wurden. Zum Einlaufen gab es im Dorf keine Möglichkeit, deshalb habe ich es verlassen und bin dann außerhalb des Geländes ca. 3 km gemütlich zum Warmwerden gejoggt. Die Atmosphäre im Athleten-Dorf war toll. Sonnenschein, kühl, ganz viele Läufer in schäbigen Klamotten, die zurückgelassen und gespendet werden, sehr viel Sicherheit, viele Helfer und Hubschrauber über uns. Das Feld beim Boston-Marathon wurde in vier Startblöcke mit je 9.000 Läufern aufgeteilt. Ich war im zweiten und konnte von ganz vorne aus starten. Die Blöcke wurden nochmals in acht Gruppen, je nach Qualifizierungszeit aufgeteilt. Die Startnummern wurden übrigens auch so vergeben. Somit hatte ich die 9.085- schnellste Qualifizierungszeit. Mit 20 Sekunden schneller wäre ich noch in den ersten Block gekommen, jedoch dann ganz hinten.

Allein an der Spitze des zweiten Blocks

Um 10 Uhr startete der erste Block. Aufgrund der Entfernung zum Dorf bekam man davon nichts mit. Der zweite Block (Wave) wurde dann aufgerufen, um sich auf den Weg zum Start zu machen. Dort war ich dann um 10.15 Uhr angekommen. In der ersten Reihe bekam man dann die Einweisungen von den sehr gut gelaunten Helfern. Um 10.25 Uhr gab es dann pünktlich den Startschuss zum Boston-Marathon. Die ersten vier Kilometer führte ich ganz alleine die 2. Wave an. Ich war direkt hinter den zwei Motorrädern. Das war natürlich eine unglaubliche Erfahrung. IRRE!!!

Tückischer Beginn bergab beim Boston-Marathon

Die erste Hälfte ging der Boston-Marathon bergab, was mich eigentlich im Vorfeld erfreute, obgleich ich nur Negatives darüber gelesen habe. „Das geht in die Beine“ und „Die Härte sind dann die Hügel ab Meile 17“ – Recht hatten sie alle. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Unglaublich war, dass die komplette Strecke beim Boston-Marathon mit Leuten gesäumt war. Laut Presse waren es über eine Million Menschen. Der Lauf ging durch elf kleine Städte, die alle ihre eigene Boston-Marathon-Party feierten. So schön, beeindruckend, wertschätzend die jubelnden Massen auch waren, dennoch war mir das dann vor allem in der letzten Stunde zu laut. Auch ein hoher Geräuschpegel kann stressen bzw. einen Lauf noch anstrengender machen. Das wusste ich vorher nicht...

Einmaliges Erlebnis Boston Marathon

Bild: privat

Leserreporter Markus Heigl mit Begleitteam nach dem Boston-Marathon.

Medaille und Essiggurken-Wasser im Ziel des Boston-Marathons

Nach 3 Stunden, 24 Minuten und 40 Sekunden ging es dann schließlich auch für mich als 7703. Läufer durchs Ziel. Mit der Platzierung beim Boston-Marathon im ersten Viertel bin ich natürlich sehr zufrieden. Man bedenke, dass da noch 25.000 Läufer hinter mir waren.

Kurz nach Zieleinlauf sah mich sogar mein Begleitteam (Sandra, Vicky und Dave) und rief mich zu sich an die Absperrung. Das war gut und wichtig, da ich mich unmittelbar nach dem Lauf nicht gut gefühlt habe. Ich dachte immer, dass ich in Ohnmacht falle. In den üppigen Paketen mit Nahrung, die verteilt wurden, war auch ein Fläschchen mit Essiggurken-Wasser, welches mir dann wieder auf die Beine geholfen hat. Der Geschmack war genau so, wie das Gesöff klingt, aber effektiv! Zwischendrin gab es dann noch kuschlige Capes und die ersehnte Medaille.

Dieses rundherum tolle Erlebnis beim Boston-Marathon war absolut einmalig und ich bin dankbar und stolz, dass ich Teil vom ganzen sein durfte. Selbst im Anschluss, auch Tage danach, wenn man mit Leuten gesprochen hatte, haben die sich bedankt, dass man mitgelaufen ist. Toll.

So, nun bin ich auch schon fast wieder bereit zu laufen. Ich freue mich auf den München-Marathon am 12.10.2014 – vielleicht eine neue Bestzeit, dann kann ich mir überlegen, ob ich 2016 dann nochmal Boston-Marathon mache oder etwas Neues!

Uta Pippig

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