Dieter Hogen

Kenias einzige Tartanbahn liegt in Nairobi

Warum sind Kenias Läufer so schnell? Teil 2 der Analyse von Lauftrainer Dieter Hogen.

Kenianische Topläufer beim Training

Kenias Läufer trainieren auf Aschenbahnen und in baufälligen Stadien.

Bild: photorun.net

In Kenia gibt es überall Laufstrecken mit Bodenverhältnissen, die ein ganzjähriges Training in jeder Entwicklungsstufe zulassen, vom Kind bis zum Weltklasse-Athlet. Mehrere Wochen im Jahr sind die lehmigen Wege zwar mitunter wegen der Regenfälle sehr schlammig, aber irgendwie findet man eine Strecke, auf der noch halbwegs gelaufen werden kann. Die lehmbepackten Schuhe hängen dann wie Blei an den Füßen, aber das gibt Kraft. So genannte Stadien oder Plätze mit einer Aschenbahn, die dann in mehr oder weniger schlechtem Zustand ist, gibt es auch. Die einzige Tartanbahn Kenias ist in Nairobi. Damit ist also alles Wesentliche, was man zum Laufen braucht, vorhanden. In einigen Orten gibt es außerdem ein Fitness-Center, wo Gymnastik oder Kraft- und Stabilisations-Übungen ausgeübt werden können.

Was Deutschland angeht, so kann ich mich zu diesem Punkt kurz fassen. Es gibt Hallen, Krafträume, jede Menge gutes Laufgelände in verschiedenen Teilen des Landes und zentrale Trainingsstätten.

Vielleicht noch ein interessantes Detail: Viele wissen, dass es in bestimmten Orten in Kenia mehrere hundert Läufer gibt, die ein intensives Training absolvieren, gesteuert und ungesteuert. Was viele aber nicht wissen – und das dann mit einer großen Talente-Konzentration auf kleinem Raum verwechseln – ist, dass die meisten nicht aus diesen Orten stammen. Sie kommen hier aus vielen Gegenden zusammen, weil sie wissen, dass hier Spitzenläufer in leistungsstarken Gruppen trainieren. Sie hängen sich dann einfach rein, um diesen Ausdruck einmal zu gebrauchen, und hoffen aufs Überleben und eine starke persönliche Leistungsentwicklung, damit jemand auf sie aufmerksam wird. Das ist auch einer der Gründe, weshalb viele gute Athleten erst später, nach Abschluss der Schule, zu guten Leistungen kommen. Eine große Anzahl von Athleten lebt unter Dauer-Trainingslagerbedingungen.

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Kenias Läufer meiden Hitze