Mein erstes Mal

Marinemarathon 2008 in Washington

Es muss nicht immer New York sein. Stefan Möstl berichtet über seine Erlebnisse beim Marinemarathon 2008 in Washington.

Marine Corps Marathon 2008 in Washington

Ausgerichtet wird der Marathon von den Marines der US-amerikanischen Armee.

„Was machst du noch dieses Jahr?“
„Ich werde einen Marathon in den USA laufen.“
„Aha, in New York?“
„Nein, in Washington.“
„Achso ...“


So oder so ähnlich liefen einige Gespräche bezüglich meines Laufsaison-Highlights, die Bewältigung des Marine Corps Marathons in Washington am 26. Oktober 2008, ab. Eher zufällig war ich bei meinen Urlaubsvorbereitungen auf den Termin des Washington-Marathons gestoßen und habe dann meine Urlaubsplanung dementsprechend angepasst.

Das Standardvorbereitungsprogramm hatte ich in Trainingsgruppen eines Münchener Laufladens absolviert, welche sich speziell auf den München Marathon 2008 vorbereitet hatten. Ich nutzte das Laufevent durch die bayrische Landeshauptstadt lediglich zu Trainingszwecken und absolvierte am 12.10.2008, also zwei Wochen vor meinem großen Auftritt in Washington, im Rahmen des München Marathons meinen letzten langen Lauf über 42,195 Kilometer.

Mein Ziel beim Marinemarathon in Washington war eine Zeit um etwa drei Stunden, welches sich aber aufgrund von Jetlag, einer schlechten Tagesform und zuviel Stadtbummel auch durchaus auf 3:20:00 Stunden ausdehnen konnte. Ausreichend vorbereitet und mit einem ganzen Paket an Infos von der offiziellen Homepage des Marinemarathons über Startzeiten und Marathonmesse flog ich am Mittwoch nach Washington. Das in der Nähe der Union-Station gelegene Hotel war ideal für die Erkundung der Stadt. Washington verfügt zwar über ein gut ausgebautes Bus- und U-Bahn-Netz, aber das Zauberwort ist eben immer noch "walkingdistance".

Ob Museen, Regierungsgebäude, das Capitol oder diverse Memorials, es gibt eine Menge zu sehen in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Doch leider hatten die Warteschlangen vor den verschiedenen Sehenswürdigkeiten auch eine unschöne Begleiterscheinung: Ein Paar schwere Beine meinerseits. Doch dazu später mehr.

Die Abholung der Startunterlagen auf der Marathonmesse war ein Musterbeispiel für eine gelungene und ausreichend geplante Organisation, wenngleich man keine Aversionen gegen militärische Ordnung haben sollte. Die allgegenwärtigen Marines sorgten mit klarer Ansage für ein schnelles Auffinden aller relevanten Bereiche, egal ob Startnummer inklusive neuem Chipsystem, Goodie-Bag mit allerlei Sponsorengeschenken (eine hohe Messlatte für deutsche Veranstalter!), das offizielle Teilnehmershirt oder der Brooks-Bereich, der mit allen sonstigen Merchandising-Artikeln das Läuferherz höher schlagen ließ. Anschließend besorgten wir die Tageskarten für den Marathontag und waren somit gut ausgestattet für den bevorstehenden Sonntag.

Mehr als 18.000 Teilnehmer starten 2008 beim Marinemarathon in Washington.

Frühmorgens mit der Metro zum Start, das klang einfach. Aber schon der Ausstieg am Pentagon zeigte die große Popularität der Veranstaltung - wahre Menschenmassen bewegten sich dort in aller Ruhe Richtung Startbereich -der Veranstalter hatte in der Ausschreibung also nicht ohne Grund den Tipp gegeben, man solle am Veranstaltungstag möglichst frühzeitig anreisen.

Auf dem Weg zum Start gab es angesichts der allgemeinen Sicherheitslage die erste Inspektion der Bekleidungsbeutel, welche sinnigerweise durchsichtig waren und den ganzen Vorgang etwas beschleunigten. Dennoch dauerte es eine Zeit lang, bis wir zum gut gefüllten Pentagonparkplatz kamen, wo zahlreiche Läufer entweder an den Gepäckabgabestellen oder aber an den Porta-potties, dem US-Synonym für Dixi-Klos, warteten. Aus der Nachtwanderung zwischen Potomac und Arlington-Road wurde mit der aufgehenden Sonne bald ein sonniger Morgen, mit lediglich einigen Nebelbänken im Hintergrund. Wenig später bekam ich eine Gänsehaut, allerdings weniger von den niedrigen Temperaturen, sondern vom traditionellen Absingen der Nationalhymne. Für mich ein wahrlich beeindruckender Moment.

Mit dem Startschuss aus der Haubitze um 8.00 Uhr setzte sich das Läuferfeld allmählich in Bewegung. Ich hatte mich im vorderen Bereich platziert und noch zwei weitere Deutsche getroffen, die ihre Zeitziele aber nicht preisgeben wollten. Mit dem 3:10:00-Pacemaker im Nacken ging es dann auch für mich auf die Strecke über 42,195 Kilometer durch Washington D.C.

Vorbei an den vielen Zuschauern, gut gesichert von Polizei, Feuerwehr und sogar einigen (dank 9/11) Scharfschützen war auf den ersten Meilen gleich eine erste Hürde zu meistern, denn das Feld lief auf die letzten der vor uns gestarteten Rollifahrer und Handbiker auf. Auffallend war hier allerdings die große Achtung und Aufmerksamkeit, mit der diese Sportlergruppe behandelt und angefeuert wurde.

Da die Streckenführung eigentlich alle Sehenswürdigkeiten in und um Washington abdeckte, wurde der Marathon zu einer einzigen Sightseeing-Tour. Angefangen mit dem Ausstieg am Pentagon, der Start in Arlington zu Füßen der Gräberfelder, führte die Laufstrecke zunächst über zwei ordentliche Steigungen durch Georgetown, wo allerhand Zuschauer für viel Stimmung am Streckenrand sorgten, weiter am Lincoln-Memorial vorbei und nach einer Schleife zurück zur Mall Richtung Capitol. Danach ging es vorbei an den Smithsonian Museen weiter bis ins Ziel am Iwo Jima Memorial. Hier wurden wir nicht nur von einem Streckensprecher lauthals empfangen, sondern vor allem die etlichen Zuschauer auf den Tribünen bescherten jedem von uns einen imposanten Zieleinlauf.

Stefan Möstl beim Washington Marathon 2008
Zahlreiche Zuschauer am Streckenrand sorgten für tolle Stimmung bei allen Beteiligten.

Natürlich war neben all den Sehenswürdigkeiten auch das Zeitziel ein ständiger Begleiter. Die Streckenbeschilderung war leider nur in Meilen angegeben, und so mussten nun ganz neue Tempotabellen zur Anwendung kommen – mit bedingtem Erfolg. Die ersten Meilen lief ich in einem Schnitt von 7:10 Minuten, ein Wert, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt nur wenig anfangen konnte. Ich versuchte mir meinen entsprechenden Kilometerschnitt auszurechnen und kam schlussendlich zu dem Ergebnis, dass ich 6:52 Minuten pro Meile für besagte Zielzeit von drei Stunden laufen müsse.

Irgendwann kamen dann aber die vom Sightseeing und Schlangestehen schweren Beine durch und es wurde richtig hart für mich. Auch der von hinten kommende 3:10:00-Pacemaker mit einer recht kleinen Gruppe konnte mich nicht mitziehen und so wurden die letzten Kilometer dann doch eher im 5-Minuten-Schnitt als in den notwendigen 4:16 absolviert. Auf den letzten beiden Meilen lief es für mich noch ein mal ein wenig besser, ich konnte sogar noch einen Überholversuch eines jüngeren Läufers abwehren und mich mit einer Zeit von 3 Stunden und 12 Minuten ins Ziel retten.

Bald wieder vereint mit meiner Support-Crew, bestehend aus Ehefrau und unseren Freunden hatte ich dann nur noch ein letztes Hindernis zu meistern - die Fahrt mit der überfüllten U-Bahn zurück zum Hotel. Mein Rückflug über Atlanta gestaltete sich dagegen weitaus unkomplizierter. Mit der Medaille in der Tasche traf man an Bord sogar noch einige weitere Marathonis, die nun natürlich alle voller Stolz eines der begehrten Teilnehmershirts trugen.

Fazit: Eine wellige Strecke, die sich zwar nicht für Bestzeiten eignet, dafür aber hervorragende Stimmung am Streckenrand sowie perfekte Organisation und viel Sightseeing bietet: Washington Marathon - much better than New York.

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