Leser-Reporterin Sabine Lackner

Mein erstes Mal: Rom-Ostia-Halbmarathon 2014

Leserreporterin Sabine Lackner zieht viel durch die Welt. Diesmal hat es sie nach Rom verschlagen, wo sie zum ersten Mal den Rom-Ostia-Halbmarathon 2014 im Rahmen ihrer Marathonvorbereitung gelaufen ist.

Rom-Ostia-Halbmarathon 2014 - Die Bilder
Leserreporterin Sabine Lackner beim Rom-Ostia-HM

Beim Halbmarathon Rom-Ostia bewegt sich die bunte Läuferschlange Richtung Ostia, der antiken Hafenstadt des alten Rom an der Tibermündung.

Bild: privat

Um 6:15 Uhr morgens läutet endlich der Wecker. Nach Duschen und Fertigmachen hole ich mir noch eine Portion böser Worte von der Dame an der Rezeption. Wie konnte ich nur auf die Idee kommen, dass ein später Check-Out möglich sein könnte, wo ich doch Stammgast der Hotelkette bin? Nach dieser Diskussion habe ich mir ein leichtes Frühstück verdient. Im Hotelrestaurant treffe ich eine Gruppe motivierter italienischer Läufer und spüre Vorfreude. Die Wettervorhersage für den Vormittag sieht nur leichten Regen – und das ohne Gewitter – vor.

Ich mache mich beschwingt auf zur U-Bahn und folge dort wie ein Lemming den anderen tausenden Läufern. Es geht gut. Beim LKW mit der Nummer 2, mit dem meine Sachen ans Ziel transportiert werden sollen, zögere ich, meine Oberbekleidung abzulegen. Es ist kalt, eine Temperatur von sieben Grad vielleicht, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Nach ein paar Minuten mache ich mich nicht mehr lustig über die herumlaufenden Marsmännchen. So habe ich für mich jene Läufer benannt, die Overalls aus dünnster Zellulose tragen. Aufwärmen wäre die richtige Strategie gegen die Kälte, wäre da nicht der Liter Saftwassergemisch, der auf meine Blase drückt. 20 Minuten bibbere ich in der Schlange vor den Toiletten vor mich hin, während ich voll Neid anderen beim Warmlaufen zusehe. Aber dann trabe auch ich einen Kilometer vor mich hin, mache ein paar Steigerungen und verschwinde hinein in meine Startzelle. Ich treffe holländische Läufer aus der U-Bahn wieder. Das Feld wird enger, die Luft beginnt zu knistern. Die erste Welle startet. Wir zählen mit. Dann folgt unser Count Down. Kaum ist die erste Gruppe der Läufer vor uns weg, dürfen auch wir endlich loslegen.

Die ersten drei Kilometer geht es flach oder leicht bergab dahin. Eine Gänsehaut kriecht mir beim Anblick der riesigen Masse an Läufern vor mir hoch. Mit der ersten Steigung bei Kilometer 4 biegen wir auf die Schnellstraße Richtung Ostia. Eine bunte Schlange mit hohem Neon-Anteil bewegt sich da, wo normalerweise Autos mit 100 Sachen entlang rasen. Etwas mehr als 17 Kilometer werden wir nun dieser einen Straße folgen. Ich frage mich, wie langweilig das wohl werden wird, aber ich merke, die Strecke ist wirklich schnell. Meine Uhr zeigt Kilometer-Schnitte von knapp über 5 Minuten und ich laufe mit ruhigem Puls. Mein Magen macht keine Probleme. Einzig meine Beine sind etwas kraftlos. Das bekomme ich besonders bei der zweiten Steigung zu spüren. Mehr als einen Kilometer geht es bergauf, 50 oder 60 Höhenmeter. Meine Geschwindigkeit fällt ab, mein Puls schnellt hoch. Oben angekommen denke ich übers Aufgeben nach. Ich trinke vier Becher Wasser im Gehen. Die Belohnung, die ich mir am Vortag in Form eines Kleides selbst gemacht habe, lässt mich weitermachen. Gottseidank kommt mir von da an die Strecke entgegen. Bei Kilometer 12,5 sehe ich das Meer am Horizont: ein bleibender Eindruck. Das ist der finale Motivator, den ich gebraucht habe. Ich laufe wieder, als ob ich eben gestartet wäre.

Bei Kilometer 17 ziehen schwarze Wolken auf. Ich denke nur: „Bitte nicht auf den letzten 4 Kilometern ein Gewitter.“ Ich beobachte den Wind und seine Richtung. Mein Kopf beginnt zu rechnen, wie viele Minuten ich noch auf der Strecke sein werde. Ohne starken Wind sollte ich vor der Front in Ostia sein. Ich beruhige mich und mache Tempo. Umso näher ich zum Ziel komme, desto heller werden die Wolken: lediglich Regen. In der Zielstadt ist noch eine Schleife von insgesamt 600 Metern zu laufen. Sie fühlt sich viel länger an. Ich sage mir: „Linker Fuß, rechter Fuß, links, rechts,…“ Dabei laufe ich, ohne darauf zu achten, so schnell wie nie in meinem Leben zu vor: die letzten paar Hundert Meter unter 4:30 Min./km. Als ich im Ziel ankomme, zeigt meine GPS-Uhr eine Nettozeit von 1:52:49. Der Veranstalter misst 1:54:14 brutto und ich bin richtig glücklich. Ich fühle mich bereit für den Wien-Marathon und einen kulinarischen Abschluss.

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