Leser-Reporter Martin Kreitzberg

Marathon in Rotterdam - die Holländer, die können es!

Leser-Reporter Martin Kreitzberg berichtet vom Rotterdam-Marathon. Das war der zweite von sieben Marathons in diesem Jahr vor dem Finale beim New-York-Marathon.

Martin Kreitzberg beim Rotterdam-Marathon - Fotos

2. Streich: Rotterdam - die Holländer, die können es!

Es ist vollbracht – auch der zweite von sieben Marathons auf dem Weg nach New York ist geschafft – im wahrsten Sinne des Wortes. (Nummer 1 war der Bonn-Marathon.) Am Sonntag hatte ich keine Lust mehr, dieses Projekt weiter zu verfolgen und mir ist klar geworden, auf was für eine Schnapsidee ich mich da eingelassen habe. Aber der Reihe nach. So ist es halt auch mit jedem neuen Lauf: wie immer, wenn es zum Marathon geht, ist die Deutsche Bahn mein treuer Begleiter. Mit mir steigen viele Osterreisende in Rotterdam aus, die nach Amsterdam Schiphol wollen. Der Bahnhof von Rotterdam ist ein wahres architektonisches Meisterwerk – aber die ganze Stadt ist voll mit tollen Gebäuden. Vom Bahnhof Central machte ich mich auf, um meine Startunterlagen abzuholen. Kurzer Fußmarsch durch die City von Rotterdam, wo die Menschen flanieren, Kaffee trinken und einfach nur faulenzen. Warum kann ich das nicht auch machen, denke ich mir – aber ich habe eine Aufgabe, eine Mission.

Wie bei jedem guten Marathon hat auch Rotterdam eine große Wand, an der sich die Läufer verewigen können – und ich frage mich, was danach wohl mit der Wand geschieht. Ein Fall für Galileo Mystery, finde ich. Auch ich verewige mich wie immer mit Unterschrift und einem 95 ole, wie es sich für einen guten Fortunen gehört. Ein Minute später höre ich, wie ein junger Mann einem anderen jungen Mann sagt: "Hey, schau mal, da hat jemand 95 ole hingekritzelt, wie geil ist das denn?" Ich lächle stolz. Die Jungs sind auch aus Düsseldorf gekommen und laufen am Sonntag ebenfalls den Rotterdam-Marathon, allerdings in Laufklamotten – etwas langweilig. Ich halte die Farben der Fortuna hoch. 95 ole. Nach einer kurzen Orientierung durch Herrn Google hatte ich auch schon die Verbindungen zu meinem Hotel mit der Bahn gefunden. Das Hotel heißt "Stroom" und liegt direkt am Hafen. Ein kleines Studio über zwei Level – oben Schlafgelegenheit und unten Toilette und Dusche. Niedlich, aber die Holländer, die spinnen so ein kleines bisschen, denke ich. Warum nicht alles auf einer Etage?

Der Zieleinlauf beim Marathon in Rotterdam 2014.

Bild: Martin Kreitzberg

Der Marathon: ein großes Spektakel in Rotterdam

Nach dem Einchecken geht es in die Stadt und ich kann endlich ausspannen, Kaffee trinken und Leute beobachten, Zeitung lesen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. In der Stadt war es voll, weil in Rotterdam traditionell am Samstag der Kids-Marathon ausgerichtet wird, ein großes Spektakel. Ich fragte mich wo ich noch Essen holen sollte. Die holländische Küche ist nicht dafür bekannt, dass sie Sterne-Verdächtig ist. Nudeln dürften sie aber wohl hinbekommen?

Nein, ich ging kein Risiko ein und fand etwas zufällig Vapiano. Eine gute Wahl, denn ich wusste, was mich erwartet. Die Möglichkeit, eventuell durch die holländische Küche von meinem Vorhaben, meiner Mission, abgehalten zu werden, war somit ausgeschlossen. Vorerst. Mit vollem Magen und zwei Gläsern Pinot Grigio ging es zum Hotel zurück, ins Bettchen. Früh Schlafen war der Plan. Irgendwie gelang es mir aber nicht einzuschlafen, um vier und um sechs Uhr wachte ich auf, und ein dumpfes Gefühl macht sich breit. Um acht war ich der erste beim Frühstück. Das ist der Vorteil wenn der Marathon erst um 10.30 Uhr anfängt. Jeder Wunsch wurde mir von den Augen abgelesen: frisches Brot, Gebäck, frisch gepresster O-Saft und ein gekochtes Ei - mehr brauch ich nicht. Auschecken, viele gute Wünsche, dass ich den Marathon gut hinter mich bringen möge, und Unverständnis und Bewunderung, dass ich letzte Woche auch schon einen Marathon gelaufen.

Mit der Metro ging es dann zum Bahnhof, weil ich dort in einem Schließfach meine Klamotten deponieren musste. Im Hotel ging es zwar auch, aber die Gefahr, dass ich den Zug verpasse, wenn ich hin und her fahre, war mir zu groß. Auf dem Weg dorthin, lernte ich zwei junge Griechen kennen. Die liefen ihren ersten Marathon in ROTTERDAM. Spinnen die Griechen etwa auch? Am Bahnhof angekommen, suchte ich nach den Schließfächern. Es gab sieben Bereiche (A bis G) und jeder Bereich hatte nur eine Toilette. Dort staute es sich wie verrückt, also verzichtete ich.

Rotterdam lieferte alles, was ich in Bonn vermisste

Eine tolle Strecke, tolle Zuschauer, tolle Bands, tolle Shirts, und vor allem – die Medaille fehlte schlussendlich hier auch nicht! Durch die vielen Läufer lief man beim Rotterdam-Marathon nie alleine. Ich hatte die ganze Zeit eine Frau vor mir, die ein T-Shirt trug, "Ik ren voor". Bei einem Stopp kam ich mit einer Gruppe Männer ins Gespräch, die mein Trikot erkannten. Die waren letztes Jahr mit ihrem Verein im Stadion um 95 gegen HSV anzuschauen und um danach – wer denkt es sich nicht – in die Altstadt zu gehen. Die gerieten so richtig ins Schwärmen von Düsseldorf, ob für das Bier oder das Spiel - Hauptsache Düsseldorf.

Sieben Kilometer noch – die schaff ich wohl. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, wollte gehen, aber der Zug wartet ja nicht, also ging es weiter, laufen, gehen, singen, reden, fotografieren. Irgendwie ins Ziel. Die Atmosphäre beim Rotterdam-Marathon war fantastisch kurz vor dem Ziel, viele Menschen rockten den Zielbereich und ich wurde für die Strapazen entschädigt. Geschafft, im Ziel. Ich bekam meine Medaille, aber leider keinen Kuss von der Dame, die sie verteilte. Enttäuscht machte ich mich schnell auf den Weg zum Bahnhof. Im Foyer des Bahnhofs spielte ein Orchester live Filmmusik. Ich bekomm jetzt noch beim Schreiben eine Gänsehaut, so toll war das. Aber der Zug fährt in 45 Minuten, weiter zu den Schließfächern. Umziehen und auf den Bahnsteig. Auch die Holländer können pünktlich sein.

Leser-Reporter Martin Kreitzberg

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