Für den Marathon ist es nie zu spät

Leser-Reporterin Sigrid Strinzel über ihre Marathonpremiere mit 60 Jahren

Mit ihrem Bericht möchte Leser-Reporterin Sigrid Strinzel älteren Läufern Mut machen. Sie selbst ist 60 und lief dieses Jahr in Hamburg ihren ersten Marathon.

Hamburg-Marathon 2015 - Die Bilder

Im Mai 2014 hatte mich die Fernsehübertragung vom Marathon Hamburg fasziniert. Nach drei Halbmarathons soll es nun ein Ganzer sein. Zum Laufen bin ich erst spät gekommen. Als ich es mit Mitte 40 fast nicht geschafft hatte, den Teide auf Teneriffa zu besteigen, erzählten mir Mitwanderer dass sie zur Ausdauersteigerung joggten. Diese Ausdauer wünschte ich mir auch. Mit 44 Jahren begann ich mit dem Laufen. Das war vor 15 Jahren.

Von einem Tief kurz vor der Hälfte des Hamburg-Marathons ließ sich Leser-Reporterin Sigrid Strinzel bei ihrer Marathon-Premiere nicht unterkriegen und lief erfolgreich bis ins Ziel.

Bild: privat

Ich meldete mich für den Marathon Hamburg 2015 an und begann, Bücher zu wälzen. Ein Finisherplan musste her. Mein Ziel war es gut durchzukommen. Es war verwirrend. 4 Pläne, 4 verschiedene Ansätze. Was war richtig? Ich guckte mir einen Plan aus, bastelte etwas daran herum und fing ein halbes Jahr vor dem Termin mit dem Training an.

Wintertraining für die ersten 42,195 Kilometer

Alles lief gut. Dann aber, mit Verschlechterung des Wetters verschlechterte sich auch meine Stimmung. Wer hatte bloß die blöde Idee diesen Lauf so früh ins Jahr zu legen, so dass alle Läufer bei Sturm, Regen und Kälte trainieren müssen? Angst machte sich breit. Kann man unter solchen Bedingungen überhaupt ausreichend trainieren? Wie soll das gehen?

Die Beine liefen ganz gut, aber der Kopf wollte nicht mit machen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über Ernährungs- und Trainingslehre, aber auch über mich selbst gelernt. All die kernigen Sprüche von anderen: Ich kann erst nach einer halben Stunde sagen, ob es ein guter Lauf wird. Die zweite Hälfte vom Marathon läuft man nur mit dem Kopf. Willst Du Dir etwas Gutes tun, dann laufe, willst Du Dich kennen lernen, laufe einen Marathon, habe ich erst im Nachhinein verstanden.

Meinen schlechtesten Lauf hatte ich bei einem Training über 24 Kilometer. Ich hatte das Gefühl, als käme der Mann mit dem Hammer schon bei Kilometer 1. Es gibt einfach schlechte Tage. Aber auch gute, etwa wenn sich auch nach einem 3-stündigen Lauf durch Kälte und Regenschauer keine Erkältung einstellt. Auch dass Motivationstiefs nur durch sture Beharrlichkeit ausgetrickst werden konnten, war eine Lehre.

Der Start des ersten Marathons

Dann endlich war es soweit: der 26. April 2015. Bei den Messehallen in Hamburg herrschte trotz gut 20.000 Startern eine entspannte Atmosphäre. Ich gehe zu meinem Startblock. Und endlich geht die Reise los. Das Wetter spielt mit. 10 Grad und nur ab und zu ein Regenschauer. Es läuft gut. Bei Kilometer 15 meldet sich an den vom Regen aufgeweichten Füßen die erste Blase. Es ist dunkel und ungemütlich geworden.

Ein Tief vorm Halbmarathon

Erste Zweifel machen sich breit und lassen sich durch nichts mehr verscheuchen. Bei Kilometer 18 wird klar: Das wird nichts, da hast Du Dir zu viel vorgenommen. Noch nicht einmal ein Halbmarathon und dann die gleiche Strecke noch einmal. Das schaffst Du nie. Mit meinem Mann, der mich quer durch Hamburg verfolgte um mich immer wieder anzufeuern, war abgemacht, dass er bei Kilometer 20 stehen wollte. Mir war klar, dass ich dort ohne Enttäuschung und ohne Groll aussteigen werde. Ich hatte es jedenfalls versucht.
Aber was war das? Kein Mann in Sicht. So lief ich noch ein Stück und noch ein Stück und siehe da: Kilometer 23 war erreicht. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, dämmerte mir plötzlich, dass ich es schaffen könnte. Schon 23 Kilometer, also bleiben nur noch 19. Das schaffst Du!

Leser-Reporterin Sigrid Strinzel zeigt die Marathonstrecke in Hamburg

Bild: privat

Hier geht’s lang. Auf dem attraktiven Rundkurs beim Marathon Hamburg gibt’s für die Marathonläufer viel zu sehen.

Auf der zweiten Hälfte rollt’s

Nun wurde es noch spannend, was bei Kilometer 30 passieren würde. Kommt der Mann mit dem Hammer oder kommt er nicht? So spulte ich einen Kilometer nach dem anderen ab. Und siehe da: kein Hammermann, keine Krämpfe, selbst die Blase unterm Fuß habe ich nicht mehr gespürt. Alles richtig gemacht. Wie gut, dass mein sonst so absolut zuverlässiger Mann dieses Mal seine Pläne geändert hatte und nicht an der verabredeten Stelle gestanden hatte. Sonst hätte ich diesen Lauf nicht beendet und nicht erfahren, zu was man in der Lage ist, wenn die Psyche mitspielt.

Im Ziel des Hamburg-Marathons angekommen, spürte ich zur meiner Enttäuschung gar nichts. Das war also mein erster Marathon? Erst nach Tagen wurde mir bewusst, was für ein tolles Abenteuer dieses halbe Jahr gewesen ist. Nach und nach setzten sich Freude und Stolz durch. Auch mein Mann war im Ziel wieder da, um mich abzuklatschen und in Empfang zu nehmen.

Liebe ältere Läufer: Es gibt mehr Menschen die aufgeben als solche die scheitern. Nur Mut.

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