Infiziert mit dem Laufvirus

Leserreporterin Maren Zinser beim Weinstraßen-Marathon

Maren Zinser hat beim Marathon an der Deutschen Weinstraße 2014 ihren ersten Halbmarathon gefinisht. Und sich dabei mit dem Laufvirus infiziert.

Marathon Deutsche Weinstraße - Fotos
Maren Zinser am Start zum Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße

Am Start zum Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße lässt Maren Zinser sich keine Nervosität anmerken.

Bild: privat

Im RUNNER’S-WORLD-Buch vom Laufen heißt es: "Für Laufeinsteiger ist ein Halbmarathon genauso wenig als Wettkampfdistanz geeignet wie ein Marathon. Nur wer schon mindestens ein Jahr regelmäßig 2-3 x pro Woche läuft und sich 10 Wochen für die Vorbereitung Zeit nimmt, sollte sich an einen Halbmarathon wagen." Als ich das gelesen habe, habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht. Ich hatte in den letzten Jahren mehrfach versucht, mit dem Laufen zu beginnen, aber ich habe meistens nicht einmal einen Kilometer am Stück gepackt.

Die einzige Sportart, der ich bis dahin regelmäßig nachgegangen bin, ist Mountainbiken. Ein- bis zweimal im Jahr fahre ich außerdem in die Alpen zum Wander- und Mountainbike-Urlaub. Im Juli 2013 habe ich dann nochmals versucht mit dem Laufen zu beginnen. Durch das Laufen wollte ich mehr Selbstbewusstsein erlangen. Gleichzeitig sollte es als Ausgleich für meinen stressigen Arbeitsalltag dienen. Beim ersten Lauf schaffte ich immerhin sechs Kilometer, kurz darauf schon 15 Kilometer. Das hätte ich mir vorher nie zugetraut. Nach einer kleinen Laufpause lief ich im Winter regelmäßig und startete Ende Januar mit dem offiziellen Halbmarathon-Training. 10 Wochen lang, dreimal die Woche laufen. Mein Ziel: Halbmarathon unter 2:15 Stunden. Trainiert habe ich nach einem RUNNER’S-WORLD-Trainingsplan. Vom Marathon an der Weinstraße habe ich ebenfalls durch die Zeitschrift RUNNER’S WORLD erfahren.

Und nun war es soweit. Ich war schon einen Tag vorher ziemlich aufgeregt, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartet und wie gut ich durchhalten würde. Ich hatte in der Nacht ziemlich unruhig geschlafen und dann noch diese Zeitumstellung. Wer veranstaltet denn einen Marathon am Tag nach der Zeitumstellung, fragte ich mich?! Um 10 Uhr ging es dann los. Ich war wirklich sehr nervös. Es war ein komisches Gefühl in dieser Masse zu laufen, vorbei an den klatschenden Zuschauermengen. Ich hatte für diesen Moment wochenlang trainiert und war sehr berührt. Ich musste wirklich um Fassung ringen, aber zum Glück habe ich mich dann sehr schnell wieder beruhigt.

Unterwegs genießt Maren Zinser beim Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße bestes Wetter und viele Zuschauer.

Bild: privat

Lockere Atmosphäre beim Halbmarathon an der Weinstraße

Das Wetter hätte beim Marathon an der Weinstraße nicht besser sein können. Mir fiel gleich zu Beginn des Laufs die lockere Atmosphäre unter den Läufern auf. Viele unterhielten sich, vor allem zu Beginn des Laufs, später natürlich weniger. Ich dachte immer, bei so einem Marathon will jeder für sich sein. Außerdem hat mich überrascht, dass sehr viele Nationen vertreten waren. Ich bin davon ausgegangen, dass bei so einem Marathon auf dem Lande nur Läufer aus der Region teilnehmen.

Die Strecke verlief durch viele kleine Ortschaften, auf Landstraßen, über Feldwege und durch die Weinberge. In den Ortschaften waren viele Zuschauer, die die Läufer unter anderem mit selbst gebastelten Plakaten anfeuerten. Die Stimmung unter den Zuschauern war wirklich super und motivierend. Am schönsten war es natürlich in den Weinbergen. Hier waren zwar deutlich weniger Zuschauer, dafür hatte man einen tollen Blick auf die schöne Landschaft ringsum. Vor allem in den Weinbergen ging es auch mehrmals etwas steiler hoch, womit ich zum Glück kein Problem hatte, da ich im Training des öfteren steilere Berge gelaufen bin.

Für jemanden, der bisher nur im Flachland unterwegs war, war das sicherlich eine Herausforderung. Ich war wirklich erstaunt, wie gut meine Ausdauer war. Nämlich so gut wie in keinem Training zuvor. Ich bin nie stehen geblieben und auch nicht gegangen. Nur am Getränkestand habe ich meistens kurz angehalten, bis ich das Getränk runtergekippt hatte. Ich hatte die Strecke mit meinem Handy aufgezeichnet. Meine Trainings-Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,6 km/h hatte ich auch während des Halbmarathons gehalten. Meine Maximalgeschwindigkeit lag bei rekordverdächtigen 81,9 km/h?! Vielleicht sollte ich mich doch mal nach einer neuen Lauf-App umsehen.

Eine Besonderheit des Marathon an der Weinstraße ist, dass es an den Verpflegungsständen neben Wasser, Obst, isotonischen Getränken und Apfelsaftschorle, passend zur Weinstraße, auch Wein gab. Ich habe davon aber lieber die Finger gelassen, da mir der Wein sicherlich sehr schnell in den Kopf gestiegen wäre.

Stolz im Ziel: Maren Zinser nach dem Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße

Bild: privat

Mit Medaille: Maren Zinser nach dem Halbmarathon an der Deutschen Weinstraße.

Beim Weinstraßen-Marathon mit dem Laufvirus infiziert

Rund vier Kilometer vor dem Ziel ging es dann nochmal einen steileren Berg hoch: Die Wand von Asselheim. Hier hatte der TSG Grünstadt Schilder aufgestellt mit den Aufschriften: "Auf geht’s!" "Weiter so!" und "Klagt nicht, KÄMPFT!". Mir haben diese Sprüche wohl geholfen, denn ich fand es gar nicht so anstrengend, und war überrascht, als ich vor mir sehr viele gehende Läufer sah. Die letzten zwei Kilometer ging es nur noch bergab. Ab dem Orteingang Bockenheim standen wieder sehr viele Zuschauer, die uns anfeuerten.

Man sah bereits die ersten Läufer am Straßenrand, die Ihre Medaillen schon entgegen genommen hatten. Und dann war es so weit: Das Ziel lag vor meinen Augen. Von den Zuschauern ringsum habe ich kaum etwas mitbekommen. Ich habe nur auf die große Uhr geschaut, die meine Laufzeit anzeigte. 2 Stunden und 16 Minuten, minus die drei Minuten, die ich vom Startschuss bis zur Startlinie gebraucht habe. Mein offizielles Ergebnis lautete 2:13:35 Stunden. 365. Gesamtplatz in der Frauenwertung. Mein Ziel, unter 2:15 zu bleiben, hatte ich also erreicht. Ich war verdammt glücklich und stolz auf mich. Vor ein paar Monaten hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt, dass ich an einem Halbmarathon teilnehme. Leider findet der Marathon an der Deutschen Weinstraße nur alle zwei Jahre statt, aber dann bin ich definitiv wieder dabei, denn nun bin ich auch infiziert … mit dem Laufvirus!

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