Biggi Wölk beim Düsseldorf-Marathon 2014

Marathon für den guten Zweck

Marathon ist nicht gleich Marathon - sagt Leser-Reporterin Biggi Wölk und berichtet von ihren Erfahrungen beim Düsseldorf-Marathon 2014.

Leser-Reporterin Biggi Wölk beim Düsseldorf-Marathon 2014

Leser-Reporterin Biggi Wölk mit ihren Kollegen und Freunden vom running4charity-Verein beim Düsseldorf-Marathon 2014.

Bild: privat

27.04.2014 Marathon Düsseldorf

Nach meinem ersten Marathon letztes Jahr in Köln war mir klar: Das war nicht mein letzter! Es liegt nicht alleine daran, einen Marathon zu laufen, die für viele 42,195 km fast unvorstellbar lange Distanz, sondern die Vorbereitung darauf, die intensive Zeit, die man mit sich selbst verbringt, in sich hinein hören muss, ein Gespür entwickelt, für dass, worauf es ankommt – sich die richtige Zeit einzuteilen. Viele schöne Trainingsläufe habe ich absolviert, die Natur am Niederrhein fasziniert mich immer wieder von neuem; neugierig habe ich neue Strecken für mich entdeckt und der Tag des Marathons in Düsseldorf rückte immer näher – das Wetter wurde leider immer schlechter.

Früh morgens ging es schon mit den Lauffreunden von running4charity e.V. los. Es regnete bereits in Strömen und es war auch keine Besserung in Sicht.

Zum Glück konnten wir einen Parkplatz in der Nähe des Starts ergattern und machten uns eingehüllt in Plastikplanen und Müllsäcken auf den Weg zur Startnummernausgabe. Doch trotz des Regens war die Freude auf den Düsseldorf-Marathon groß und ich blickte in viele lachende Läufergesichter. Natürlich stellten auch wir uns die Frage: „was machen wir hier überhaupt?“ Schnell haben wir noch den Kleiderbeutel abgegeben und sind dann bibbernd zum Auto gelaufen um uns noch etwas aufzuwärmen, bis es an den Start ging. Für meine Startnummer habe ich immer ein Band zur Befestigung; das Papier dieser Nummer war diesmal sehr dick. Um es mit dem Druckknopf befestigen zu können, musste Werkzeug her.

Ich ahnte es bereits, als mir Jörg sein Taschenmesser gab, das erste Loch war kein Problem, aber beim Zweiten schnitt ich mir in den Zeigefinger. Manchmal hat man schon so eine Vorahnung und im nächsten Moment ärgerte ich mich bereits nicht etwas besser aufgepasst zu haben. Der Finger blutete. Mit einem Taschentuch versuchte ich zunächst die Blutung irgendwie zu stoppen und nervös blickte ich auf die Uhr, es war nicht mehr viel Zeit bis zum Start!

Irgendwo im Kofferraum lag der Verbandskasten

Also Taschentuch drauf und hoffen. Wir zogen los in Richtung Start, nochmal schnell zur Dixi-Toilette. Jeder, der schon mal auf einem Dixi war, weiß, was ihn erwartet, aber wenn man weiß, dass man mindestens dreieinhalb Stunden auf der Laufstrecke sein wird, ist es besser diesen Ort nochmal aufzusuchen. Also Augen zu und durch! Es war zeitlich schon sehr eng, die Läuferinnen und Läufer standen bereits jedoch noch eingehüllt in ihren Müllsäcken und Planen in den Startboxen, als wir die Durchsage hörten „noch vier Minuten bis zum Start“, wir aber immer noch vor dem Dixi-Klo standen.

Bis wir alle fertig waren und unseren Startblock (schwarz) erreicht hatten, ging es nahtlos in den Startschuss über. Also nix mit Einstimmung mit einem Lied, was wir stimmungsvoll mit auf die Strecke des Düsseldorf-Marathons nehmen würden. Vielleicht gab es das auch, mag sein – wir waren ja noch beim Dixi und ich mit meinem Zeigefinger und dem Tempo-Taschentuch beschäftigt. Aber es sah gut aus, es blutete nicht mehr. Das Taschentuch hielt ich aber trotzdem um den Finger gewickelt. Laufend umarmten wir uns noch und wünschten uns allen einen guten und verletzungsfreien Lauf – dann ging jeder seinen Weg.

Die ersten Kilometer konnte ich noch mit Jörg mitlaufen. Es war ein Gewühl durch die Menge, immer wieder Schlangenlinien und Regen von oben. Es war gar nicht möglich den Pfützen auszuweichen und manche waren so groß und unangenehm tief, dass meine Laufschuhe schon nach kurzer Zeit getränkt waren. Ich habe den Vergleich gezogen, als hätte ich den Rhein in meinen Schuhen gehabt, mit jedem weiteren Schritt wurde das Wasser wieder ausgepresst. Dann folgte die nächste Panne, ca. bei Kilometer sechs. Ich merkte wie mein rechter Schuh immer lockerer wurde und da hörte ich auch schon eine Stimme von hinten, die mich warnte: „Pass auf, Dein Schuh ist auf“ – also schnell an die Seite, den Schuh neu schnüren. Innerlich hörte ich mich laut fluchen: „Ich bin auf die Strecke gegangen um eine persönliche Bestzeit zu laufen, das hat ja schon gut angefangen, der Schnitt in den Finger, der Schnellstart und jetzt auch noch der offene Schnürsenkel, was mag noch kommen?“

Jörg, der weiter gelaufen war, konnte ich aber wieder einholen, doch da ich an jeder Verpflegungsstelle Halt gemacht hatte, um etwas zu trinken, er aber seinen Trinkflaschen-Gürtel um hatte und nicht sonderlich drauf angewiesen war, entfernten wir uns immer weiter. Ein paar Abschnitte konnte ich ihn immer noch von hinten sehen und dachte mir dabei, das schaffst du auch alleine. Den ersten Marathon bin ich die ganze Zeit mit Christoph, der auch mit uns in Düsseldorf an den Start gegangen war, jetzt aber hinter uns unterwegs war, gelaufen. Ich wusste, wenn ich es nicht wie vorgenommen packen sollte, dann würde ich mich zurückfallen lassen und bräuchte nicht alleine laufen.

Nass ist nass

Es lief aber ganz gut und der Regen machte mir nicht mehr viel aus. Nass ist nass. Leider waren dadurch nur wenige Zuschauer beim Düsseldorf-Marathon an der Strecke. Es gab Abschnitte, da war überhaupt nichts los. Es war schon fast ein unwirkliches Gefühl, wie in einer Geisterstadt. Obwohl da jede Menge parkende Autos standen, Luxusklasse an Luxusklasse, aber niemand, kein Anwohner, war zu sehen. Vereinzelt hörte man von einem Balkon ein Klappern, da stand mit Kochtopf und Kochlöffel in den Händen eine Frau auf ihrem Balkon, etwas weiter öffnete sich eine weitere Balkontür und ein Mann half einer älteren Dame, die einen Rollator vor sich schob auf den Balkon.

Wahrscheinlich hatte sie den Mann darum gebeten, ihr zu helfen, weil sie neugierig war und dabei sein wollte. Ich winkte ihr zu, weil ich mich so darüber freute, dass sie trotz ihrer Gebrechlichkeit dort stand. Für mich aber war es ein besonderer Moment, den ich wahrgenommen habe und diese Gedanken daran heute immer noch in mir trage. Das ist das, warum es so wichtig ist, dass Zuschauer an der Strecke sind. Zuschauer, die es zum Glück auch gab, die da mit Plakaten standen, die Deinen Namen rufen, dir Sprüche zurufen, wie „Ihr seid super“, „Weiter so, ihr schafft das!“ oder einfach Leute zusammen kommen, die auf der Straße gemeinsam feiern.

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