Leserreporterin Monika Niedermeier

Mein erster Wettkampf

Unsere Leserreporterin Monika Niedermeier lief bisher noch keinen Wettkampf. Doch dann wurde ihr Ehrgeiz geweckt und sie meldete sich für den Eltviller Familienlauf an.

Monika Niedermeier

Unsere Leserreporterin Monika Niedermeier (Startnummer 29) bei ihrem ersten Volkslauf.

Bild: Privat

Was habe ich nur getan? Ich hatte immer gesagt, ich nehme an keinen Wettkämpfen teil, kein Volkslauf, Halbmarathon oder sonst was. Laufen ist für mich Entspannung und Stressabbau (und natürlich auch Kalorienvernichtung). Und jetzt das! Ich habe mich gerade selbst überrascht, indem ich mich an einem Sonntagmorgen - noch im Bett - für einen Volkslauf anmelde. 10 km in Eltville, durch die Altstadt und am Rhein, alles schön eben und die Anfahrt ist auch nicht der Rede wert. Was hat mich denn da geritten?

Vielleicht lag es nur daran, dass ich mich zu zögerlich wieder ans Laufen heranwagte, nachdem ich im Mai so kolossal mit dem Fuß umgeknickt war, dass ich es erst Wochen später wagte, zu walken. Und mich damit selbst langweilte.

Nur sechs Wochen Zeit fürs Training

Nun gilt es. Training ist angesagt. Ich lade mir – ganz der Profi – die RUNNER´S WORLD-App mit dem 12-Wochen-Plan für 10 km in unter einer Stunde herunter. Ok, der Lauf ist am 21.9. und wir haben schon den 10.8., das heißt, ich muss in der halben Zeit fit genug werden, aber dafür bin ich ja auch kein blutiger Anfänger mehr. 2 bis 3 Mal Sport pro Woche sprechen für sich! Die App ist übersichtlich, aber was ist das? Das Training soll erst morgen beginnen! Solange kann ich nicht warten. Ich muss heute laufen und herausfinden, ob mein Fußgelenk mitmacht. 20 Minuten auf dem Laufband bringen Freude und Erleichterung. Alles klappt, nichts tut weh, auf geht´s! Das erste Training am nächsten Tag macht richtig Spaß. Einlaufen, Intervall-Training, Auslaufen. Dank der Programme am Laufband muss ich mich um wenig kümmern und genieße das Gefühl, mich so richtig auszutoben.

Meine alte Pulsuhr beunruhigt mich. Wenn ich von der Faustregel „200 minus Alter in Jahren gleich maximale Herzfrequenz“ ausgehe und davon die Herzfrequenz-Bereiche für langsamen und ruhigen Dauerlauf ableite, schlägt mein Herz viel zu schnell. Immer. Aber ich fühle mich gut dabei, ich schnappe auch nicht nach Luft. Und es ist fast unmöglich, konstant in einem Bereich zu bleiben, der Herzschlag geht entweder fix darunter oder ist ebenso schnell weit darüber. Es dauert gute 20 Minuten, bis sich meine Herzfrequenz irgendwo in der Mitte eingependelt hat. Ist das normal? Stimmt was nicht mit meiner alten Polaruhr oder mit meinem Herzen?

Ein Gespräch mit der Trainerin im Fitnessstudio entspannt mich wieder. Diese Faustregel ist offensichtlich für komplette Anfänger und ich soll eher nach meinem Gefühl gehen. Und die alte Polaruhr ersetze ich durch einen Brustgurt, der die Werte direkt an mein Handy (=Musik!) weitergibt, das funktioniert super und ist genauer. Jetzt hab ich noch eine App geladen, die mir die Entfernung und meine Geschwindigkeit (sowie die Herzfrequenz) alle fünf Minuten ins Ohr zwitschert.

Auch im Urlaub wird gelaufen

Das ist sehr hilfreich aber ich merke, wie langsam ich noch bin. So brauche ich ja für die 10 km 80 Minuten!! Das geht ja gar nicht. Dann kommt der Urlaub an der Nordsee. Und mir macht das Laufen sogar noch Spaß, wenn der Regen horizontal kommt. Egal. Dann wird das Wetter wieder besser und ich habe einen langen Lauf vor mir. Am Strand natürlich. Prompt gelange ich an einen großen Priel und ziehe die Schuhe aus, um kurz durchzuwaten. Und dann ziehe ich sie nicht mehr an. Welch sensationelle Erfahrung – barfuß am Strand laufen! Großartig. Ich bin immer noch langsam, aber es ist ein Genuss.

Und zu Hause merke ich, dass mir das Barfußtraining gut getan hat – auf normalen Wegen im Park und im Wald bin ich tatsächlich schneller geworden, wir nähern uns den 70 Minuten auf 10km. Die Tempoläufe und das Intervalltraining mach ich allerdings immer auf dem Laufband, da muss ich mich nicht darum kümmern, wann eine Minute oder 100 Meter Sprint vorbei sind.

Probe aufs Exempel

Gut eine Woche vor dem Volkslauf halte ich mich nicht mehr genau an die Trainingspläne – ich will wissen, wie lang ich jetzt für die 10 km brauche. Dann kommt der große Durchbruch: Ich brauche für 10 Km 67 Minuten! Ich bin konstant unter 70!! Es fühlt sich großartig an. Jetzt weiß ich, dass ich den Volkslauf gut meistern werde. Ich gehe noch zwei Mal kurz laufen, dann schone ich mich für den großen Tag.

Und dann schlägt Murphy zu: Es bahnt sich eine Erkältung an. Zwei Tage davor. Ist das zu fassen? Am Samstag vor dem Lauf nehme ich alle homöopathischen und konventionellen Mittel gegen Halsschmerzen und Schnupfen. Ich schone mich und lege sogar ein Nachmittagsschläfchen ein. Und es wirkt. Zusammen mit der Aufregung fühle ich mich am Sonntag fit genug. Wir packen Kinder, Wasser und Bananen ein und machen uns auf den Weg. Das Wetter ist mies, Dauerregen. Beim Volkslauf sind eigentlich nur die Läufer und ihre Familien da, sonst findet sich wenig Publikum ein. Startnummer, Messband für den Schuh und Goodies sind schnell geholt, dann warten wir, bis der Hauptlauf endlich losgeht. Gelaufen werden die 10 km in zwei kleinen Runden durch die Altstadt und drei großen Runden ums Freibad. Ich mach mich noch warm und die App sagt, dass ich 6:08 Minuten für einen Kilometer brauche. Prima, das reicht ja.

Nur nicht einschüchtern lassen

Kurz bevor der Startschuss fällt, lässt mich dieselbe App im Stich, ich kann sie auf einmal nicht mehr starten. So muss ich ohne Geschwindigkeitsangaben loslaufen und mich nur auf mein Gefühl verlassen. In den ersten beiden (kleinen) Altstadtrunden überholen mich ca. 60 Prozent aller Läufer. Aber ich weiß ja, die meisten sind am Anfang zu schnell. Immer mit der Ruhe. In der ersten großen Runde überholen mich aber noch mehr. Ich traue mich bald nicht mehr, mich umzusehen, aus Angst festzustellen, dass ich die Letzte bin. Aber immer wenn ich am Start-Zielpunkt durchlaufe, gibt mir der Applaus neuen Schwung.

Unterwegs in der zweiten Runde finde ich meinen Rhythmus und überhole sogar auch mal jemanden. Es macht (wieder) Spaß. Dazu mach ich noch die Erfahrung wie schwierig es ist, im Laufen einen Schluck Wasser zu trinken. Wie soll das gehen ohne zu schlabbern?? Egal, auf in die letzte Runde. Mal einen der Feuerwehrmänner nach der Uhrzeit fragen. Es sind 50 Minuten vergangen. Das heißt, ich könnte die 10 Km in unter 60 Minuten schaffen! Sensationell. Ich gebe Gas, überhole noch ein, zwei Männer und nähere mich wieder der Altstadt. Einer der Superschnellen (war wahrscheinlich in einer halben Stunde fertig), feuert mich an. Dann um die Ecke, an den Leuten und meiner Familie vorbei. Ich setze zum Endspurt an, meine Tochter läuft mit. Jubel, Applaus – und mir fällt gleich die Lunge raus. Jetzt hab ich´s geschafft! Ich bin happy. Und definitiv nicht die Letzte.

Das nächste Ziel steht auch schon fest

Die Siegerehrung warten wir nicht mehr ab, richtig auslaufen werde ich auch nicht mehr, dafür gibt´s noch eine Banane und den Marsch zurück zum Auto. Jetzt nur noch heiß duschen, was Warmes essen und ab aufs Sofa. Am nächsten Tag habe ich noch die Statistik gecheckt: Ich habe eine Stunde und eine Minute gebraucht. Und bin 16. in meiner Altersklasse. Wenn ich nur 10 Minuten schneller wäre, käme ich schon in die Top 5. Hm. Dann mal schnell den nächsten Trainingsplan runterladen!