Leserreporter Tom Klossek ist begeistert

Marathon im schönen Saaletal

Leserreporter Tom Klossek schwärmt vom Saaletal-Marathon mit einer der schönsten Laufstrecken Deutschlands, entspannter Organisation und garantiertem Muskelkater.

Leserreporter Tom Klossek beim Saaletal-Marathon 2014 in Ramsthal

Am bisher wärmsten Tag im Jahr lief Tom Klossek beim Saaletal-Marathon im Herzen der bayrischen Rhön mit.

Bild: www.fourrunners.de

Familiäre und unkomplizierte Organisation beim Saaletal-Marathon

Wer es noch nicht weiß, auch im schönen Saaletal kann man Marathon laufen. Muss man zwar nicht, kann man aber. Oder man sollte es. Egal wie, der Saaletal-Marathon im Herzen der bayrischen Rhön, im wunderschönen, unterfränkischen Saaletal ist immer wieder ein toller Anlauf um in den Frühjahrstrott zu kommen.

Schon zum fünften Mal fand er am letzten Samstag im März statt, dem 29.3.2014, und ist immer wieder ist er eine ganz besondere Herausforderung. Wenn es nicht die Berge sind, ist es eisiger Wind. Ist es eisiger Wind nicht, ist es der mit über 20°C bisher wärmste Tag im Jahr. Sind es die 20°C nicht, ist es die Achillessehne. Wer hat die überhaupt erfunden? Hätte eine Kugelschreiberfeder nicht auch gereicht? Egal.

Um 10 Uhr fällt der Startschuss zum Saaletal-Marathon, daher reicht es völlig um 9 Uhr aufzukreuzen. Der Andrang hält sich in Grenzen, das Feld ist überschaubar und da stellt sich mir schon immer die Frage, warum? Vielleicht weil es keine Rekordstrecke ist? Weil nur etwa gefühlt 345 Zuschauer an der Strecke stehen und anfeuern? Weil es keine Tempomacher mit bunten Luftballons gibt? Weil es keine nervigen, ellenlangen Reden sämtlicher Stadt- und Landräte gibt? Weil im März noch keiner Marathon laufen will? Alles Käse!

Gut, mehr Zuschauer gibt es wirklich nicht, auch keine bunten Luftballons, es gibt keine Plastiktoilettenhäuschen; die braucht man auch nicht, die Toiletten im Sportheim von Ramstahl reichen dicke, außerdem stehen entlang der Strecke 728.435 Bäume aller Arten, Formen und Farben. Es gibt auch keine Startblöcke und Blockstarts. Bei etwa 400 Startern auf der 10-km-, Halbmarathon- und Marathonstrecke ist das auch nicht notwendig.

Dafür aber gibt es beim Saaletal-Marathon eine der schönsten Laufstrecken Deutschlands, man trifft viele Freunde und Bekannte, es gibt leckeren Kaffee und Kuchen, kostenlose Massagen und garantierten Muskelkater.

Meine Vorbereitung in Kurzform: Nach dem Houston-Marathon Mitte Januar zurück ins Tempotraining gekehrt / daraufhin gleich die Achillessehe entzündet – konnte ihn eh nie leiden, den unverwundbaren Griechen / Marathontraining im Keller auf dem Heimtrainer fortgesetzt, es gibt wohl kaum was Schöseligeres / kiloweise Salben geschmiert, pfundweise Schüsslersalze gefuttert, tausende von Stoßwellen ertragen / graue Haare erlitten auf dem Blick auf den Kalender, denn der Tag X rückte näher / Kinesio Tape? Was macht man nicht alles als Läufer um auf den vorbereiteten Marathon vorbereitet zu sein, auch wenn man nicht vorbereitet ist? Richtig man geht an den Start, denn nur die Harten kommen in Garten, so auch in Ramsthal.

Kinesio Tape rum, Thrombosesocken, im Fachchargon auch Kompressionsstrümpfe genannt, drüber, damit man die Tapes nicht sieht. Denn die sind meist, zumindest bei mir, rosafarben. Dass es keine gute Marathonzeit geben wird, war mir schon im Vorfeld klar, es fehlten schließlich die entscheidenden, letzten vier Trainingswochen, aber ich wollte unbedingt starten, und wenn es nur einfach ein langer Trainingslauf mit Gehpausen wird, wollte wieder einige Lauffreunde treffen, an einem verstorbenen Laufkollegen gedenken und einfach die wunderschöne Strecke genießen.

Nach 500 Höhenmetern und 42,195 Kilometern durch hübsche kleine Ortschaften und entlang an unzähligen Bäumen, Kuhweiden und sogar Ruinen läuft Leserreporter Tom Klossek ins Ziel beim Saaletal-Marathon.

Bild: www.fourrunners.de

Garstige Anstiege und gewaltige Aussichten beim Saaletal-Marathon

Gut, im vergleich zum Vorjahr, als heftig kalter Wind uns Kurzhosenläufern Flagge zeigte, wurde es am letzten Samstag ein angenehmer Lauftag. Nach dem Startschuss, AC/DC-Sound gab es nicht, führt die Strecke zunächst durch das Örtchen Ramstahl und dann direkt, garstig, fast bösartig in Richtung Himmel, also ziemlich bergauf. Oben angekommen wird einem dann die Faszination „Saaletal-Marathon“ klar, denn die Aussichten sind traumhaft, teilweise gewaltig. Es geht, durch Wald, auf Feldwegen, über Stock und Stein, sogar Treppenstufen hinunter. Etwa 500 Höhenmeter kommen zusammen, es geht an Ruinen vorbei, an Kuhweiden, durch hübsche kleine Ortschaften, wo die ansässigen Feuerwehren, Bereitschaften und Einwohner ihr Bestes geben um die Strecke zu sichern, den richtigen Weg zu zeigen und natürlich uns Läufer mit allem wichtigen zu versorgen.

Ich war schon zum vierten Mal in Folge am Start, nur in diesem Jahr war wirklich mehr „Aussicht genießen“ als sonst, denn Achilles machte jeden Anstieg zur Qual und an laufen oder joggen war teilweise nicht zu denken; also war gehen angesagt – und Landschaft genießen. Die Strecke teilt sich zweimal und das rechtzeitig, also abbrechen oder verkürzen war möglich, sprich auf die 10-km-Distanz auszuweichen oder dann auf den Halbmarathon, aber das kam für mich nicht in Frage, zu sehr hab ich mich auf diesen Lauf gefreut.

Die geplanten Zielzeiten schwanden kilometerweise. 4 Stunden – nö. 4 Stunden 15 – nö. 4 Stunden 30 – nö … Dann wenigstens unter 5 bleiben und den Marathon als Trainingslauf titulieren, aber wenigstens die tolle Atmosphäre, die Landschaft, die Strecke genossen zu haben, das war mir wichtig. Die Finishermedaille nahm ich dennoch voller stolz in Empfang, genoss die heißen Duschen, den leckeren heißen Kaffee danach, die Massagen hab ich promt vergessen und konnte mich dennoch über einen Altersklassentitel freuen. Also eines steht fest, nächstes Jahr geht es wieder nach Ramsthal, ob mit Achilles oder ohne.