Claus Dahms

Mein Berlin-Tagebuch

RUNNER'S WORLD-Redakteur Claus Dahms berichtet in seinem Tagebuch von der Leichtathletik-WM. Der Eintrag vom 15.08.

Möldner bei der LA-WM

Große Augen und ein zufriedenes Gesicht: Antje Möldner hatte allen Grund zur Freude.

Bild: Claus Dahms

Olympiastadion, Samstag, 15. August, 12.00 Uhr: Endlich! Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin haben begonnen. Und sie starteten aus deutscher Läufersicht gleich mit einem kleinen Paukenschlag. Die Eröffnungsfeierlichkeiten hatten noch längst nicht begonnen, da kämpften schon die ersten Läufer auf der blauen Rundbahn im Olympiastadion um den Einzug ins Finale.

Im ersten von drei Vorläufen über 3.000-m-Hindernis startete nicht nur die amtierende Olympiasiegerin Galkina, sondern auch Antje Möldner. Die gebürtige Potsdamerin lief lange im Feld mit, dann arbeitete sie sich immer weiter nach vorne. Platz vier hätte zum Weiterkommen gereicht, doch Möldner gab sich damit nicht zufrieden und zog auch noch an der Äthiopierin Assefa und an der Kenianerin Cheywa vorbei. Da kam zum ersten Mal richtig Stimmung im noch spärlich besetzten Stadion auf.

Mit 9:21,73 stellte Antje Möldner einen neuen deutschen Rekord für 3.000-m-Hindernis auf und konnte schon frohgelaunt und gelassen in der Mixed-Zone mit uns Journalisten plaudern, während ihre Konkurrentinnen in Lauf zwei und drei noch um Sekunden fighteten: „Eine solche Zeit im Vorlauf habe ich wirklich nicht erwartet. Am Anfang wollte ich eigentlich schon weiter vorne mitlaufen, aber dann lief es immer besser. Besonders die letzten 300 Meter, die waren einfach nur geil“, strahlte sie.

Robert Hartmann bei der LA-WM in Berlin.

Bild: Claus Dahms

Eine Weltmeisterschaft ist immer auch ein kleines Familientreffen der Leichtathletik-Fachjournalisten. Als ich am Morgen aus der S-Bahn stieg, lief ich direkt dem Kollegen Robert Hartmann in die Arme. In der gerade am Kiosk erhältlichen September-Ausgabe von RUNNER’S WORLD hat er den beeindruckenden Artikel über den großen Athleten Jesse Owens geschrieben, der 1936 seine Goldmedaillen genau in dem Stadion erkämpfte, in dem ich jetzt sitze, um den Läufern des Jahres 2009 zuzuschauen.

Und natürlich wettert der Journalist, dessen besondere Liebe und dessen besonderes Interesse den schnellen Läufern aus Kenia gilt, über die Doping-Nachrichten, die in den letzten Tagen über den afrikanischen Kontinent zu hören waren. Blutproben sollen angeblich in Kenia nicht möglich sein. „Völliger Blödsinn“, wettert Robert Hartmann, „ich fliege in 45 Minuten von Nairobi nach Eldoret“. Hier wohnen die allermeisten Langstreckler aus Kenia. „Und in zwei Stunden kann ich jeden Top-Läufer in Kenia erreichen“, legt der Kenia-Kenner nach. Jetzt wird wieder jede Topleistung aus Afrika ohne konkreten Anlass angezweifelt, sorgt sich der versierte Journalist, der sich inzwischen aus Altersgründen aus dem Tagesgeschäft verabschiedet hat.

Hier finden Sie die weiteren Einträge im WM-Tagebuch von Runner's-World-Redakteur Claus Dahms:

Spaß statt Erfolg vom 15. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin